Rucksackreise südliches Afrika – Ein Reiseerlebnisbericht
Ein Reiseerlebnisbericht
von Manfred Suchan
1. Einleitung
Vom 28. Oktober 2025 bis zum 28. Dezember 2025 habe ich eine zweimonatige Rucksackreise in der geografischen Region des südlichen Afrikas (1) unternommen. Bei meinen Reisen bereise ich nicht Länder oder Staaten, sondern von mir selbst definierte geografische Regionen (2), und dies ist eine Frage der wissenschaftlichen Kategorienbildung (3) und der Klassifizierung (4). Während z.B. in den Geschichtswissenschaften Kategorienbildung insbesondere in Gestalt von historischen Zeitaltern und Epochen erfolgt, die, wie eine jede wissenschaftliche Kategorienbildung, nach signifikanten, nachvollziehbaren und überzeugend begründeten Kriterien voneinander abgegrenzt werden müssen, so sind dies in der Geografie geografische Räume (5) und geografische Regionen.
Da die Wirklichkeit (6) der Welt (7) als ein in vier Dimensionen (Raum und Zeit) erfolgender Prozeß verstanden werden kann (8), ist hierbei mein Erkenntnisinteresse (9) darauf gerichtet, diese geografischen Regionen sowohl als eine naturgeografische und kulturgeografische Einheit, als auch als eine historische Einheit kennenzulernen, auch um diese mit anderen geografischen Regionen vergleichen (10) zu können. Zur Planung und Durchführung meiner Reisen nutze ich Reiseführer (11). Bestandteile meiner Reisen sind unter anderem Stadtexkursionen sowie Besuche von Museen und Gedenkstätten. Es gilt, historische Forschung an den geografischen Originalschauplätzen historischer Ereignisse zu betreiben, eine Methode, die auf den Historiker und Geografen Herodot von Halikarnassos (ca. 480 – 430 v. Chr.) (12) zurückgeführt werden kann.
Die neuzeitliche Geschichte des südlichen Afrikas ist durch dessen Lage an der seit der frühen Neuzeit bestehenden Weltschifffahrts- und Welthandelsroute zwischen Europa und dem südlichen und südöstlichen Asien geprägt (13). Über die Zeit davor und vor dem Eintreffen von Europäern im südlichen Afrika ist nur sehr wenig bekannt, und das gilt mit wenigen Ausnahmen, wie z.B. Ägypten, für den gesamten afrikanischen Kontinent (14). Während die Geschichte Ägyptens (15) zu großen Teilen erforscht und dokumentiert ist, ist dies bei der Geschichte Nubiens (16), Äthiopiens (17) und weiterer angrenzender Regionen in Afrika bislang erst spärlich erfolgt. In Folge der sogenannten „Islamischen Expansion“ (18) wurde die Geschichte Nubiens verschüttet, und die Geschichte Äthiopiens wurde von den gemeinsamen historischen Entwicklungen in Europa und Asien abgeschnitten und isoliert.
Diese Reise war bislang meine erste Reise im südlichen Afrika. Zuvor hatte ich lediglich verschiedene Reisen im nördlichen und nordwestlichen Afrika unternommen, insbesondere in Ägypten und Marokko, des Weiteren in Mauretanien, Senegal und Gambia. Jetzt besuchte ich in Form einer Rundreise die Länder Südafrika, Namibia, Botswana und Lesotho.
Meine Reise durch Teile des südlichen Afrikas führte ich als Rucksackreise (19) mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch. Rucksackreisen sind insbesondere seit den 60er und 70er Jahren populär, als junge Leute mit Rucksack und geringem Reisebudget Fernreisen, Überlandreisen (20) und Abenteuerreisen (21) unternommen haben, z.B. auf dem sogenannten „Hippi trail“ (22) von Europa durch Asien und oft weiter bis nach Australien. Wie auf meinen Reisen üblich, erfolgte auch meine Reise durch Teile des südlichen Afrikas selbstorganisiert. Ich bin davon überzeugt, daß nur selbstorganisierte Reisen die unabdingbare Unmittelbarkeit gewährleisen, die eine größtmögliche Authentizität von Wahrnehmungen, Erlebnissen (23), Erfahrungen (24) und Erkenntnissen (25) ermöglichen, wobei Reisen ein Mittel zu Welterlebnis, Welterfahrung und Welterkenntnis sind.
Der moderne Tourismus wurzelt im Bildungsideal des Zeitalters der Aufklärung (26) und dem Anspruch auf Welterlebnis, Welterfahrung und Welterkenntnis, wie eine jede Theorie des Tourismus feststellen kann (27) Heute leistet weltweiter Tourismus auf Grundlage der allgemeinen Reisefreiheit (28) als einem Weltbürgerrecht und einem allgemeinen Menschenrecht einen bedeutenden zivilgesellschaftlichen Beitrag zur Völkerverständigung (29), und er trägt zur Bildung einer friedlichen Weltgesellschaft bei. Damit ist Tourismus ebenso wie Bildung ganz unzeitgemäß aktuell, soweit es dem Tourismus ebenso wie der Bildung gelingt, sich seiner Industrialisierung zu entziehen.
Heute verfehlt Tourismus jedoch weitgehend seine Intention von Welterlebnis, Welterfahrung und Welterkenntnis, denn es erfolgt eine fortschreitende Industrialisierung des Tourismus durch die Tourismus-Industrie. Die Tourismus-Industrie ist Bestandteil der Konsumkultur (30) der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, und sie vermarktet Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen. Die Touristen werden durch die Tourismus-Industrie entmündigt und manipuliert, wodurch intellektuelle Reflektionen verhindert werden. In der Tourismus-Industrie entscheiden die Buchungszahlen darüber, was zustande kommen und umgesetzt werden kann, und das ist gemäß dem allgemeinen gesellschaftlichen Trend zunehmend dürftiger und niveauloser, denn unsere Konsumkultur in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft und damit der Horizont unserer Wahrnehmungen, Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse ist von Ablenkungen, Zerstreuungen und seichten Vergnügungen geprägt. Dieser gesamtgesellschaftliche Trend wird dadurch verstärkt, daß nach der technokratischen „Bologna-Reform“ (31) die gesellschaftliche Rolle von Bildung und von Wissenschaft zu der eines zugerichteten Anhängsels des Wirtschaftsprozesses im europäischen Großwirtschaftsraum, der von der Europäischen Union verwaltet wird, transformiert wurde.
Somit sind selbstorganisierte Rucksackreisen eine Alternative sowohl zum Mainstream der Tourismus-Industrie, die eine fortschreitende Industrialisierung des Tourismus betreibt, als auch zum nach bildungsökonomischen Prämissen gleichgeschalteten und zweckrational zugerichteten Bildungsbereich als einem Bestandteil der Bewußtseins-Industrie (32).
Im südlichen Afrika ist das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf die Hauptstrecken zwischen den großen Städten beschränkt, und mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es im südlichen Afrika nicht möglich, abgelegene und perifere Reiseziele und Sehenswürdigkeiten zu erreichen. Da die touristische Infrastruktur im südlichen Afrika hochgradig auf das Reisen in eigenen Fahrzeugen ausgelegt ist, mieten die meisten Touristen hier einen Leihwagen, mit dem auch abgelegene Orte und Sehenswürdigkeiten erreicht werden können, was sonst kaum möglich ist. Insbesondere sind im Südlichen Afrika bei Touristen teure Geländewagen mit Dachzelten beliebt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln, d.h. Reisebussen, ist man auf die Hauptstrecken zwischen den größeren Städten beschränkt, oder man bucht eine Beteiligung an organisierten Touren, was allerdings vergleichsweise teuer ist.
Im Gegensatz zu den omnipräsenten Leihwagen, mit denen fast alle Touristen im südlichen Afrika unterwegs sind, haben mich hingegen beeindruckt die wenigen Fahrradreisenden, die ich während meiner Reise im südlichen Afrika angetroffen habe, und die mit ihren Reisefahrrädern auf mehrmonatigen Fahrradfernreisen (33) unterwegs waren. Insbesondere haben sie mich beeindruckt, weil ich selbst gerne Fahrradreisen unternehme. So traf ich in Swakopmund Clément aus Bordeaux, der sich auf einer zweijährigen Weltreise befand, während der er die Distanzen über Land mit seinem Reisefahrrad zurücklegte, und die Distanzen über die Ozeane als Mitsegler auf Segelschiffen. Bei unserem Treffen in Swakopmund befand er sich auf der Rückreise von Kapstadt durch das westliche Afrika zurück nach Bordeaux (34). In Windhoek traf ich Gustavo aus Mexiko, der mit seinem Reisefahrrad von Marokko durch das westliche Afrika nach Kapstadt unterwegs war (35). Des Weiteren traf ich in Botswana Wiebke mit ihrem Reisefahrrad, die kürzlich von Freiburg durch das westliche Afrika nach Kapstadt geradelt ist (36).
Während meiner Reise im südlichen Afrika hat sich die Mitnahme eines kleinen Zeltes als sinnvoll erwiesen, das ich auf Campingplätzen nutzen kann, und auch Hostels bieten oft Campingmöglichkeiten auf ihrem Gelände an. Camping mit einem kleinen Zelt ist im südlichen Afrika die kostengünstige Form der Übernachtung, auch im Vergleich zu den Dormitories der Hostels. Auch habe ich damit eine Übernachtungsalternative, wenn Anfang Dezember im südlichen Afrika die Hauptreisezeit beginnt und Unterkünfte ausgebucht sein können.
Von meinen Reisen, meinen Erlebnissen, Erfahrungen und Erkenntnissen erstelle ich Reiseerlebnisberichte, wie den vorliegenden Reiseerlebnisbericht meiner Reise durch Teile des südlichen Afrikas. Solche Reiseerlebnisberichte sind erforderlich und notwendig, denn in den modernen Massengesellschaften bestimmen die Massenmedien die öffentliche Meinung, und somit bestimmen die Massenmedien das, was wir als unhinterfragte Tatsachen akzeptieren und hinnehmen sollen und das, was wir als Wahrheit glauben sollen. Andere, insbesondere die Massenmedien, der Staat insbesondere über die Schulpflicht, und weltweit wieder zunehmend Religionen bestimmen und gestalten unser Weltbild und unsere Weltanschauung. In allen Bereichen werden wir heute durch Spezialisten und Experten entmündigt, und eigene Recherchen und Forschungen sind unerläßlich, um sich selbstständig ohne Anleitung durch Andere eine unabhängige und kompetente eigene, fundierte und begründete Meinung bilden zu können. Wir sind aufgefordert, uns selbst darüber zu informieren, was in der Welt der Fall ist, und selbst herauszufinden, wie die Welt beschaffen ist. Dies ist Voraussetzung, daß Aufklärung möglich ist und gelingen kann und das Projekt der Aufklärung (37) nach dessen Unterbrechung im extremen 20. Jahrhundert (38) eine Fortsetzung finden kann. Zu einer eigenen Weltanschauung kann nur der gelangen, wer die Welt selbst angeschaut hat. Deshalb sind heute Anregungen zu erlebnisreichen, erfahrungsreichen, erkenntnisreichen, grenzüberschreitenden und horizonterweiternden Reisen erforderlich und notwendig, und meine Reiseerlebnisberichte sollen eine derartige Anregung bieten.
Derartige Anregungen sind insbesondere heute erforderlich und notwendig: Wir leben heute zunehmend naturentfremdet in künstlichen, urbanen Umwelten und virtuellen Realitäten des digitaltechnischen Zeitalters, die unsere Wahrnehmungen, Erlebnisse und Erfahrungen prädisponieren, prägen und formen. Die urbane Lebensweise ist gleichermaßen von Naturentfremdung, Körperentfremdung und Bewegungsmangel geprägt. Durch jahrzehntelange autogerechte Planung sind unsere Städte heute unwirtlich, laut, hektisch, aggressiv und häßlich. Die architektonische Gewalt der urbanen Planungslandschaften präformiert die urbane Gesellschaft. In den urbanen Ghettos werden die Menschen verwaltet, überwacht und kontrolliert. Die Konsumkultur produziert und vermarktet Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen, und permanent unterliegen wir der Beeinflussung und der Manipulation durch Massenmedien einer Massengesellschaft. Die Fähigkeit und Bereitschaft zum Alleinsein und zur Einsamkeit, zur Ruhe und Stille, zur Selbstfindung, zur Reflektion und zum Nachdenken ist verloren gegangen. In einer permanent beschleunigten Gesellschaft durchhasten wir automobil die Landschaften, die abgeschirmt von unseren sinnlichen Wahrnehmungen lediglich durch die Windschutzscheibe flüchtig zur Kenntnis genommen werden. Jegliche Intensität und Authentizität der Wahrnehmung und Erfahrung von „Welt, „Natur“ und „Wirklichkeit“ ist in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft verloren gegangen, und dies erreicht nun im angebrochenen digitaltechnischen Zeitalter gänzlich neue Ausmaße, Intensitäten und Qualitäten der Entfremdung des Menschen.
2. Inhalt
1. Einleitung
2. Inhalt
3. Kapstadt, Hafenmetropole an der Seefahrtroute zwischen Europa und Indien
4. Windhoek und Swakopmund: Stadtgründungen in Folge der Berliner Kongokonferenz 1884/85
5. Etosha und der Mythos vom Naturparadies Afrika
6. Durch den „Caprivi-Streifen“ zu den Victoria-Fällen
7. Pretoria oder: Die Burenrepubliken und der „Wettlauf um Afrika“
8. Johannesburg: Vom Goldrausch zur Megacity
9. Diamantenrausch und Geopolitik in Kimberley
10. Bloemfontein: Der Zweite Burenkrieg, eine Urkatastrophe des extremen 20. Jahrhunderts
11. Durch das Hochland von Lesotho und über die Drakensberge
12. Entlang der Küste des Indischen Ozeans zurück nach Kapstadt
13. Anmerkungen
3. Kapstadt, Hafenmetropole an der Seefahrtroute zwischen Europa und Indien
Meine Reise durch das südliche Afrika begann ich in der Hafenmetropole Kapstadt (39), die heute rund 450.000 Einwohner hat. Nach Kapstadt gelangte ich mit einem Flug vom Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) über Paris (CDG). Die Flugdistanz von Paris nach Kapstadt beträgt ca. 10.000 Kilometer. Dieser Flug erfolgte in einer Höhe von annähernd 12.000 Metern bei einer Außentemperatur von bis zu -55 °C und einer Fluggeschwindigkeit von teilweise bis zu 1000 kmh. Wie üblich bestand mein Reisegepäck auch auf dieser Rucksackreise aus einem großen Rucksack, der beim Einchecken am Flughafen ein Gewicht von 11,7 Kilogramm hatte, sowie einem kleinen Tagesrucksack, und zudem meiner Digitalkamera Panasonic Lumix DMC G2.
Die Ankunft am Cape Town International Airport (CPT) erfolgte am 29.10.2025 um 5:50 h Ortszeit. Die Ortszeit im südlichen Afrika entspricht unserer Sommerzeit, sodaß die Uhren eine Stunde vorgestellt werden. In der Ankunftshalle des Flughafens CPT war auf großen Wandplakaten die Präsidentschaft Südafrikas in den G 20 vom 01.12.2024 bis zum 30.11.2025 Thema. Die Paßkontrolle bei der Einreise nach Südafrika am Flughafen erfolgte zügig: Die Reisepässe wurden elektronisch eingelesen und die Einreisenden erhielten dann den Einreisestempel, wobei mir ein Aufenthaltszeitraum in Südafrika vom 29.09.2025 bis zum 27.01.2026 gewährt wurde. Für Bürger der Bundesrepublik Deutschland ist für die Einreise nach Südafrika kein Visum erforderlich. Eine zusätzliche Erfassung biometrischer Daten, wie z.B. Einscannen von Fingerabdrücken und Iris-scan, was mittlerweile seit den Ereignissen des 11.09.2001 an vielen Grenzübergängen auch in Europa der Fall ist, erfolgte hier nicht. Die Entfernung vom Flughafen CPT ins Stadtzentrum beträgt ca. 21 Kilometer, und für die Fahrt dorthin wollte ich den MyCiti-Bus nehmen, der in meinen Reiseführern als zuverlässig und sicher empfohlen wird. Direkt vor dem Flughafengebäude gibt es eine Haltestelle dieses Busses. Ich erfuhr jedoch, daß dieser Bus auf der Strecke zum Flughafen seit ca. zwei Jahren den Betrieb eingestellt hat. Ich gelangte dann vom Flughafen CPT ins Stadtzentrum von Kapstadt mit einem Uber-Taxi, die dort als seriös und sicher gelten, anders als die sonstigen Taxis. Wie mir der Taxifahrer berichtete, dürfen die Uber-Taxis in Kapstadt kein Bargeld annehmen, und die Zahlung des vor der Fahrt vereinbarten Fahrpreises erfolgt ausschließlich per Kartenzahlung.
In Kapstadt hielt ich mich zu Beginn meiner Reise sieben Tage auf, und am Ende meiner Reise weitere drei Tage, wobei ich Exkursionen unternahm und verschiedene Museen und Gedenkstätten besuchte. Kapstadt präsentiert sich als eine weltoffene und internationale Metropole, gelegen an einer seit der frühen Neuzeit bestehenden Weltschifffahrts- und Welthandelsroute zwischen Europa und dem südlichen und südöstlichen Asien. Die Stadt Kapstadt wurde im Jahre 1652 auf Veranlassung der Niederländisch-Ostindischen Kompanie (VOC) (40) gegründet, die hier auf der Seefahrtroute nach Indien eine Versorgungsstation einrichtete.
Im Rahmen meiner Stadtexkursionen in Kapstadt war die Niederländisch-Ostindische Handelskompanie (VOC) und ihre Geschichte wiederholt präsent. Zuerst gelangte ich zum Company‘s Garden, der das Zentrum der niederländischen Niederlassung am Kap bildete. Angelegt wurde der Garten im Jahre 1652, um die zwischen den Niederlanden und Indien verkehrenden Segelschiffen der Niederländisch-Ostindischen Kompanie (VOC) mit frischem Gemüse zu versorgen.
Dann besuchte ich am 29.10.2025 das von der Niederländisch-Ostindischen Kompanie (VOC) in den Jahren von 1666 bis 1679 erbaute „Castle of Good Hope“, eine frühneuzeitliche Zitadelle (41). Diese Zitadelle war das Hauptquartier der VOC, und heute ist sie das älteste erhaltene Gebäude in Kapstadt und in Südafrika. Die Mauern und Bastionen der Zitadelle sind begehbar, und von dort bietet sich ein Panoramablick über Teile von Kapstadt. In den Räumen der Zitadelle sind mehrere Museen und Ausstellungen untergebracht, die ich besuchte. Wie eine historische Ausstellung in der Zitadelle vermittelt, ging der Errichtung der Zitadelle die Beauftragung des Jan van Riebeeck durch die VOC im Jahre 1651 voraus, am Kap eine Versorgungsstation für die Segelschiffe der VOC auf ihrem Weg von Europa um Afrika herum und weiter nach Süd- und Südost-Asien zu errichten. Schon zuvor hatten Seefahrer aus Portugal eine Seefahrtsroute um Afrika herum nach Indien erkundet (42). Insbesondere nach der Eroberung der Weltstadt (43) Konstantinopel (44) im Jahre 1453 (45), dem bedeutendsten westlichen Endpunkt des transkontinentalen eurasischen Seidenstraßenhandels (46), hatten sich in Europa die Bemühungen intensiviert, alternative Seehandelsrouten von Europa nach Süd- und Südost-Asien zu suchen. Im Rahmen derartiger Bemühungen wurde unter anderem Amerika entdeckt. In Europa war damals der Bericht des Herodot bekannt gewesen, der darstellt, daß Phönizier etwa im Jahre 600 v. Chr. mit Schiffen Afrika umfahren hätten.
Die historischen Grundlagen und der Anlaß dieser Entwicklungen, aus denen unsere heutigen globalen Verhältnisse hervorgingen, sind im Niedergang des Byzantinischen Reiches (47) und im Aufstieg und der Expansion des Osmanischen Reiches (48) begründet. Schlüsseldatum dieser Entwicklung ist das Jahr 1204 mit der Eroberung der Weltstadt Konstantinopel (49) auf Veranlassung der Seerepublik Venedig (50), womit die Untergangsphase des Byzantinischen Reiches eingeleitet wird, die mit der Eroberung von Konstantinopel im Jahre 1453 ihren Abschluß findet. Die globalhistorische Rolle und Funktion der seit dem Jahre 413 von der theodosianischen Landmauer (51) geschützten Weltstadt Konstantinopel, dem bedeutendsten westlichen Endpunkt des transkontinentalen eurasischen Seidenstraßenhandels, in der Spätantike und im Mittelalter ist sowohl Gegenstand der Politischen Geografie (52), als auch der Globalgeschichte (53).
Das (oströmische) Byzantinische Reich, und insbesondere die Weltstadt Konstantinopel, dem bedeutendsten westlichen Endpunkt des transkontinentalen eurasischen Seidenstraßenhandels, die seit dem Jahre 413 von der theodosianischen Landmauer geschützt war, hatte in Europa in der Spätantike und im Mittelalter über viele Jahrhunderte hinweg bis zum Untergang des Byzantinische Reiches eine Rolle und Funktion eines Bollwerks nach Osten ausgefüllt. Im Jahre 447 hielt die Theodosianische Mauer die Invasion der Hunnen (54) ab, die nun nicht in das Oströmische Reich, sondern in das Weströmische Reich (55) einfielen. Dann scheiterten während der arabischen Expansion (56) im siebten und achten Jahrhundert die beiden Belagerungen der von der theodosianischen Landmauer geschützten Weltstadt Konstantinopel durch arabische Armeen in den Jahren 674–678 (57) sowie 717/718 (58), was den Vormarsch der arabischen Armeen Richtung Europa beendete. Die abgewehrten Belagerungen verhinderten die Eroberung des Byzantinischen Reichs und damit eine Invasion der Araber über den Balkan nach Europa. Von den Arabern wurde nun bei deren Expansion das Byzantinische Reich südlich umgangen, sodaß diese Europa über die Iberische Halbinsel erreichten. Von den Mongolen wurde das Byzantinische Reich bei deren Expansion im 13. Jahrhundert (59) nördlich umgangen, wobei die mongolische Expansion in Europa nicht aufgehalten werden konnte (60). Eine solche Invasion Europas wurde später erst dem Militärimperium des Osmanischen Reiches in Folge der Eroberung der Weltstadt Konstantinopel im Jahre 1453 möglich, sodaß sich das Osmanischen Reich mit seinen Sklavenarmeen (61) bis vor die Tore der Stadt Wien (62) ausweiten konnte.
Beginn der Untergangsphase des Byzantinischen Reiches war die Eroberung und Plünderung der Weltstadt Konstantinopel im Jahre 1204 auf Veranlassung der Seerepublik Venedig, ein historischer Markstein mit weitreichenden, die globalen Verhältnisse der Gegenwart prägenden Folgen. Die Eroberung und Plünderung der Weltstadt Konstantinopel im Jahre 1204 n. Chr. während des Vierten Kreuzzuges (63), wobei insbesondere der Seerepublik Venedig eine entscheidende Rolle zukommt, und die Errichtung des Lateinischen Kaiserreiches (64) leiteten den Untergang des Byzantinischen Reiches ein, und dieser Untergang fand mit der Eroberung Konstantinopels durch das expandierende Militärimperium des Osmanischen Reiches im Jahre 1453 seinen Abschluß. Die Eroberung von Konstantinopel im Jahre 1453 gilt als ein Markstein der Epochenwende vom Mittelalter zur Neuzeit. In Folge der Eroberung der Weltstadt Konstantinopel, dem bedeutendsten westlichen Endpunkt des transkontinentalen eurasischen Seidenstraßenhandels, verlagerten sich die Seehandelsrouten vom Mittelmeer zum Atlantik, wo neue See- und Handelsmächte entstanden und Weltgeltung erlangten, und die Seerepublik Venedig verlor ihre Rolle als dominierende See- und Handelsmacht.
Über das Mittelalter hinweg konnten es sich die Fürsten und Staaten des christlichen Europas im Schatten des Schutzes durch das Byzantinische Reich erlauben, gegeneinander um territoriale und wirtschaftliche Vorteile zu konkurrieren und aus diesen Gründen gegeneinander Kriege zu führen, bis das Byzantinische Reich ein Opfer dieser Praxis wurde, wie die Ereignisse des Jahres 1204 und dessen weitreichende globalhistorische Folgen zeigen. Im Schatten des Schutzes durch das Byzantinische Reich existierte das christliche Europa im Mittelalter in selbstbezogener Weltabgeschiedenheit, und im Vergleich mit der Antike war die Weltkenntnis im christlichen Europa im Mittelalter erheblich geringer. Erst mit der Reise des Marco Polo (65) nahm das Interesse in Europa an Asien wieder zu. Mit dem Untergang des Byzantinischen Reiches war Europa nun selbst mit der übrigen Welt konfrontiert und mußte seine überaus mangelhafte Weltkenntnis verbessern und deren Horizont ausweiten.
Die Folgen der Eroberung der Weltstadt Konstantinopel und des Untergangs des Byzantinischen Reiches, insbesondere auch für die Seerepublik Venedig, der damals im Mittelmeerraum dominierenden See- und Handelsmacht, waren damals nicht absehbar, aber sehr weitreichend: Der Seehandel und die Schifffahrtsrouten verlagerten sich vom Mittelmeer in den Atlantik, die Seerepublik Venedig verlor ihre Bedeutung als dominierende See- und Handelsmacht im Mittelmeerraum, und neue See- und Handelsmächte stiegen am Atlantik auf. Zuerst war dies das Königreich Portugal (66), das die Seerepublik Venedig als dominierende See- und Handelsmacht ablöste (67). Später wurde das Königreich Portugal als dominierende See- und Handelsmacht von der Niederländisch-Ostindischen Kompanie (VOC) verdrängt und abgelöst.
In der frühneuzeitlichen Zitadelle „Castle of Good Hope“ gibt es neben der historischen Ausstellung eine „William Fehr Collection“, in der insbesondere Gemälde ausgestellt sind, die historische Ansichten von Landschaften, Menschen und gesellschaftlichen Verhältnissen in der Kap-Region bieten. Des Weiteren gibt es hier ein „Military Museum“, das die militärischen Konflikte in der Kap-Region zum Thema hat. Zudem befindet sich hier ein „Camissa Museum – a Camissa African centre for restorative memory“ (68). Gegenstand dieses Museums ist die vielfältige Migrationsgesellschaft, die im südlichen Afrika und insbesondere in der Metropole Kapstadt über mehrere Jahrhunderte hinweg entstanden ist. In den angebotenen umfangreichen Informationen dieses Museums werden Aspekte der geschichtlichen Entwicklung und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft dargestellt und erörtert.
Des Weiteren besuchte ich am 01.11.2025 das Sklaverei-Museum in der ehemaligen „Slave Lodge“ (69). Diese Slave Lodge war im Jahre 1679 von der VOC für die Unterbringung der von ihr gehaltenen Sklaven erbaut worden, deren Aufgabe es zunächst gewesen ist, den Company‘s Garden zu versorgen. Thema des Museums ist vorwiegend die Geschichte der Sklaverei am Kap, die gegliedert in 18 thematische Räume umfangreich behandelt wird. Im hinteren Teil des Museums läßt eine Zeitskala diese Geschichte der Sklaverei im Jahre 1444 in Portugal in der Stadt Lagos am „Mercado de Escravos“ (Sklavenmarkt) beginnen. Warum dieser zeitliche und räumliche Punkt innerhalb der Geschichte der Sklaverei herausgegriffen und herausgestellt wird, wird nicht begründet. Um jedoch das Phänomen der Sklaverei (70) angemessen zu behandeln und sinnvoll zu verstehen, muß auch hier der Horizont der Betrachtung in seiner geografischen Breite und seiner historischen Tiefe erweitert werden.
Innerhalb der Menschheitsgeschichte wird Sklaverei im Zuge der Neolithischen Revolution und der darauf folgenden Entstehung cephaler, hierarchischer, arbeitsteiliger, bürokratisch verwalteter und staatlich organisierter Gesellschaften in den Frühen Hochkulturen ein Massenphänomen und ein Massenschicksaal. Insbesondere in Gestalt der Sklaverei, wobei Menschen zu Arbeitsvieh gemacht werden, erfaßt der Prozeß der Domestikation den Menschen selber (71). In Europa fand die Institution der Sklaverei ab der Spätantike durch die Ausweitung des Christentums weitgehend ein Ende. Fortbestand hatte hingegen die Sklaverei im Mittelalter in den Periferien Europas und insbesondere in den sich ausweitenden Islamischen Imperien, die Orientalischen Despotien und Sklavenhaltergesellschaften waren (72), wie z.B. das Militärimperium des Osmanischen Reiches, das einen ausgedehnten Sklavenimporthandel insbesondere mit Sklaven aus dem östlichen Europa und aus Afrika betrieb. An diesem Sklavenimporthandel in das Osmanische Reich beteiligte sich u.a. die Seerepublik Venedig, die Sklavenmärkte auf ihren Territorien im Mittelmeerraum unterhielt.
Grundlage des Entstehens der neuzeitlichen (kolonialen) Sklaverei ist die Einrichtung von Fernhandelskompanien (73) in den europäischen Staaten im Rahmen einer merkantilistischen Wirtschafts- und Handelspolitik (74) im Zeitalter des Absolutismus (75). Die bekanntesten Fernhandelskompanien waren die im Jahre 1600 gegründete britische East India Company (76), die im Jahre 1602 gegründete Niederländisch-Ostindische Kompanie (VOC) und die im Jahre 1664 gegründete französische Compagnie des Indes Orientales (77). Diese Fernhandelskompanien waren bestrebt, große Teile des Seehandels zu kontrollieren und zu monopolisieren, und sie wurden von den Königen der Staaten mit sehr weitgehenden, quasi-staatlichen Privilegien ausgestattet, darunter Handelsmonopole, Recht zur Ausrüstung von Handels- und Kriegsschiffen, Recht auf Aufstellung und Unterhalt eigenen Militärs, Besitzrecht auf eroberte Gebiete, Recht auf Prägung eigener Münzen und Recht auf eigene Gerichtsbarkeit. In ihren eroberten Überseeterritorien praktizierten diese Fernhandelskompanien jenseits irgendwelcher Kontrollen und ethischen Schranken die in Europa seit der Spätantike verbotene und verpönte Sklaverei als Bestandteil ihres Geschäftsmodells und zur Maximierung ihrer Erträge, und sie beteiligten sich am Sklavenhandel mit Sklaven, die sie auf außerhalb Europas bestandenen und vorgefundenen Sklavenmärkten aufkauften (78). Diese neuzeitliche (koloniale) Sklaverei weitete sich zusammen mit der Ausweitung der Plantagenökonomie (79) außerhalb Europas aus. Die neuzeitliche (koloniale) Sklaverei sowie die Sklaverei weltweit fand ein Ende durch den Erfolg der weltweiten Bürgerrechtsbewegung des Abolitionismus (80).
Auf diesen Zusammenhang des Entstehens der neuzeitlichen (kolonialen) Sklaverei in Folge der Einrichtung von Fernhandelskompanien geht eine aktuelle Sonderausstellung im Eingangsfoyer des Sklaverei-Museums in der ehemaligen Slave Lodge mit dem Titel „The Names of Freedom“ ein. Dargestellt wird, wie die Sklaven u.a. durch Umbenennung ihrer Namen ihre bisherige Identität verlieren und zu Objekten gemacht werden. In diesem Rahmen wird am Beispiel der Insel Reunion und der im Jahre 1664 gegründeten französischen Compagnie des Indes Orientales dargestellt, wie die absolutistisch regierenden Fürsten, hier Ludwig XIV., im Rahmen einer merkantilistischen Handels- und Wirtschaftspolitik Fernhandelsgesellschaften mit sehr weitreichenden Vollmachten gründeten und förderten. In ihren eroberten Überseeterritorien praktizierten diese Fernhandelskompanien jenseits irgendwelcher Kontrollen und ethischen Schranken die in Europa seit der Spätantike verbotene und verpönte Sklaverei als Bestandteil ihres Geschäftsmodells und zur Maximierung ihrer Erträge.
Die französische Fernhandelskompanie Compagnie des Indes Orientales ist zentrales Thema in der Stadt L‘Orient im Süden der Bretagne und in der kleinen Nachbarstadt Port-Louis (81), die ich während meiner Fahrradreise durch die südliche Nordseeregion im Sommer 2022 besucht hatte. In Folge der Gründung der Compagnie des Indes Orientales im Jahre 1664 war die Hafenstadt L‘Orient im Jahre 1666 als Handelshafen gegründet worden, die dann für rund ein Jahrhundert „Frankreichs Tor zur Welt“ gewesen ist. Grundlage der Gründung von Fernhandelskompanien im Rahmen einer merkantilistischen Wirtschafts- und Handelspolitik im Zeitalter des Absolutismus war der steigende Geldbedarf des absolutistischen Staates, denn der absolutistisch regierende König benötigte für den Ausbau und die Entfaltung seiner unbeschränkten Macht nach außen und innen immer umfangreichere Finanzmittel.
Wachsende Finanzmittel wurden insbesondere dazu benötigt, um in den im Zeitalter des Absolutismus entstehenden neuartigen Territorialstaaten (82) jetzt stehende Heere (83) untergalten können, und um die Grenzlinien dieser neuartigen Territorialstatten mit zahlreichen neuartigen teuren Zitadellen abzusichern. So wurde z.B. das Königreich Frankreich, ein neuzeitlicher Territorialstaat, während der Herrschaft König Ludwig XIV. (1638-1715) (84) von mehr als 160 von Festungsbaumeister Sébastian Le Prestre de Vauban (1633 – 1707) (85) geplanten neuzeitlichen Fortifikationen (Zitadelle) umgeben. Vauban hatte den neuzeitlichen Festungsbau (Zitadelle) zu einer neuzeitlichen Wissenschaft entwickelt. 12 dieser Fortifikationen Vaubans sind seit 2008 Unesco-Weltkulturerbe (86). Diese neuzeitlichen Festungen sind zusammen mit stehenden Heeren und exakt vermessenen und permanent militärisch bewachten Grenzlinien ein Charakteristikum des neuzeitlichen, absolutistischen und zentralistischen Staates in Abgrenzung zum Personenverbandsstaat (87) des Mittelalters. Die Architektur der neuzeitlichen Zitadelle wird insbesondere durch das Aufkommen von Kanonen mit großer Zerstörungskraft bestimmt. Das Aufkommen von Kanonen mit großer Zerstörungskraft leitete zudem den Niedergang der freien und selbstständigen Städte (88) ein, deren Freiheit und Selbstständigkeit nun nicht mehr wie noch im Mittelalter durch Stadtmauern geschützt werden konnte.
In der Zitadelle der kleinen Stadt Port-Louis widmet sich das „Musée de la Compagnie des Indes“ den historischen Zusammenhängen, das ich am 27.08.2022 besucht hatte. Die nach dem Vorbild der im Jahre 1602 gegründeten Niederländisch-Ostindischen Kompanie (VOC) im Jahre 1664 gegründete französische Compagnie des Indes Orientales hatte ihren Sitz in Port-Louis an der Mündung des Flusses Blavet. Schon im Jahre 1666 war auf der gegenüberliegenden Flußseite die Hafenstadt L‘Orient als Planstadt und Handelsmetropole erbaut worden. Von hier aus beteiligte sich die Compagnie des Indes Orientales am Handel mit Asien, wobei insbesondere Gewürze, Tee und Porzellan bezogen wurden, sowie am Handel über den Atlantik, wobei Sklaven, Zucker und Kaffee die bedeutendsten Handelswaren waren. Die Ausstellung des „Musée de la Compagnie des Indes“ beleuchtet die zunehmende Bedeutung des Seehandels, die Gründung von Fernhandelskompanien in Europa, die Bedeutung der Stadt L‘Orient für den Seehandel Frankreichs, sowie die Handelswaren und die Bedingungen und Umstände dieses Seehandels. Im Zuge dieses Seehandels weitete sich die Plantagenökonomie aus und mit dieser der Sklavenhandel insbesondere über den Atlantik nach Amerika, und dieser Sklavenhandel ist ebenfalls Thema der Ausstellung.
In Kapstadt ist das Hafengelände des viktorianischen Zeitalters, die „Victoria & Alfred Waterfront“ ein beliebtes Touristenziel. Es gibt hier einen „Nelson Mandela Gateway“, von dem aus man per Fähre zur ca. 11 km entfernten Insel Robben Island (89) fahren kann. Eine solche Tour mit einem Besuch der Insel Robben Island habe ich am 03.11.2025 unternommen. Die Insel Robben Island wurde seit dem 17. Jahrhundert als Straflager genutzt, zuletzt bis Anfang der 90er Jahre als Gefängnis für Gegner des Apartheid-Regimes (90), darunter Nelson R. Mandela (1918-2013). Im Gebäude des „Nelson Mandela Gateway“ gibt es eine Ausstellung zum Thema „Robben Island of the 20th Century“, die die Entwicklungen auf Robben Island im Rahmen des politischen Wandels in Südafrika zum Thema hat. Die Ausstellung beginnt mit der Gründung der Südafrikanischen Union im Jahre 1910 und endet mit der Einrichtung eines Museums auf Robben Island und der Erklärung zum Unesco Welterbe im Jahre 1999. Zweifellos ist die in dieser Ausstellung dargestellte Geschichte ein Bestandteil des extremen 20. Jahrhunderts (91).
Die Insel Robben Island kann im Rahmen von organisierten Touren und Führungen besucht werden. Dabei erfolgt eine Rundfahrt in Bussen, wobei Gefängnisgebäude, Gebäude für das Wachpersonal, sowie ein Steinbruch passiert werden, in dem Gefangene Zwangsarbeit verrichten mußten. Der Höhepunkt der Tour ist der nachfolgende Besuch des Gefängniskomplexes im Rahmen einer Führung durch ehemalige Häftlinge.
Diese Totale Institution (92) repräsentiert drei Erscheinungsformen bzw. Typen Totaler Institutionen gleichzeitig: 1. Das Gefängnis (93), 2. Das Lager (94), 3. Die Strafkolonie (95). Baulich ähneln sich derartige Totale Institutionen, darunter auch NS-Konzentrationslager; sie sind nach dem architektonischen Konzept des Panoptismus (96) erbaut mit dem Ziel totaler Überwachung und Kontrolle der Häftlinge. Zur Analyse des jeweiligen Regimes innerhalb derartiger Totaler Institutionen, unter denen es erhebliche Unterschiede geben kann, reicht die Betrachtung der durchaus ähnlichen Architektur nicht aus. Hierfür sind von herausragender Bedeutung die Berichte von (ehemaligen) Häftlingen, um den jeweiligen Charakter des Regimes der jeweiligen Totalen Institution erfassen und mit den Regimen anderer Totaler Institutionen vergleichen zu können.
Totale Institutionen werden auch heute noch als selbstverständlich, als erforderlich und alternativlos für den „Normalbetrieb“ der Industriegesellschaft angesehen, aber tatsächlich sind sie Formen von organisiertem Verbrechen. Daß sich bestehende gesellschaftliche Zustände und Verhältnisse auch verändern und humanisieren lassen, zeigt das Beispiel der Ächtung und Abschaffung der Sklaverei, und mit einer entsprechenden Politik eines Abolitionismus lassen sich auch Totale Institutionen, insbesondere Gefängnisse, das Strafrecht und das Bestrafen abschaffen (97).
Des Weiteren besuchte ich in Kapstadt am 30.10.2025 das exzellente South African Museum, das in seinen zwei Abteilungen, einer großen und umfangreichen naturkundlichen Abteilung und einer ethnografischen Abteilung eine Vielzahl unterschiedlicher Ausstellungen bietet (98). Zweifellos zählt dieses Museum zu den besten und sehenswertesten Museen im südlichen Afrika. Unter den besten und sehenswertesten Museen im südlichen Afrika kann ich zudem das Swakopmund-Museum in der Stadt Swakopmund, das Kimberley Mine Museum in der Stadt Kimberley, das Anglo-Boereoorlog Museum (War Museum of the Boer Republics) in der Stadt Bloemfontein, das East London Museum in der Stadt East London und das Maritime Museum in der Stadt Mossel Bay hervorheben, die ich im weiteren Verlauf meiner Reise neben weiteren Museen besucht habe.
In der ethnografischen Abteilung des South African Museums sind Felsbilder (99) das Hauptthema, die sich zahlreich im südlichen Afrika und darüber hinaus im gesamten Afrika antreffen lassen. Felsbilder werden seit dem Jungpaläolithikum produziert, und es gibt sie auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis. Von den San (Buschleute) (100) und den Aborigines werden Felsbilder bis in die Gegenwart hergestellt. Unser Wissen über vorgeschichtliche Kulturen ist extrem gering, und Archäologen rekonstruieren mühsam Aspekte der sogenannten „Materiellen Kultur“ (101). Archäologen können allerdings keinerlei Aussagen über die sogenannte „Immaterielle Kultur“ leisten. Anhand von Felsbildern werden Rückschlüsse auf Aspekte „Immaterielle Kultur“ versucht.
Die umfangreiche naturkundliche Abteilung des Museums bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Ausstellungen. Hier hat die Hauptausstellung die Lebensräume Meer und Savanne zum Thema. Im Bereich Meer werden ausführlich Heie und deren vielfältige biologische Besonderheiten dargestellt. Zudem sind Wale ein Schwerpunktthema, wobei in einer großen Halle mehrere riesige Walskelette ausgestellt sind. Im Zentrum des Themenbereichs Savanne (102), eine Landschaft, die ein Viertel des afrikanischen Kontinents prägt, stehen die auch landschaftsgestaltenden ökologischen Beziehungen der zahlreichen unterschiedlichen in der Savanne lebenden Tiere. Des Weiteren bietet das South African Museum eine Mineralien Galerie, zudem eine Ausstellung mit dem Titel „The Sea and Us“, die die Bedeutung der beiden Ozeane Atlantik und Indik für Südafrika zum Thema hat. Eine weitere umfangreiche Ausstellung widmet sich der Südpolarregion im Rahmen der Mitgliedschaft Südafrikas beim Antarktis-Vertrag (103) und der in diesem Rahmen stattfindenden Polarforschung, wobei von Südafrika Forschungsstationen in der Antarktis, auf der Marion-Insel sowie der Gough-Insel unterhalten werden. Weitere Ausstellungen haben Dinosaurier und den Ursprung der Säugetiere zum Thema. Eine kleine Ausstellung mit dem Titel „Darwin and the Cape“ stellt ausführlich den Naturforscher Charles R. Darwin (1809-1882) (104), seine Biografie als Wissenschaftler und seine Forschungsreise mit dem Schiff „Beagle“ von 1831 bis 1836 (105) vor, während der Darwin auch die Stadt Kapstadt und deren Umgebung besucht hatte.
Zudem besuchte ich am 31.10.2025 den botanischen Garten Kirstenbosch (106). Dorthin gelangte ich im Rahmen der täglich von City Sightseeing Cape Town angebotenen und im Abstand von 20 Minuten mit Doppelstockbussen befahrenen „Blue Mini Peninsula Tour“. City Sightseeing Cape Town bietet zudem eine weitere, etwas kürzere ebenfalls täglich im Abstand von 20 Minuten befahrene “Red City Tour“ an. Auf beiden Touren kann man an verschiedenen Haltestellen diese Touren unterbrechen und aussteigen, um dann die Tour mit einem der im Abstand von 20 Minuten nachfolgenden Busse fortzusetzen. Eine Haltestelle der City Sightseeing Busse befindet sich bei der Touristeninformation von Cape Town Tourism in der Long Street 81 (Haltestelle Nr. 5), wo ich zustieg. Der Bus der „Blue Mini Peninsula Tour“ fährt im Uhrzeigersinn um den Tafelberg (1086 m) herum, wobei er u.a. am Gelände der Universität von Kapstadt vorbei gelangt. Das Visitor Center des botanischen Garten Kirstenbosch (Gate 1) befindet sich an Haltestelle Nr. 20, wo ich ausstieg, um den botanischen Garten zu besuchen.
Dieser große, im Jahre 1913 eröffnete botanische Garten Kirstenbosch erstreckt sich in Hanglage im Südosten des Tafelbergs, und seit 2004 ist er Unesco Welterbe. Ein umfangreiches Netz von Wegen erschließt den weitläufigen Garten, darunter ein „Tree Canopy Walkway“ durch die Baumwipfel. Man hat Anschluß an das Netz von Wanderwegen in der Umgebung des Tafelberges (1086 m), die auch auf diesen hinauf führen. Zahlreiche Infotafeln (meist Englisch, teilweise auch dreisprachig) bieten Informationen zu einzelnen Pflanzen und verschiedenen weiteren Themen. Zweifellos kann man sich einen vollständigen Tag in diesem weitläufigen botanischen Garten aufhalten, ohne alles gesehen zu haben.
Der botanische Garten Kirstenbosch repräsentiert insbesondere die Pflanzengesellschaft des sogenannten „Fynbos“ (107), einer artenreichen, in ihrem Vorkommen auf die Kap-Region beschränkten Pflanzengesellschaft. Im botanischen Garten Kirstenbosch läßt sich ein guter Eindruck von dieser vielfältigen Pflanzengesellschaft des „Fynbos“ gewinnen, die einen großen Teil der Fläche des botanischen Gartens einnimmt. Die Pflanzengesellschaft des „Fynbos“ zeichnet sich durch eine überaus große Artenvielfalt aus, von denen die meisten endemische Arten sind, die nur in der Kap-Region auf kleinem Raum und sonst nirgendwo vorkommen. Der „Fynbos“ ist ein bedeutender Bestandteil der Kapflora. Die Flora der Kap-Region (108) bildet als „Capensis“ die mit Abstand kleinste von insgesamt sechs Florenregionen (109) weltweit mit überwiegend endemischen Arten, die nur hier auf dem eng begrenzten Raum der Kap-Region vorkommen, und sonst nirgends. Insbesondere aufgrund ihres räumlich eng begrenzten Vorkommens sind mittlerweile viele der endemischen Pflanzenarten der Kapflora vom Aussterben bedroht. Durch die Ausweitung von Siedlungs- und Verkehrsflächen wird der begrenzte Lebensraum der Pflanzen der Kapflora weiter eingeschränkt, und in der Vergangenheit sind in der Kap-Region anstelle des „Fynbos“ ausgedehnte Kiefernmonokulturen angelegt worden, um Nutzholz zu gewinnen.
Meinen Besuch des botanischen Gartens Kirstenbosch beendete ich am späten Nachmittag, um von der Haltestelle Nr. 20 mit dem letzten City Sightseeing Bus um 16:51 Uhr weiter fahren zu können. Die Fahrt verlief nun südlich des Tafelberges (1086 m) Richtung Südwesten zum Hafenort Hout Bay. Die dabei durchfahrenen Waldgebiete bestehen größtenteils aus Kiefern-Monokulturen. Heute gibt es Bestrebungen, diese Kiefernbestände wieder zu reduzieren, um der bedrohten Kapflora und dem Fynbos wieder mehr Raum zur Regeneration zu verschaffen. Zudem ist Eukalyptus häufig, invasive Neophyten (Neobiota) (110) aus Australien, die mittlerweile im gesamten südlichen Afrika häufig anzutreffen sind. Das Wetter war jetzt kühl und bewölkt, und zeitweise fiel etwas Regen. Die Busfahrt folgte nun der Nordwest-Küste unterhalb der Felsklippen der „Zwölf Apostel“ zurück nach Kapstadt.
Den 1086 Meter hohen Tafelberg (111), der die Stadt Kapstadt überragt, erstieg ich am 04.11.2025 im Rahmen einer Wanderung, die ich im Stadtzentrum von Kapstadt startete. Auf meinem Weg durch Kapstadt zum Tafelberg gelangte ich durch Wohnsiedlungen, in denen die Hausgrundstücke mit elektrischen Zäunen umgeben sind, worauf auch Schilder verweisen, weitere Schilder verweisen auf Konzepte von „Neighbourhood Watch“ sowie auf Wachschutzdienste mit einem Konzept einer „Armed Response“ (Bewaffnete Reaktion). Grund derartiger Sicherheitsregime ist die extrem hohe Kriminalitätsrate im südlichen Afrika, insbesondere in der Republik Südafrika, die seit Ende der Apartheit die weltweit höchste Kriminalitätsrate aufweist. Wie in allen Städten in Südafrika ist auch in Kapstadt das Stadtzentrum von den Einwohnern europäischen Ursprungs weitgehend verlassen worden, die sich in bewachte Wohnsiedlungen außerhalb der Stadtzentren hinter hohen, oft mehrreihigen Zäunen und Mauern zurückgezogen haben. Die hohe Kriminalitätsrate prägt und gestaltet den Tagesablauf der Menschen in Südafrika, der möglichst bei Sonnenaufgang beginnt, damit dieser vor Sonnenuntergang beendet sein kann, denn bei Dunkelheit hält sich in Südafrika niemand mehr im Freien auf, sondern nur noch in gesicherten und bewachten Gebäuden. Auch Touristen wird dringend geraten, sich diese Praxis zur Gewohnheit zu machen, woran ich mich bei meiner Reise durch das südliche Afrika auch konsequent gehalten habe.
Der von mir begangene Wanderpfad auf den Tafelberg (1086 m) führt durch die Platteklip-Schlucht an der Nordwand des Tafelberges hinauf in der Nähe einer in der Schweiz erbauten Seilbahn, die auf das Plateau des Tafelberges hinauffährt. Dieser Wanderpfad ist in einem guten Zustand und ausgeschildert, Steine auf diesem Weg sind oft zu Stufen angeordnet und loses Geröll ist mit Drahtgeflecht gesichert. Einige Wanderer waren hier unterwegs, obwohl die Mehrzahl der Touristen die Seilbahn nutzt.
Das Plateau des Tafelberges erreichte ich beim Fontain Peak (1051 m). Das Gelänge auf dem Plateau ist felsig, und es wächst hier eine nur niedrige Vegetation. Auf markierten Wanderpfaden sind hier überwiegend Touristen unterwegs, die mit der Seilbahn hinauf gefahren sind. Ich folgte nun einem Wanderpfad, der über das Plateau Richtung Südosten zur höchsten Erhebung, dem Maclear’s Beacon (1086 m) führt. Dann gelangte ich zum westlichen Gipfel des Tafelberges (1073 m) in der Nähe der Seilbahnstation. Verschiedene Aussichtpunkte auf dem Plateau des Tafelberges bieten einen weiten Blick über die Stadt Kapstadt und in die umgebende Landschaft am Kap. In der Umgebung des Tafelberges gibt es zahlreiche weitere Wanderwege. Der Tafelberg mitsamt dem südlich anschließenden Kap der Guten Hoffnung ist heute ein Naturschutzgebiet.
4. Windhoek und Swakopmund: Stadtgründungen in Folge der Berliner Kongokonferenz 1884/85
Per Reisebus fuhr ich von Kapstadt aus weiter zur Stadt Windhoek in Namibia. Gefahren bin ich mit dem Reisebusunternehmen „Intercape“. Es ist im südlichen Afrika das einzige Reisebusunternehmen, dessen Reisebusse von Südafrika aus grenzüberschreitend in Nachbarländer fahren, darunter auch nach Namibia und durch Namibia hindurch. Die Routen des Reisebusunternehmens Intercape decken die Hauptstrecken in einem größeren Teil des südlichen Afrikas ab, vergleichbar mit Flixbus im mittleren Europa. Die Busse von Intercape sind in einem durchweg guten Zustand, und die Fahrpläne werden meistens eingehalten. Anders als Flixbus unterhält Intercape zudem Büros an nahezu allen Busbahnhöfen und Haltestellen, wo unkompliziert Tickets gekauft werden können, ohne das Internet bemühen zu müssen.
Aufgrund der langen Distanz von rund 1.400 km von Kapstadt nach Windhoek bevorzugen viele Reisende einen Flug mit dem Flugzeug. Mich interessierte jedoch der Landschaftswandel auf dieser Strecke von Kapstadt nach Windhoek. Glücklicherweise hatte ich in dem Doppeldeckerbus einen Sitzplatz vorne im oberen Deck. Während dieser langen Busfahrt von mehr als 24 Stunden Dauer gab es mehrere Pausen, anhand derer sich die Fahrt untergliedern läßt.
Die erste Etappe von Kapstadt bis zum Ort Piktberg führte durch eine größtenteils landwirtschaftlich genutzte Agrarlandschaft; insbesondere dominieren Viehweiden und Getreideanbau, wobei die landwirtschaftlichen Nutzflächen (LNF) sehr großflächig sind, was der Agrarlandschaft eine gleichförmige Monotonie verleiht. Aufgrund der Besonderheiten der Agrarverfassung (112) und der Agrargeschichte (113) des Ländlichen Raumes (114) in Europa vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit entstanden derartige großflächige Landwirtschaften weitgehend nur außerhalb Europas, insbesondere durch die Ausweitung der Plantagenökonomie und deren Monokulturen, in Siedlungskolonien (115), wie z.B. in den USA, aber auch in Südafrika und Namibia. Erst in der jüngeren Neuzeit entstehen auch in Europa durch fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft, durch Flurbereinigungen und den Rückgang der Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe ebenfalls vermehrt agrarindustrielle Großbetriebe; in der östlichen Hälfte Europas erfolgte dieser Prozeß im Zuge der Industrialisierung (116) und der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft (117) gemäß dem Vorbild der Sowjetunion.
Die permanente Ausweitung der Monokulturen der industriellen Landwirtschaft und Forstwirtschaft auf Kosten traditioneller Subsistenz-Landwirtschaft ist der Hauptgrund des weltweit rasant voranschreitenden Artensterbens (118). Das Artensterben ist vor dem sogenannten „Klimawandel“ das weltweit größte ökologische Problem, womit es ein wesentliches Merkmal des neuen Erdzeitalters des Anthropozän (119) ist.
In dieser Agrarlandschaft zwischen den Orten Kapstadt und Piktberg, die ursprünglich den Landschaftscharakter einer afrikanischen Savanne hatte, einem Landschaftstypus, der ein Viertel der Fläche des afrikanischen Kontinents prägt, fehlt heute Wald vollständig, und wenn es dort vereinzelt und selten Bäume gibt, so sind dies nahezu ausschließlich Eukalyptusbäume, invasive Neophyten (Neobiota) aus Australien.
Hinter Piktburg wird die auf der Landstraße N7 durchfahre Landschaft bergig, und vor Erreichen des Ortes Citrusdal überquert Landstraße N7 den Piekenierskloof-Paß (519 m). Die Fahrt verläuft nun durch das von Bergen eingerahmte Tal des Flusses Olifants. Im Osten erreichen die Cederberge Höhen bis 1971 m. In dem Tal dominieren Plantagen mit Zitrusfrüchten.
Nördlich des Ortes Klaver treten die Berge zurück, die Landschaft ist nun trockener, und sie hat den Landschaftscharakter einer Steppe. Landwirtschaft wird hier nur noch in geringem Umfang betrieben. Auch die woanders in Trockengebieten anzutreffende Präsenz von extensiver Schaf- und Ziegenhaltung fehlt hier fast vollständig. Es gibt hier trockene Flüsse, die im nördlichen Afrika „Wadi“ (120) genannt werden, und die nur bei seltenen Regenereignissen vorübergehend Wasser führen. Diese trockene Landschaft, die partiell den Charakter einer Halbwüste (121) hat, dann aber auch stellenweise den Landschaftscharakter einer Trockensavanne (122) erreicht, setzt sich nach Norden in Namibia (123) bis nach Windhoek fort.
An der Grenze zwischen Südafrika und Namibia ist der Aufenthalt am Grenzübergang Noordoewer mit 3:30 Stunden unerwartet zeitaufwändig. Insbesondere dauerte die Einreise sämtlicher Buspassagiere nach Namibia lange. Obwohl Südafrika und Namibia eine Zollunion bilden, wurden bei den meisten Passagieren vom Zoll umfangreiche Gepäckkontrollen durchgeführt. Mein Gepäck wurde allerdings nicht überprüft. Im Vergleich dazu erfolgte die Erteilung eines „Visa on Arrival“ schnell. Seit Kurzem benötigen Bürger der Bundesrepublik Deutschland für eine Einreise nach Namibia ein Visum (Gebühr: 1600,- NAD), wohingegen zuvor die Vorlage des Reisepasses an der Grenze ausreichte. An der Grenze erfuhren die Passagiere des Reisebusses, daß aktuell unter dem Vorwand einer Tierseuche keine Lebensmittel tierischen Ursprungs nach Namibia mitgenommen werden durften.
Zuerst war es mein Plan gewesen, in Namibia in der kleinen Stadt Keetmanshoop auszusteigen, um von dort zur Hafenstadt Lüderitz (124) weiter zu fahren, um diese kennenlernen zu können. Da der Reisebus jedoch mitten in der Nacht in Keetmanshoop eintreffen sollte, hatte ich diesen Plan vorerst wieder aufgegeben.
Die bei der Weiterfahrt durchfahrene Landschaft hat den Charakter einer Halbwüste, teilweise einer Steppe. Weitgehend fehlt eine Vegetationsdecke, die den Boden vollständig bedeckt. Nördlich des Ortes Mariental ist die steppenartige Landschaft durch niedrige Büsche geprägt, die einen größeren Abstand zueinander haben. Auch diese trockene Landschaft, die sich offensichtlich für keinerlei landwirtschaftliche Nutzung eignet, ist wie schon in Südafrika nun auch in Namibia seitlich der Straßen vollständig eingezäunt. Vor Erreichen der Stadt Windhoek werden die Büsche größer, der Boden ist nun vollständig mit Gräsern bewachsen und die Landschaft hat nun den Charakter einer Trockensavanne. Die Stadt Windhoek (125) befindet sich auf einer Höhe von 1650 Metern im zentralen Hochland von Namibia, das eine durchschnittliche Höhe von 1700 Metern aufweist. Hier im zentralen Hochland beträgt der Jahresniederschlag ca. 300 bis 500 mm. In der Umgebung von Windhoek ist die Landschaft durch Trockensavanne geprägt.
Wie meistens während meiner Reise logierte ich auch in Windhoek in einem Backpacker-Hostel. In diesen Hostels trifft man Reisende aus allen Weltgegenden, oft mit außergewöhnlichen und beeindruckenden Reisevorhaben. Meistens bieten sich Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch. So traf ich in Windhoek u.a. Gustavo aus Mexiko, der mit seinem Reisefahrrad durch das westliche Afrika von Marokko bis Kapstadt unterwegs war. Momentan wartete er in Windhoek nun schon seit fünf Wochen auf die Erteilung eines Visums für Südafrika, wie er mir berichtete. Er führte dieses insbesondere auf seinen mexikanischen Reisepaß zurück, der weltweit keinen hohen Stellenwert habe bezüglich der Reisefreiheit, die er ermöglicht, wohingegen z.B. die Bürger -Staaten der EU mit ihren Reisepässen weltweit erheblich bessere Reisemöglichkeiten hätten. Tatsächlich unterscheiden sich die Reisepässe der verschiedenen Staaten erheblich im Umfang der Reisefreiheit, die sie den jeweiligen Paßinhabern gewähren, wobei die Bürger der EU mit ihren Reisepässen vergleichsweise gut abschneiden, wie Vergleichsstudien zeigen (126).
In der Stadt Windhoek habe ich Stadtexkursionen in das historische Stadtzentrum unternommen, wobei ich Sehenswürdigkeiten und Museen besucht habe. Auch sind hier verschiedene Gebäude aus dem Zeitraum von der Berliner Kongokonferenz 1884/85 (127) bis zum Ersten Weltkrieg erhalten, als das Territorium des heutigen Nationalstaats Namibia als ein „Schutzgebiet“ (128) vom Kaiserreich Deutschland (129) mit dem Namen „Deutsch-Südwestafrika“ (130) verwaltet wurde. Bei meiner Stadtexkursion gelangte ich zum im Jahre 1912 erbauten Bahnhof von Windhoek, vor dem sich verschiedene historische Schienenfahrzeuge befinden. Dann erreichte ich die sogenannte „Turnhalle“. Das im Jahre 1913 erbaute Gebäude dient heute als Gerichtsgebäude, und es war im Jahr 1975 der Ort der sogenannten „Turnhallenkonferenz“ (131), die den Prozeß hin zur staatlichen Unabhängigkeit Südwestafrikas einleitete. Ich folgte dann der Independence Avenue durch das Stadtzentrum, wobei ich u.a.am historischen Uhrenturm vorbei gelange. Dort sind Fragmente des Gibeon-Meteoriten (132) ausgestellt, die in den Jahren 1911-1913 von Geologen gefunden worden waren. Weiter gelangte ich vorbei am Zoo-Park, wo ein Denkmal an Kriegstote der Jahre 1893-94 erinnert, und dann bis zum ehemaligen „Ausspannplatz“. Dieser war früher ein Wendeplatz für Ochsengespanne, die vor dem Bau der Eisenbahn für den Lasttransport eingesetzt worden waren.
Auch besuchte ich in Windhoek am 07.11.2025 das „Windhoek City Museum“. Schwerpunkt der Ausstellungen in den sechs Ausstellungsräumen des Museums ist die Geschichte der Stadt Windhoek. Bemerkenswert ist, daß ein größerer Teil der Ausstellungen zweisprachig ist in den Sprachen Englisch und Finnisch. Dazu ist in der Ausstellung zu erfahren, daß in der Vergangenheit in Namibia in größerem Umfang Missionare aus Finnland tätig waren, und offensichtlich entstand ein größerer Teil der Ausstellungen des Museums in Zusammenarbeit mit kirchlichen Stellen in Finnland.
Des Weiteren besuchte ich am 08.11.2025 das „Unabhängigkeits-Gedenkmuseum“ (133). Es befindet sich zwischen der in den Jahren 1907 bis 1910 erbauten Christuskirche und der ab dem Jahre 1890 erbauten „Alten Feste“. Nordwestlich des Museums liegt der sogenannte „Tintenpalast“, das im Jahre 1913 fertig erbaute Verwaltungsgebäude des „Schutzgebietes“ Deutsch-Südwestafrika, das heute Sitz des Parlamentes von Namibia ist. Von der Aussichtsterrasse im Obergeschoß des Museumsgebäudes bietet sich ein Panoramablick über die Stadt Windhoek und deren Umgebung.
Die Ausstellungen des „Unabhängigkeits-Gedenkmuseum“ sind nicht in Zusammenarbeit mit kirchlichen Stellen in Finnland geschaffen worden, wie im „Windhoek City Museum“, sondern dieses Museum ist von einer Firma aus Nord-Korea erbaut und ausgestaltet worden, und es wurde im Jahre 2014 eröffnet. Auf drei Etagen präsentiert dieses kostenfrei zugängliche Museum drei Ausstellungsteile: 1. Colonial Repression, 2. Liberation War, 3. Road to Independance, History Panorama. Am Beispiel von Namibia stellt das Museum einen Prozeß eines „Nationbuildings“ (134) dar, d.h. der Erzeugung eines Nationalstaates nach europäischem Vorbild, einem stets langwierigen und oft von gewaltsamen Auseinandersetzungen begleiteten Prozeß. Im Falle von Namibia erfolgte dieser Prozeß eines „Nationbuildings“ auf einem Territorium, das im Zuge des „Scramble for Africa“ und auf den Grundlagen der Berliner Kongokonferenz 1884/85 ohne Berücksichtigung ethnografischer Begebenheiten entstanden war, und das bis zum Ersten Weltkrieg vom Kaiserreich Deutschland als „Schutzgebiet“ verwaltet wurde. Anschließend wurde dieses Territorium im Auftrag des Völkerbundes von der im Jahre 1910 gegründeten Südafrikanischen Union verwaltet. Ausführlich dargestellt ist im Museum der auch militärisch ausgetragene Widerstand der SWAPO (135) gegen die Herrschaft Südafrikas und die ab 1948 auch in Namibia praktizierte Apartheitspolitik. Diese zuletzt von den UN moderierten Entwicklungen hatten am 21.03.1990 die staatliche Unabhängigkeit Namibias zum Ergebnis.
Es stellt sich die Frage, in welchem Umfang die nordkoreanischen Erbauer des Museums auch die Ausstellung des Museums konzipiert und gestaltet haben und damit das vermittelte Geschichtsbild (136) prägen. Zweifellos kann man die dargestellten Entwicklungen auch anders und mit anderen Schwerpunkten und weitergehenden Informationen darstellen.
Die im Süden an das „Unabhängigkeits-Gedenkmuseum“ angrenzende „Alte Feste“ war das Hauptquartier der „Schutztruppe“ des Kaiserreiches Deutschland im „Schutzgebiet“ Deutsch-Südwestafrika gewesen. Nach dem Ersten Weltkrieg war das Gebäude Hauptquartier des Militärs der Südafrikanischen Union. Im Jahre 1962 wurde hier ein Museum eingerichtet, doch zur Zeit meines Besuches der Stadt Windhoek war dieses Museum aufgrund von Bauarbeiten geschlossen. Zukünftig soll hier ein „Nationales Museum zur Genozid- und Kolonialgeschichte“ eingerichtet werden. Schon heute befindet sich vor dem Gebäude ein „Völkermord-Denkmal“. Gegenstand sind hier die Aufstände der Herero (137) und Nama (138) in dem „Schutzgebiet“ Deutsch-Südwestafrika während der Jahre 1904 bis 1908 und deren Niederschlagung durch die „Schutztruppe“ des Kaiserreichs Deutschland. Ob die Ereignisse unter die Definition des Begriffs Völkermord (139) fallen, ist Gegenstand von kontrovers geführten Diskussionen. Der Historiker Hans Hilpisch weist nach, daß diese Diskussionen überwiegend mit ungeprüften Behauptungen und ohne die Kenntnis genauer Zahlen, ohne die Kenntnis des detaillierten Hergangs der historischen Ereignisse sowie ohne die Kenntnis der geografischen Verhältnisse insbesondere in der Landschaft Omaheke geführt wird (140).
Zudem muß festgestellt werden, daß Genoziden, Kolonialverbrechen und auch Kriegen und Gewaltherrschaft in der öffentlichen Wahrnehmung eine oft höchst unterschiedliche Aufmerksamkeit zukommt. So ist z.B. das zweifellos mit Abstand größte Kolonialverbrechen in Afrika, die sogenannten „Kongo-Gräuel“ (141) im „Kongo-Freistaat“ (142) während der Herrschaft des belgischen Königs Leopold II. (1835-1909) (143) mit acht bis zwölf Millionen Toten, was etwa der Hälfte der damaligen Bevölkerung der Kongo-Region entspricht, in der öffentlichen Wahrnehmung nahezu nicht präsent. Der „Kongo-Freistaat“ war dem sich als Philanthropen und als Förderer der wissenschaftlichen Erforschung Afrikas (144) präsentierenden König Leopold II. in Berlin während der Berliner Kongokonferenz 1884/85, die vom 15.11.1884 bis zum 26.02.1885 in Berlin statt fand, als Privatkolonie zugeteilt worden. Diese Berliner Kongokonferenz 1884/85 fand auf Einladung von Reichskanzler Otto von Bismarck vom 15.11.1884 bis zum 26.02.1885 in Berlin statt, im Zeitalter des Imperialismus (145) und im Rahmen des geopolitischen (146) „Wettlaufs um Afrika“ („Scramble for Africa“) (147).
Auch in der Europastadt Brüssel geht man diesem Thema der sogenannten „Kongo-Gräuel“ konsequent aus dem Weg, was mein Eindruck bei meinem mehrtägigen Besuch der Stadt Brüssel im Juli 2022 während meiner Fahrradreise durch die südliche Nordseeregion im Sommer des Jahres 2022 gewesen ist. So wird in dem im Jahre 2018 neu konzipierten und neu eröffneten Afrika-Museum (148) das Thema weitgehend ignoriert unter dem Vorwand, es gäbe keine genauen Zahlen zu den Ereignissen, wie ich bei meinem Besuch dieses Museums am 09.07.2022 feststellen mußte. Auf dem Gelände, auf dem sich das Afrika-Museum befindet, war von König Leopold II. während der Weltausstellung in Brüssel 1897 (149) eine Kolonialausstellung zum „Kongo-Freistaat“ veranstaltet worden.
Das Europa-Viertel der Europäischen Union in Brüssel liegt zwischen dem Leopoldviertel und dem Leopoldpark inmitten von Repräsentativbauten, die König Leopold II. mit den „Erträgen“ aus seinem „Kongo-Freistaat“ hat bauen lassen, doch nirgends findet man dort einen Hinweis auf die historischen Zusammenhänge. Unter diesen Repräsentativbauten ragt heraus der von König Leopold II. finanzierte und von ihm am 15.10.1883 als ein Symbol für Rechtsstaatlichkeit eingeweihte Justizpalast (150), in dem sich König Leopold II. als Rechtspfleger feiert, während er in seinem „Kongo-Freistaat“ die Menschen in einen rechtlosen Zustand versetzte und diese „Besonderen Gewaltverhältnissen“ und Formen von „Sonderbehandlung“ aussetzte, um die Rohstoffextraktion und insbesondere die Kautschukgewinnung (151) mit genozidalen Methoden voranzutreiben. Vergleichbare Verhältnisse und Entwicklungen wie im „Kongo Freistaat“ gab es in etwas geringerem Umfang im Amazonasgebiet mit dem Völkermord in Putumayo (152).
Während des Kautschukbooms entstand in der Amazonas-Region im Zuge der Kautschukgewinnung ein System von Schuldsklaverei (aviamento), und große Teile der indigenen Bevölkerung mußte Zwangsarbeit leisten, wobei Zehntausende verstarben. So sind alleine durch das Zwangsarbeitsregime der von Julio César Arena del Águila geleiteten „Peruvian Amazon Rubber Company“ am Rio Putumayo mehr als 40.000 Personen ums Leben gekommen (153). Diese Brutalität wird nicht in ihrer Qualität, sondern in ihrer Quantität nur noch durch die Methoden der Kautschukgewinnung im Kongo-Freistaat während der Herrschaft König Leopolds II. mit ca. 8-12 Millionen Todesopfern übertroffen. Die genozidalen Methoden der Kautschukproduktion sind bis heute kaum wissenschaftlich bearbeitet worden, und auch in Brüssel bemüht man sich nicht darum, wie ich dort feststellen mußte.
Der große Terror sowohl in der Kongo-Region als auch in der Amazonas-Region erweist sich wie auch der „Große Terror“ Stalins als Bestandteil des Terrors des Zeitalters der Industriellen Moderne (154).
Südöstlich der „Alten Feste“ gibt es in Windhoek drei weitere größere Gebäude aus dem Zeitraum zwischen der Berliner Kongokonferenz 1884/85 und dem Ersten Weltkrieg, die Schwerinsburg, die Heinitzburg und die Sanderburg. Diese sind allerdings nicht zugänglich, da sie sich in Privatbesitz befinden. Die Verhältnisse in den umgebenden Wohnsiedlungen gleichen denen in Kapstadt: Hausgrundstücke sind mit elektrischen Zäunen umgeben, worauf auch Schilder verweisen, weitere Schilder verweisen auf Konzepte von „Neighbourhood Watch“ sowie auf Wachschutzdienste mit einem Konzept einer „Armed Response“ (Bewaffnete Reaktion). Grund derartiger Sicherheitsregime ist die extrem hohe Kriminalitätsrate im südlichen Afrika, insbesondere in der Republik Südafrika, die seit Ende der Apartheit die weltweit höchste Kriminalitätsrate aufweist. Von einem elektrischen Zaun ist auch das Ludwig-von-Estorff-Haus aus dem Jahre 1898 umgeben, dem Sitz des Goethe-Institutes. Vor dem Gebäude der Stadtverwaltung von Windhoek befindet sich nicht mehr die Statue des ehemaligen Gouverneurs Curt von Francois, die sich nach Angaben meiner Reiseführer dort befinden soll. Des Weiteren gelangte ich zum sogenannten „Burendenkmal“ (Ouddtryder Bittereinder Monument), das an Buren erinnert, die nach dem Zweiten Burenkrieg (1899-1902) von Südafrika nach Südwest-Afrika gezogen waren.
Auch habe ich den Botanischen Garten in Windhoek am 08.11.2025 besucht, in dem zahlreiche Pflanzen und insbesondere auch Bäume zu sehen sind, die an die trockenen Klimate und Lebensräume in Namibia hervorragend angepasst sind, darunter verschiedene Sukkulenten (155) und sogenannte Flaschenbäume. Beeindruckt haben mich dort u.a. verschiedene Akazienarten, die ihre mehrfach gefiederten Blätter bei Bedarf aktiv zusammenfalten und auseinanderfalten können.
Auch wird dort auf den Geografen bekannten Zusammenhang von Vegetation und Klima verwiesen: So schaffen die Bäume der Trockensavanne in Namibia ein Mikro-Habitat mit einem Klimaraum, in dem die Temperatur bis zu 21 °C niedriger als in der (unbewaldeten) Umgebung ist. Damit sehe ich meine eigenen gewonnenen Erkenntnisse aus unterschiedlichen Weltgegenden zur Klimawirksamkeit von Wald bestätigt. Bedauerlicherweise sind es nur Geografen, die Vegetation, Klima und Boden in einem Zusammenhang betrachten und studieren. Diese integrative Sichtweise in der Geografie läßt sich insbesondere auf den Geografen Alexander von Humboldt (1769–1859) (156) zurückführen. Bedauerlicherweise dominieren im Gegensatz zu den ganzheitlichen, holistischen (157) Betrachtungsweisen der Geografen in anderen wissenschaftlichen Disziplinen reduktionistische (158) Sichtweisen. Eine Besonderheit dieses botanischen Gartens ist ein separates „Desert House“, in dem Pflanzen der Wüste Namib zu sehen sind.
Am Montag, dem 10.11.2025 hatte ich meine Reise nach drei Tagen Aufenthalt in Windhoek fortgesetzt und war per Bus zur Küstenstadt Swakopmund weiter gefahren. Die Fahrt verlief auf Landstraße B2 nach Westen in der Nähe einer Eisenbahnlinie. Allmählich geht die Trockensavanne, die die Umgebung von Windhoek prägt, in eine Steppe mit kleinen Büschen über. Hinter dem Ort Usakos dominiert eine Halbwüste mit nur spärlicher Vegetation. Auffällig ist, daß auch hier, wie schon auf der Fahrt von Kapstadt nach Windhoek, nahezu die gesamte Landschaft seitlich der Straße eingezäunt ist, auch wenn es sich offensichtlich um nutzloses Ödland und Wüste handelt. Dennoch ist nicht erkennbar, daß dieses eingezäunte Land in irgendeiner Form nennenswert landwirtschaftlich genutzt wird; so ist z.B. während meiner Fahrt nirgendwo Vieh zu sehen. Allerdings fehlen hier auch die Herden von Großtieren, die für die Savannenlandschaften Afrikas, auch Trockensavannen, prägend sind. Ab der Großen Randstufe (Great Escarpment) (159) im Westen des Hochlandes senkt sich das Gelände allmählich auf Meeresspiegelniveau am Atlantik. Entlang der Atlantikküste bildet die Wüste Namib (160) einen 80 bis 120 Kilometer breiten Wüstenstreifen. Das Klima an der Südwest-Küste Afrikas ist durch den kalten Benguela-Strom (161) geprägt, wodurch die Temperaturen in Swakopmund erheblich kühler sind, als an anderen Orten im südlichen Afrika. Zudem gibt es sehr häufig Nebel, der oft über den gesamten Tag hinweg anhält.
Die Stadt Swakopmund (162) hat heute ca. 70.000 Einwohner. Swakopmund ist ein beliebtes Touristenziel, denn zahlreiche gut erhaltene Gebäude, darunter Jugendstilgebäude, aus dem historischen Zeitraum zwischen der Berliner Kongo-Konferenz von 1884/85 und dem Ersten Weltkrieg sind im historischen Stadtzentrum zu sehen; die bekanntesten sind der Alte Bahnhof, das Hohenzollernhaus, das Woermannhaus.
Am meisten hat mich in Swakopmund das seit 1951 bestehende Swakopmund-Museum (163) beeindruckt, das ich am 11.11.2025 besucht habe. Das Museum gilt als das beste Museum in Namibia. Sämtliche Themen haben Bezüge zu Swakopmund und Namibia. Ausführliche und detaillierte Informationen werden den Besuchern zu den einzelnen Themen in drei Sprachen (Englisch, Deutsch, Afrikaans) geboten. Insbesondere beeindruckt das Museum durch eine präsentierte Fülle unterschiedlicher Themenbereiche, darunter Tier- und Pflanzenwelt sowie Vegetationszonen Namibias, Geologie, Mineralogie und Erdgeschichte, Archäologie, Ethnografie, Siedlungsgeschichte sowie Geschichte der Seefahrt. Im Bereich Seefahrts- und Seehandelsgeschichte wird auch hier darauf verwiesen, daß die Verlagerung der Seehandelsrouten vom Mittelmeer in den Atlantik und die Etablierung neuer Seehandelsrouten um Afrika herum am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit ihren Ursprung im Niedergang des transkontinentalen eurasischen Seidenstraßenhandels hat, und dieser Niedergang ist mit dem Niedergang des Byzantinischen Reiches und der Expansion des Osmanischen Reiches verbunden.
Auch besuchte ich den „Living Desert Snake Park“. In zahlreichen Terrarien sind dort Reptilien, insbesondere Schlangen zu sehen, die im südlichen Afrika leben. Derartige Möglichkeiten, Schlangen in Terrarien in großer Nähe beobachten und kennenlernen zu können, sind zweifellos dazu geeignet, der weit verbreiteten Unkenntnis und Vorurteilen über Schlangen entgegen zu wirken und aufzuklären. Bedauerlicherweise traf ich hier nur wenige Besucher.
Es gibt in Swakopmund verschiedene Tourenveranstalter, und u.a. wird von mehreren dieser Tourenveranstalter eine Halbtagestour in die angrenzende Wüste Namib angeboten mit dem Titel „Living Desert Tour“, an der ich am 13.11.2025 teilgenommen habe. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, vermittelt durch erfahrene und ortskundige Tourguides die Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt der Wüste Namib kennen zu lernen, die größtenteils den Charakter einer Vollwüste hat. Die Tour beginnt im Süden von Swakopmund beim trockenen Fluß Swakop. Dieser hatte zuletzt im April 2025 kurzzeitig Wasser geführt, wie wir erfahren. Der Schotterkörper des Flußbettes enthält allerdings weiterhin Wasser, sodaß im trockenen Flußbett Büsche und Bäume wachsen und dort auch Tiere weiden, u.a. Dromedare von Tourenanbietern.
Nach Süden hin wird die Vegetation schnell spärlicher. Es gibt zuerst zahlreiche vegetationsgebundene kleine Hügel, wobei die größten als „Tamariskenhügel“ Höhen von mehreren Metern erreichen können. Es sind die selben Tamarisken, die auch in den Trockengebieten des nördlichen Afrikas landschaftsgestaltend und landschaftsprägend sind. Kleinere vegetationsgebundene Hügel und Dünen werden von verschiedenen weiteren trockenheitsresistenten Pflanzen gebildet. Die Tamarisken können durch sehr tiefreichende Wurzeln an tiefliegende Bodenfeuchte gelangen, andere Pflanzen der Namib sind jedoch überwiegend auf die Nutzung der Feuchte angewiesen, die morgendlich in Form von Nebel und Tau oberflächennah zur Verfügung steht.
Die Namib ist eine erdgeschichtlich sehr alte Wüste von ca. 50 Millionen Jahren. Der Sand, der die Dünen der Namib bildet, hat eine lange Reise hinter sich, wie wir auf der Tour erfahren. Ein großer Teil des Sandes hat seinen Ursprung in der Umgebung der Drakensberge; er wurde durch den Fluß Oranje (164) an die Küste von Südwest-Afrika transportiert und dort durch den Benguela-Strom an der Küste verteilt. Die aus Westen überwiegenden Winde haben über lange Zeiträume den Sand von der Küste Richtung Osten ins Landesinnere geweht und die Dünen der Namib geschaffen, die entsprechend der Hauptwindrichtung langsam Richtung Osten wandern. Der überwiegend feine Sand kann verschiedene Farben haben, darunter auch schwarze Bestandteile aus Eisenoxiden mit magnetischen Eigenschaften, was uns mit einem Magneten demonstriert wurde.
Im Zentrum der Tour stehen verschiedene kleine Tiere der Wüste wie Eidechsen, Geckos, Chamäleons, Schlangen, Blindschleichen u.a.m., die in verschiedener Weise an das Leben in der Wüste angepaßt sind, und die wir dank der Ortskenntnis der Guides auffanden und beobachten konnten. Unter Anderem nahm ein Chamäleon Mehlwürmer mit seiner extrem langen Zunge aus der Hand. Diese Reptilien leben überwiegend von Insekten, die ebenfalls in der Wüste Namib leben. Eine bedeutende Nahrungsgrundlage dieser Insekten sind flugfähige Pflanzensamen, die bei seltenen Winden aus Osten in größerer Zahl in die Wüste Namib geweht werden.
Auf meinen Reisen treffe ich immer wieder interessante und aufgeschlossene Reisende mit außergewöhnlichen Reisevorhaben, wobei ich die Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch nutze, oft auch zum Austausch von Emailadressen und weiteren Kontaktdaten, um diesen Erfahrungsaustausch fortsetzen zu können. Viele Reisende mit außergewöhnlichen Reisevorhaben berichten heute auf eigenen Internetseiten und Internetaccounts von ihren Reisen. Nicht nur junge Leute können eine Anregung finden, selbst vergleichbare sowohl abenteuerliche, als auch erlebnisreiche, erkenntnisreiche und horizonterweiternde Reisen zu unternehmen. Derartige Anregungen sind insbesondere heute erforderlich und notwendig, und Reiseberichte außergewöhnlicher und beachtenswerter Reisen können eine derartige Anregung bieten.
In dem Hostel, in dem ich während meines Aufenthalts in Swakopmund logierte, traf ich Clément aus Bordeaux mit seinem Reisefahrrad. Clément berichtete mir von seiner außergewöhnlichen zweijährigen Weltreise, die er auf Land per Fahrrad, und auf den Ozeanen als Mitsegler auf Segelschiffen durchführt. Bei unserem Treffen in Swakopmund befand er sich auf der Rückreise von Kapstadt durch das westliche Afrika zurück nach Bordeaux, wo seine Weltumrundung enden wird. Insbesondere beeindruckt mich, daß es Clément bei seiner Weltumrundung gelungen ist, sämtliche Distanzen über Meere und Ozeane als Mitsegler auf Segelschiffen zurückzulegen, ohne dafür das Flugzeug zu nutzen, wie es heute allgemein üblich ist. Offensichtlich funktioniert dieses Mitsegeln auf Segelschiffen auch über Ozeane hinweg weit besser, als ich es mir bislang vorgestellt habe, und Clément berichtet hierzu ausführlich über seine eigenen Erfahrungen. Was man benötigt, ist zeitliche Flexibilität und Geduld, da es gegebenenfalls einige Wochen dauern kann, bis man eine geeignete Mitsegelgelegenheit findet, insbesondere abseits der Hauptrouten.
Während meines Aufenthaltes in Swakopmund wurde mir in der Nacht vom 13. auf den 14.11.2025 mein Smartfon Samsung Galaxy J5 gestohlen, was eine Vielzahl erheblicher Probleme zur Folge hatte, die eine Fortsetzung meiner Reise in Frage stellten. Es wurde deutlich, in welchem großen und erschreckenden Ausmaß unser Leben mittlerweile von Smartfons und deren permanentem einwandfreiem Funktionieren abhängig geworden ist.
Am 20.11.2025 fuhr ich mit einem der in Walfis Bay und Swakopmund ansässigen Kleinbus-Transportunternehmen zurück von Swakopmund nach Windhoek. Diese bieten einen „Tür-zu-Tür-Service“ an, man wird an seiner Unterkunft abgeholt und am Zielort wieder an der dortigen Unterkunft abgesetzt. Die Fahrt nach Windhoek erfolgte auf der selben Strecke wie zuvor am 10.11.2025 bei der Hinfahrt nach Swakopmund. Nun konnte ich während der Fahrt noch einmal den Landschaftswandel in Gegenrichtung betrachten. Der erste Teil der Fahrt erfolgte bei dichtem Nebel durch einen Teil der Wüste Namib. Dichter Nebel ist eine sehr häufige Erscheinung im küstennahen Teil der Wüste Namib, und die Feuchtigkeit des Nebels ist hier der bedeutendste Niederschlag. Mir stellt sich die Frage, warum sich in der erdgeschichtlich langen Zeit der Existenz der Wüste Namib von rund 50 Millionen Jahren hier nicht eine Vegetation herausgebildet hat und bestandsbildend ist, die auf Grundlage dieses sehr häufigen dichten Nebels aktiv ihren eigenen Regen erzeugt, wie es z.B. auf den Kanarischen Inseln die Kanarischen Kiefern machen, die in den Berglagen dort die Feuchtigkeit der Passatwolken nutzen, die an ihren langen Nadeln kondensiert und als Regen herunterfällt, womit diese den größten Teil des Süßwassers der Kanarischen Inseln aktiv erzeugen, wovon ich mich bei meinen Exkursionen auf den Kanarischen Inseln im Frühjahr 1995 selbst überzeugen konnte.
5. Etosha und der Mythos vom Naturparadies Afrika
Nach meinem Besuch der Stadt Swakopmund war ich von Windhoek aus zu meinem nächsten Reiseziel, den im Norden Namibias gelegenen Etosha-Park (165) gefahren, den ich kennenlernen wollte. Der Etosha-Park und dessen Großtiere gelten als eine der Hauptsehenswürdigkeiten in Namibia.
Zuerst war es ungewiß gewesen, ob ich zum Etosha-Park gelangen würde, da er etwas abseits der Hauptstraßen liegt und ich bei meiner Reise auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen war. Da die touristische Infrastruktur im südlichen Afrika hochgradig auf das Reisen im eigenen KFZ ausgerichtet ist, und folglich die meisten Touristen in Leihwagen herumreisen, mit denen man tatsächlich auch die meisten abgelegenen und periferen Reiseziele und Sehenswürdigkeiten des südlichen Afrikas erreichen kann, war ich mir anfangs nicht sicher gewesen, ob ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Etosha-Park gelangen kann. Im südlichen Afrika ist das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf die Hauptstrecken zwischen den großen Städten beschränkt, und mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es im südlichen Afrika nicht möglich, abgelegene und perifere Reiseziele und Sehenswürdigkeiten zu erreichen. So war ich froh, daß ich nach einem größeren Rechercheaufwand eine Transportmöglichkeit von Windhoek zum Etosha-Park gefunden hatte, was es mir ermöglichte, den Etosha-Park zu besuchen. Hauptanliegen meiner Fahrt zum Etosha-Park war es, diesen im Rahmen einer eintägigen Tagestour kennenzulernen, die dort von verschiedenen Tourenveranstaltern angeboten wird.
Die fünfstündige Fahrt von Windhoek zum Etosha-Park am 22.11.2025 erfolgte in einem Kleinbus zügig auf einer gut ausgebauten Landstraße. Ca. 65 Kilometer nördlich von Windhoek führte die Fahrt an einer ausgedehnten Wellblechhüttensiedlung vorbei, eine gesellschaftliche Realität sowohl in Namibia, als auch in Südafrika, die sich jedoch der Wahrnehmung durch die Touristen nahezu vollständig entzieht. Pausen gab es in den Orten Okahandja, Otjivarongo und Outjo. Die durchfahrene Landschaft hat größtenteils den Charakter einer Trockensavanne, und auch hier ist die Landschaft beiderseits der Straße nahezu vollständig eingezäunt. Immerhin wird hier bis auf kleinräumige Ausnahmen nicht versucht, diese Trockensavannenlandschaft zu „Entbuschen“ (Entkusseln), um eine einheitliche monotone Grasfläche als Viehweide zu schaffen, wie es andernorts üblich und verbreitet ist. Auffällig sind die zahlreichen, überall vorhandenen Termitenhügel. Hinter dem Ort Outjo wird die Landschaft flach.
Der Etosha-Park liegt im westlichen Teil der Landschaft Kalahari (166), die überwiegend von Dornbuschsavanne (167) eingenommen wird. Im Zentrum des Etosha-Parks liegt die 4760 qkm große Etosha-Pfanne (168), eine Salztonpfanne, die etwa 23% des heutigen Etosha-Parks ausmacht. Sie ist 129 km lang und 72 km breit und liegt 1077 bis 1085 Meter über dem Meeresspiegel. Die Etosha-Pfanne hat keinen Abfluß und nur drei große Zuflüsse. Am Südrand der Etosha-Pfanne gibt es Quellen, die eine Grundlage des Tierreichtums im Etosha-Park sind. Die Etosha-Pfanne ist vollständig vegetationslos; im übrigen Teil des Etosha-Parks variiert die Vegetation, u.a. gibt es Baumsavanne, Dornbuschsavanne und Grassavanne. Die von mir hier gemessenen Nachmittagstemperaturen betrugen 37 °C, was die höchsten von mir während meiner Reise durch das südliche Afrika gemessenen Temperaturen waren.
Am Etosha-Park angelangt, logierte ich mit meinem kleinen Zelt auf einem Campingplatz wenige Kilometer vom südlichen Haupteingang des Etosha-Parks, dem Anderson-Gate, entfernt. Dieser Campingplatz ist von Hügeln und Trockensavanne umgeben. Nachts wurde dieser Campingplatz von Zebras aufgesucht, die zwischen den Zelten grasten. Es gelang mir, kurzfristig am 23.11.2025 an einer organisierten Tagestour durch Teile des Etosha-Parkes teilzunehmen. Zahlreiche Tourenveranstalter bieten hier Touren an, die in offenen Geländewagen durchgeführt werden. Die Tour, an der ich teilnehmen könnte, übertraf meine Erwartungen: Viele Großtiere zahlreicher Arten waren zu sehen, u.a. Giraffen, Strauße, Steppenzebras, große Mengen von Springböcken, Gnus, Oryx, Kudus, eine große Elefantenherde, ein Spitzmaulnashorn, Löwen und zudem diverse kleinere Tiere und Vögel.
Bei unserer Tour gelangten wir in den Etosha-Park durch das Anderson-Gate (Ombika) im Süden des Parks, das täglich ab 7:00 Uhr morgens passierbar ist. Eine Teerstraße führt von dort durch eine Savannenlandschaft zum Okaukuejo-Ressort. Von dort führen Schotterwege mit leichtem „Wellblech“ in verschiedene Richtungen. Außer an eingezäunten Camps und Pausenplätzen dürfen die Fahrzeuge bei Fahrten im Etosha-Park nicht verlassen werden, und es gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 60 kmh. Schon bald sahen wir die ersten großen Tiere: Giraffen, sowie Springböcke, die im Etosha-Park sehr zahlreich sind, dann Strauße und Gnus. Unsere Fahrt führte zuerst am westlichen Rand der abflußlosen Etosha-Pfanne entlang. Die Landschaft ist hier weitgehend offen und hat den Charakter einer Steppe. Wir sahen hier Oryx, weitere Giraffen, eine Eule, einen Sekretär, Perlhühner, Erdmännchen, sowie große Kolonien von Webervögeln. Hier führte unsere Tour bis zu einem Aussichtspunkt an einer Wasserstelle am Rand der Etosha-Pfanne (Geländepunkt „Okondeka“). Verschiedene Tiere waren hier in der Ferne zu sehen, u.a. Springböcke, Strauße, Steppenzebras, Oryx, Gnus.
Am frühen Nachmittag gab es am Okaukuejo-Ressort eine Mittagspause. Es gibt hier eine Wasserstelle, die von Giraffen, Zebras, Oryx und Springböcken aufgesucht wird. Am Nachmittag wurde die Tour im Süden der Etosha-Pfanne Richtung Osten fortgesetzt. Wir erreichten eine Wasserstelle (Geländepunkt „Olifantsbad“) mit einer größeren Elefantenherde, mit Giraffen und einem Spitzmaulnashorn, was sicherlich der Höhepunkt unserer Tour war. Abschließend trafen wir nach einigem Suchen am Geländepunkt „Aus“ auf zwei im Schatten von Bäumen ruhende Löwen. Im Rahmen meiner zweimonatigen Rundreise durch Teile des südlichen Afrikas bildet diese Tagestour in den Etosha-Park zweifellos einen der herausragenden Höhepunkte.
Die für den afrikanischen Kontinent charakteristischen Großtiere in ihrem natürlichen Lebensraum antreffen und beobachten zu können, ist ein Höhepunkt der meisten Afrika-Reisen. Tatsächlich wurde jedoch die afrikanische Großtierfauna stark zurückgedrängt, und heute ist sie auf einige verbliebene Reservate und Naturschutzgebiete beschränkt, darunter den Etosha-Park. Im übrigen Land wurden diese Tiere im südlichen Afrika schon vor vielen Jahrzehnten nahezu vollständig abgeschossen.
Die Landschaft in Südafrika und in Namibia ist, wie ich überall während meiner Reise feststellen mußte, nahezu vollständig eingezäunt und in Privatbesitz, ein Phänomen, das insbesondere sämtliche Landschaften in Siedlungskolonien prägt und gestaltet, wie z.B. in den USA, wo seitlich der Straßen sämtliches Land konsequent eingezäunt ist, und dies ist auch in Südafrika und Namibia der Fall. Im Gegensatz zu den Siedlungskolonien ist dieses Phänomen in Europa, aufgrund der Besonderheiten und Unterschiede der Agrarverfassung und der Agrargeschichte des Ländlichen Raumes in Europa vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit, nahezu nicht anzutreffen, sodaß die Landschaften in Europa einschließlich der Agrarlandschaften im Allgemeinen überall zugänglich und betretbar sind.
Grundlage der anders als in Europa in Siedlungskolonien, wie insbesondere den USA nahezu vollständig eingezäunten Landschaften ist ein totalitär verschärftes Eigentumsverständnis, das sich in Siedlungskolonien aufgrund deren Besonderheiten und Unterschiede der Agrarverfassung und der Agrargeschichte des Ländlichen Raumes herausgebildet hat. In Siedlungskolonien wie insbesondere den USA beschränkt sich der Bereich der persönlichen Lebensgestaltung und der freien Entfaltung der Persönlichkeit auf Grundlage des Persönlichkeitsrechtes nicht wie in Europa auf Haus- und Hofgrundstücke, wo diese als Grund- und Menschenrechte geschützt sind, vielmehr wuchert dieser Bereich des Privaten und dehnt sich über die gesamte Landschaft aus, die er okkupiert. Am weitesten ist diese Entwicklung in den USA fortgeschritten, wo nahezu die gesamte Landschaft als Privatbesitz eingezäunt ist, und die Privatbesitzer bei Mißachten und Überschreiten dieser Zäune ein Notwehrrecht geltend machen, welches beinhaltet, auf Eindringlinge zu schießen, worauf in den USA überall Schilder hinweisen, wie ich während meiner Fahrradreise durch Nord-Amerika im Sommer des Jahres 1990 feststellen mußte. Um dieses Notwehrrecht geltend machen zu können, müssen in den USA die Privatbesitzer stets bewaffnet sein. Als öffentlicher Raum verbleibt faktisch nur die Straße. Dieses totalitär verschärfte Eigentumsverständnis beinhaltet die uneingeschränkte, absolute und totale Verfügungsgewalt über den gesamten eingezäunten Privatbesitz, sowohl den Immobilien, dem Land, als auch dem beweglichen Besitz, darunter die (ehemals) Sklaven, und mit diesem Privatbesitz kann der Privatbesitzer uneingeschränkt machen was er will.
Als Siedlungskolonien sind die Verhältnisse in den USA mit denen in Südafrika und Namibia vergleichbar. In beiden Fällen waren die Siedler inspiriert von einem gottgefälligen und missionarischen Eifer, die „Wildnis“ (169) und die „Wilden“ zu bezwingen und zu unterwerfen und die Landschaft gemäß „Instrumenteller Vernunft“ (170) zweckrational zuzurichten. In beiden Fällen trafen die Siedler vor ihrer Landnahme auf vorstaatliche Gesellschaften, die als Jäger und Sammler lebten (171), in Nordamerika die Indianer (172) und im südlichen Afrika die San (Buschleute), und diese kannten keinen Privatbesitz an Land, der erst im Zuge der Neolithischen Revolution entstanden war, sondern lediglich Gewohnheitsrechte der Landnutzung vom Charakter eines Jedermannsrechts. Diese vorstaatlichen Gesellschaften wurden mitsamt ihres Verständnisses von Landnutzung und mitsamt ihrer Gewohnheitsrechte der Landnutzung verdrängt und zu großen Teilen ausgerottet. In diesem nun entstandenen geschichtslosen und rechtsfreien Raum, in dem nun keinerlei Traditionen und Relikte sowohl einer Agrargeschichte, als auch einer Agrarverfassung des Ländlichen Raumes mehr erhalten und verblieben waren, konnte sich nun das totalitär verschärfte Eigentumsverständnis der Siedler frei entfalten und ausbreiten, mitsamt der Plantagenwirtschaft, der Monokulturen und der Sklavenhaltung. Insbesondere am Beispiel der Plantagenökonomie wird deutlich, daß sich die zweckrationale Zurichtung der Landschaft und der Natur in der zweckrationalen Zurichtung der Menschen fortsetzt und einen Gewaltzusammenhang bildet.
Wie diese Beispiele von Siedlungskolonien zeigen, werden zur Durchsetzung von Herrschaftsansprüchen über Landschaft und Raum Machtmittel eingesetzt, die den ursprünglichen freien Zugang zur Landschaft, die freie Bewegung und den Aufenthalt in der Landschaft einschränken oder auch ganz verhindern. Am Grad und Umfang der allgemeinen Zugänglichkeit der Landschaft läßt sich Grad und Umfang der Verwirklichung einer „strukturellen Freiheit“ innerhalb einer Gesellschaft bestimmen. Zweifellos ist diese „strukturelle Freiheit“ seit der Neolithischen Revolution bis heute zunehmend verloren gegangen, und dieser historische Prozeß der Durchsetzung von Herrschaftsansprüchen über Landschaft und Raum war mit extremer, oftmals genozidaler Gewalt verbunden (173).
Im südlichen Afrika sind im Gegensatz zu den Siedlungskolonien Südafrika und Namibia die Landschaften in den Ländern Botswana und Lesotho, die ich ebenfalls im Rahmen meiner Reise besuchte, weitestgehend nicht eingezäunt, was auf erhebliche Unterschiede sowohl in der Agrarverfassung, als auch in der Agrargeschichte des Ländlichen Raumes verweist. Ein Lebensraum für Großtiere existiert in diesen eingezäunten Landschaften der Siedlungskolonien heute nicht mehr, statt dessen weiten sich auf den eingezäunten Flächen rasant die sterilen Monokulturen der Agrarindustrie und der Forstindustrie aus.
Auch der Etosha-Park ist heute eingezäunt, sodaß er den Charakter eines isolierten großen Wildtier-Freigeheges hat. Der Etosha-Park war am 22.03.1907 entstanden, als der damalige Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, Friedrich von Lindequist, 99.526 Quadratkilometer zum Naturschutzgebiet erklärt hatte. Später wurde diese Fläche jedoch mehrmals verkleinert, sodaß der Etosha-Park heute 22.935 Quadratkilometer umfaßt. Der erheblich verkleinerte Etosha-Park wurde dann eingezäunt, um Wildtierwanderungen zu verhindern. Durch die Einzäunungen sowohl des Etosha-Parks, als auch der gesamten Landschaft werden die Tierwanderungen (174) verhindert, die ein existenzieller Bestandteil der Lebensweise der Tiere sind. Zudem sind die Tierwanderungen ein wesentlicher und konstituierender Bestandteil der Ökologie der Savannenlandschaften, die rund ein Viertel des Afrikanischen Kontinents ausmachen. Als eins der wenigen Beispiele, wo bei der Einrichtung eines Naturparks die Tierwanderungen weitgehend berücksichtigt wurden, kann die Serengeti (175) aufgeführt werden, was insbesondere aufgrund des Engagements von Bernhard und Michael Grzimek erfolgt war (176).
Eine Alternative zur eingezäunten Landschaft und der Haltung von Nutztieren wie Rindern oder Schafen auf den eingezäunten Flächen, die in der Regel entwaldet (177), entkusselt (178), und in monotone Grasflächen als Viehweide umgewandelt werden, wäre eine durch Wildtierbiologen überwachte und kontrollierte Nutzung der natürlichen vielfältigen Wildtierbestände, die sich in den uneingezäunten Naturlandschaften Afrikas frei bewegen können, insbesondere auch im Rahmen von Tierwanderungen. Hierzu werden die Naturlandschaften Afrikas erhalten und durch Renaturierung (179) wieder hergestellt, wie u.a. insbesondere der Landschaftstyp der Savanne, der ursprünglich ein Viertel der Fläche des afrikanischen Kontinents ausmachte, und die natürlichen vielfältigen Wildtierbestände werden im Rahmen von Rewilding (180) regeneriert.
Die Vegetation der Savanne ist im Gegensatz zur monotonen, entwaldeten und entkusselten Viehweide vielfältig und hat zudem mehrere Vegetationsstockwerke, und dieser Vielfalt der Vegetation entspricht die Vielfalt der unterschiedlichen Wildtiere, die verschiedene Ökologische Nischen (181) einnehmen, und die die vielfältige natürliche Vegetation entsprechend dieser Vielfalt unterschiedlich als Nahrung nutzen. Die Pflanzen und Tiere der Savanne bilden zusammen ein Ökosystem (182) als einem Bestandteil der Biodiversität (183) der Biosphäre (184). Da die Netto-Primärproduktion an Biomasse der vielfältigen natürlichen Vegetation, hier der Savanne, größer ist, als die einer entwaldeten und entkusselten monotonen Grasfläche, können in der Savanne mehr Großtiere gleichzeitig und nebeneinander existieren, als es auf einer entkusselten monotonen Grasfläche möglich ist, auf der nur eine Tierart, üblicherweise Rinder oder Schafe, gehalten wird. Das bedeutet, daß bei einer durch Wildtierbiologen kontrollierten Nutzung des natürlichen Tierbestandes der Savanne eine höhere Fleischproduktion möglich ist, als bei der Haltung einer einzigen Nutztierart auf einer entkusselten monotonen Grasfläche, die klassischerweise als die ideale Viehweide angesehen wird, was diese tatsächlich aber nicht ist.
Derartige alternative Konzepte der Landnutzung verwirklichen in idealer Weise Naturschutz (185), Prozeßschutz (186) und Landschaftsschutz (187), in die sich die traditionelle Lebens- und Wirtschaftsweise der bis heute verdrängten, vertriebenen, diskriminierten und marginalisierten San (Buschleute) integrieren läßt. Ein Beispiel dafür bietet die Amazonas-Region in Südamerika, wo die Einbindung der indigenen Bevölkerungen des Amazonas-Regenwaldes mit ihren traditionellen Lebens- und Wirtschaftsweisen in Naturschutzkonzepte gefordert und angestrebt wird (188). Auch kann in derartige Konzepte das schon bestehende grenzübergreifende Konzept der „Peace-Parcs“ (189) integriert und weiter entwickelt werden. Naturschutz und Tourismus werden dabei zu einem Bestandteil von Entspannungspolitik (190).
Heute vermarktet die Tourismus-Industrie lukrativ den Mythos eines „Naturparadieses Afrika“, doch dieses existiert schon lange nicht mehr. Das „Naturparadies Afrika“ muß erst wieder rekonstruiert und wiederhergestellt werden.
Vom Etosha-Park bin ich am 25.11.2025 wieder zurück nach Windhoek gefahren, um von dort meine Reise per Intercape-Reisebus zu den Victoria-Fällen am Sambesi fortzusetzen. Während im Etosha-Park wolkenloses Sonnenwetter herrschte, nimmt nun während der Fahrt nach Windhoek Bewölkung zu, und in einiger Entfernung regnen sich Schauerwolken ab.
6. Durch den „Caprivi-Streifen“ zu den Victoria-Fällen
Von Windhoek aus bin ich am 26.11.2025 mit dem Intercape-Reisebus in den Nordosten von Namibia weiter gereist. An diesem Tag war in Namibia ein Wahltag, und wie an einem Sonntag war auf den Straßen nur wenig Verkehr. Im Nordosten von Namibia reicht der sogenannte „Caprivi-Streifen“ (191) weit in das Zentrum des südlichen Afrikas hinein. Der Caprivi-Streifen ist benannt nach Leo von Caprivi (192), dem Nachfolger von Otto von Bismarck im Amt des Reichskanzlers des Kaiserreichs Deutschland von 1890 bis 1894, der einen Ausgleich mit dem Vereinigten Königreich Großbritannien anstrebte. Der Caprivi-Streifen geht auf den am 01.06.1890 unterzeichneten Helgoland-Sansibar-Vertrag (193) zwischen dem Vereinigten Königreich Großbritannien und dem Kaiserreich Deutschland zurück. Grenzflüsse des Caprivi-Streifens sind der Sambesi (194) im Norden und der Fluß Chobe (195) im Süden. Am östlichen Ende des Caprivi-Streifens befindet sich ein Vierländer-Eck, an dem die heutigen Staaten Namibia, Botswana, Sambia und Simbabwe aneinander grenzen. Bis zu den Victoria Fällen ist es von hier aus nur noch eine kurze Distanz.
Die regulären Intercape-Mainliner Busse haben Sitze für 60 Passagiere, und mit einem solchen Intercape-Reisebus war ich von Windhoek aus über die Orte Okahandja, Otjivarongo, Otavi, Tsumeb, und Rundu durch den Caprivi-Streifen zum Grenzort Katima Mulilo gefahren. Der Caprivi-Streifen wurde zu größeren Teilen auf dem „Trans-Caprivi-Highway“ (= Landstraße B8) durchfahren, einer Landstraße in einem ordentlichen Zustand. Das Wetter war hier dicht bewölkt, und die Savannenlandschaft ist hier deutlich grüner, die Bäume sind höher und dichter, was auf höhere Niederschläge verweist. Kleine ländliche Siedlungen, in deren Umgebung kleinbäuerliche Landwirtschaft betrieben wird, folgen beiderseits der Straße.
Seit dem Jahre 2004 führt bei Katima Mulilo die Sesheke-Brücke über den Fluß Sambesi nach Sambia. Die Hauptroute des Intercape-Reisebusses verläuft über diese Brücke und nördlich des Sambesi weiter durch Sambia zur Stadt Livingstone und dann zur Stadt Victoria Falls in Simbabwe. Die Passagiere, darunter auch ich, die von Katima Mulino südlich des Sambesi weiter zur Stadt Kasane und dann zur Stadt Victoria Falls fuhren, stiegen in Katima Mulino in einen kleinen Intercape-inter-connekt-Bus mit 23 Sitzen um, der einen Anhänger für das Gepäck mitführte.
Nach etwa einer Stunde Aufenthalt in Katima Mulino ging die Fahrt weiter auf dem Trans-Caprivi-Highway (= Landstraße B8) über eine Distanz von rund 70 Kilometer zum Grenzübergang Ngoma Gate an der Grenze zwischen Namibia und Botswana. Hier wurden an der Grenzstation von Namibia die Reisepässe elektronisch eingelesen und die Passagiere erhielten zügig die Ausreisestempel in ihre Reisepässe. Auch die Einreise nach Botswana erfolgte zügig. In meinem Fall ist für die Einreise nach Botswana kein Visum erforderlich, anders als zuvor bei der Einreise nach Namibia. In Folge der Ereignisse vom 11.09.2001 ist es auf Initiative der USA hin mittlerweile weltweit zunehmend üblich geworden, daß bei Grenzübergängen biometrische Daten erhoben werden (196), doch dies war sowohl an diesem Grenzübergang, und auch an den weiteren von mir passierten Grenzübergängen im südlichen Afrika nicht der Fall.
Die kleine Grenzstadt Kasane liegt am südlichen Ufer des Chobe-Flusses auf dem Territorium von Botswana (197). In Kasane war ich der einzige Passagier, der dort fahrplangemäß aussteigt, die übrigen Passagiere fuhren weiter zum Touristenort Victoria Falls in Simbabwe. Auf meine Nachfrage hin nahm mich der Busfahrer freundlicherweise noch bis zum Nachbarort Kazungula mit, wo sich das Hostel befindet, in dem ich hier logiert habe.
An den Fluß Chobe grenzt hier der Chobe-Park (198). Auch im Chobe-Park bieten Tourenanbieter Touren an, und an einer solchen Tour, die auch hier in offenen Geländewagen stattfindet, habe ich am 28.11.2025 teilgenommen. Bei dieser Tour gelangten wir in der Nähe der Stadt Kasane gegen 6:00 Uhr durch das Seduda-Gate in den Chobe-Park. Die Tour folgte zuerst dem Verlauf des Ufers des Flusses Chobe Richtung Westen. Die Landschaft am Flußufer ist zu großen Teilen offen, was einen weiten Blick in die Landschaft ermöglicht und die Beobachtung von Tieren begünstigt. Abseits der Flußufer dominiert im Chobe-Park ansonsten eine vergleichsweise dichte und grüne Savannenlandschaft. Anders als im Etosha-Park gibt es hier keine Straßen und Schotterwege, die Fahrzeuge sind hier auf Pisten und Fahrspuren unterwegs, die sich durch das Gelände ziehen. Wir trafen auf Büffel und Antilopen, und dann auf eine Gruppe von acht Löwen, die in kurzer Distanz vor mehreren Tourenfahrzeugen passiert. Des Weiteren trafen wir auf Paviane, einen Fischadler, diverse weitere Vögel, Giraffen, einen Waran, sowie weitere Antilopen, darunter Impalas. Dann verließen wir das Flußufer, und die Fahrt verlief nun durch eine dichte Savannenlandschaft, die von Bäumen geprägt wird. Hier begegneten wir Elefanten. Gegen Ende der Tour trafen wir am Ufer des Flusses Chobe auf eine große Anzahl von rund 100 Elefanten. Im Fluß Chobe sind Flußpferde häufig, und auch gibt es dort Nilkrokodile.
Im Gegensatz zu dem Etosha-Park sind sowohl der Chobe-Park, als auch die umgebende Landschaft nicht eingezäunt, sodaß hier die Tiere in ihren saisonalen Wanderungen nicht behindert werden. Im Gegensatz zu den Siedlungskolonien Südafrika und Namibia sind im südlichen Afrika die Landschaften in den Ländern Botswana und Lesotho weitestgehend nicht eingezäunt, was auf erhebliche Unterschiede sowohl in der Agrarverfassung, als auch in der Agrargeschichte des Ländlichen Raumes verweist. Daß diese Unterschiede bis heute fortbestehen konnten, ist dem Umstand zu verdanken, daß im Jahre 1895 von drei Tswana-Häuptlingen im Rahmen von Verhandlungen mit dem Britischen Empire erfolgreich verhindert werden konnte, daß das damalige britische Protektorat Betschuanaland (199) durch die von Cecil John Rhodes (1853-1902) (200) gegründete British South Africa Company (BSAC) (201) annektiert wurde. An dieses historische Ereignis erinnert das „Three Chiefs Monument“ in der Stadt Gaborone.
Am 29.11.2025 habe ich die Viktoria-Fälle (202) am Fluß Sambesi beim Touristenort Victoria Falls besucht. Östlich des Ortes Kazungula passierte ich zu diesem Zweck die Grenze von Botswana und Simbabwe, wobei ich für diesen Tag ein Tagesvisum „on Arrival“ für Simbabwe erhielt (Gebühr: 30,- USD). Seit dem Jahre 2009 ist aufgrund des Währungsverfalles der Landeswährung Zimbabwe-Dollar der US-Doller das Zahlungsmittel in Simbabwe. Der Eintritt zu den Victoriafällen kostete 50,- USD. Die Victoria-Fälle zählen zu den bedeutendsten touristischen Sehenswürdigkeiten in Afrika, und sie haben den Status eines Unesco-Welterbes. Den Namen „Victoria-Fälle“ erhielten diese Wasserfälle des Sambesi durch den Afrika-Forscher David Livingstone (1813–1873) (203), der während mehrerer Reisen durch das südliche Afrika auch diese Wasserfälle besucht hatte. Vor den Wasserfällen erinnert ein Denkmal an Livingstone.
Durch den Sambesi und auch durch die Viktoria-Fälle hindurch verläuft heute die Grenze zwischen den Staaten Sambia und Simbabwe. Auf der Seite von Simbabwe sind die Victoria-Fälle Bestandteil des Victoria-Falls Nationalparks. Hier verläuft ein Parcours über eine Distanz von ca. 1,5 Kilometern mit insgesamt 16 Aussichtspunkten am Rande der Schlucht der Victoria-Fälle entlang. Die Besichtigung der Fälle von der Seite von Simbabwe aus ist beliebter, da sich hier ein Panorama-Blick auf die Wasserfälle bietet. Momentan führte der Sambesi gegen Ende der Trockenzeit nur wenig Wasser. Dennoch regnete es in Teilen der Umgebung aufgrund des zerstäubten Wassers, wobei teilweise ein Regenbogen über den Wasserfällen sichtbar war. Die Fallhöhe des Wassers beträgt bis zu 107 Meter. Der Parcours endet an einer Stahlbogenbrücke, die den Fluß Sambesi überbrückt und an der sich ein Grenzübergang zwischen Simbabwe und Sambia befindet.
Nach meinem Besuch der Victoria-Fälle setzte ich am 30.11.2025 meine Reise mit Kleinbussen durch das östliche Botswana zum Ort Nata fort. Die Fahrt verlief durch eine grüne Savannenlandschaft, die anders als in Südafrika und in Namibia nicht eingezäunt ist. Es überrascht dann, daß diese Savannenlandschaft wiederholt von riesigen, bis zum Horizont reichenden Landnutzungsflächen (LNF) industrieller Landwirtschaft unterbrochen wird. Unter anderem wird hier in riesigen sterilen Monokulturen Mais angebaut. Auch führte die Fahrt an gewaltigen, agrarindustriellen Siloanlagen vorbei. Diese agrarindustriellen Großanlagen mit riesigen Monokulturen kontrastieren mit der kleinbäuerlichen Subsistenzlandwirtschaft, wie sie u.a. im Caprivi-Streifen vorherrscht. Es stellt sich die Frage, von welchen Akteuren hier diese riesigen agrarindustriellen Anlagen und Strukturen eingerichtet und unterhalten werden. Insbesondere von der VR China ist bekannt, daß diese vielerorts in Afrika in großem Umfang Land aufkauft, um dort industrielle Landwirtschaft zu betreiben, was als „Land Grabbing“ (204) bezeichnet wird, da dieses Land nun nicht mehr anderen Zwecken, wie insbesondere dem Naturschutz und der Subsistenz-Landwirtschaft der ortsansässigen Bevölkerung zur Verfügung steht.
Der Ort Nata liegt am Ufer des gleichnamigen Flusses Nata. Beim Ort Nata sperrt ein Damm mit einem Fahrweg den Fluß Nata ab. Unterhalb des Dammes war das Flußbett des Flusses Nata weitgehend trocken, und es floß dort aktuell kein Wasser. Oberhalb des Dammes hat der Fluß Nata den Charakter eines Stausees mit einer Länge von ca. sechs Kilometern. Die Ufer des Flusses werden als Viehweide genutzt (Ziegen, Rinder, Pferde), wobei das Vieh von Hirten beaufsichtigt wird. Das Hostel, in dem ich in Nata logierte, verfügt über Kanus, und mit einem von diesen Kanus fuhr ich auf diesem Stausee flußaufwärts. Die Ufer des Flusses Nata sind zu größeren Teilen Steilufer mit Höhen bis ca. fünf Metern. Aufgrund starken Sedimentgehalts hat das Wasser dieses Nata-Stausees eine graue Farbe, die der Farbe des Bodens entspricht, der an den Steilufern des Flusses ansteht. Auch oberhalb des Stausees war das Flußbett trocken.
Auch in dem Hostel, in dem ich in Nata logierte, traf ich Reisende mit außergewöhnlichen und beeindruckenden Reisevorhaben. Darunter Wiebke und Lisa mit ihren Reisefahrrädern, die gerade auf einer Rundreise in Namibia und Botswana unterwegs waren. Erst kürzlich war Wiebke von Freiburg aus durch das westliche Afrika nach Kapstadt geradelt, wie sie berichtete.
Vom Ort Nata aus führt eine Straße nach Westen zum Touristenort Maun am Rande des Okawango-Deltas (205). Maun gilt als das Zentrum des Safari-Tourismus in Botswana. Nach meinem erfolgten Besuch des Etosha Parks und des Chobe-Parks sah mein Reiseplan allerdings keinen weiteren Besuch eines Naturparks vor, sowohl aufgrund des eingeschränkten Zeitrahmens meiner Reise, als auch aufgrund der meist hohen Kosten, die mit der Teilnahme an von Tourenveranstaltern organisierten Touren verbunden sind.
Von Nata aus fuhr ich am 02.12.2025 mit Kleinbussen weiter Richtung Francistown und Garborone. Die grüne Savannenlandschaft, die seit dem Caprivi-Streifen durchfahren wird, setzt sich fort. Von Francistown fuhr ich weiter zur Stadt Palapye, die sich als eine Zwischenstation auf meinem Weg von Nata nach Gaborone eignete. Seitlich der Landstraße gibt es einen breiten Grasstreifen, auf dem Bäume und Büsche entfernt sind, und auf diesen Straßenseitenstreifen grasen zahlreiche Rinder. Diese Rinder überqueren gelegentlich die Landstraße, was dann langsames und vorsichtiges Fahren erfordert. Die Stadt Palapye präsentiert sich als ein Verkehrsknotenpunkt und als ein Versorgungszentrum für ihr Umland gemäß dem System der Zentralen Orte (206) des Geografen Walter Christaller.
Von Palapye fuhr ich mit einem weiteren Kleinbus über die Stadt Mahalapye weiter nach Gaborone, der Hauptstadt von Botswana. Bislang ist die in Botswana durchfahrene Landschaft flach gewesen, doch in der Nähe von Gaborone wird diese wellig und einige Berge werden sichtbar. Auch in Garborone unternahm ich am 04.12.2025 eine Stadtexkursion, bei der ich u.a. durch das halbkreisförmige Regierungsviertel, durch das Geschäftszentrum, und zum National Museum gelangte, das allerdings gerade umgebaut wurde, sowie zum „Three Chiefs Monument Park“. In diesem Park erinnert das „Three Chiefs Monument“ an drei Tswana-Häuptlinge, die im Jahre 1895 im Rahmen von Verhandlungen mit dem Britischen Empire erfolgreich verhindert haben, daß das damalige britische Protektorat Betschuanaland durch die von Cecil John Rhodes (1853-1902) gegründete British South Africa Company (BSAC) annektiert wurde. Diese Annektion hätte zur weiteren Folge gehabt, daß Betschuanaland später ein Bestandteil der im Jahre 1910 gegründeten Südafrikanischen Union geworden wäre und aufgrund Dessen ebenso wie Namibia den Folgen der Apartheid-Politik ausgesetzt gewesen wäre. Auch dies wurde im Jahre 1895 erfolgreich verhindert. Ebenso wie Betschuanaland (Botswana) lehnten auch das Basotholand (Lesotho) und Swasiland (Eswatini) im Jahre 1910 die Eingliederung in die Südafrikanische Union ab.
Ab Garborone gibt es wieder Anschluß an die Reisebusrouten des Reisebusunternehmens Intercape, mit dem ich am. 05.12.2025 nach Pretoria weiter gefahren bin. Schon nach kurzer Fahrt von rund 30 Minuten wurde die Grenze zwischen Botswana und Südafrika beim Grenzübergang Tlokweng-Kopfontain erreicht. Es ist ein häufig genutzter Grenzübergang, und bei der Paßkontrolle gab es lange Warteschlangen, obwohl die Paßkontrollen auf beiden Seiten zügig verliefen. Die Reisepässe wurden jeweils elektronisch eingelesen, und es wurde ein Aus- bzw. Einreisestempel erteilt. Auch hier wurden keine biometrischen Daten erhoben. Die Weiterfahrt nach Pretoria verlief durch eine bergige und grüne Savannenlandschaft.
7. Pretoria oder: Die Burenrepubliken und der „Wettlauf um Afrika“
Der Stadt Pretoria (207) kommt eine herausragende historische und aktuelle Bedeutung zu, denn zum Einen war sie Hauptstadt der Burenrepublik Südafrikanische Republik (Transvaal) (ZAR) (208) gewesen, und zudem ist sie heute neben Kapstadt und Bloemfontein eine der drei Hauptstädte Südafrikas. Aufgrund dessen gibt es in Pretoria zahlreiche historische Gebäude, Museen und Sehenswürdigkeiten zu sehen. Auch in Pretoria ging ich im Rahmen meiner Stadtexkursion am 06.12.2025 auf historische Spurensuche. Auch hier gilt es, historische Forschung an den geografischen Originalschauplätzen historischer Ereignisse zu betreiben.
Meine Stadtexkursion in Pretoria startete ich im Stadtteil Hatfield, im dem sich das Hostel befindet, in dem ich während meines Aufenthaltes in Pretoria logiert habe. Mit dem Gautrain, einer S-Bahn, die als zuverlässig und sicher gilt, gelangte ich von der Station Hatfield zur Station Pretoria, die sich neben dem Hauptbahnhof und dem Busbahnhof im Stadtzentrum von Pretoria befindet. Wie an Busbahnhöfen in den Städten in Südafrika allgemein üblich, haben auch am Busbahnhof in Pretoria zahlreiche Reisebusunternehmen ihre Ticketbüros, in denen man unkompliziert Tickets kaufen kann, und es werden Busfahrten zu zahlreichen Zielen in Südafrika angeboten. Von hier folgte ich der Paul Kruger Street nach Norden. Dabei gelangte ich am „National Museum of Natural History“ vorbei. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich umgeben von einem Park mit Denkmälern die im Jahre 1935 erbaute City Hall. Das gesamte Gelände um die City Hall war eingezäunt und nicht zugänglich. Dann erreichte ich den Church Square, der den architektonischen Mittelpunkt von Pretoria bildet. Er ist von zahlreichen großen, repräsentativen Gebäuden umgeben, darunter der im Jahre 1891 erbaute Raadsaal, dem Parlament der Burenrepublik Südafrikanische Republik (ZAR) (Transvaal). Im Zentrum des Church Square erinnert ein Denkmal an Stephanus Johannes Paulus Kruger (1825-1904) (209), dem Präsidenten der Südafrikanischen Republik (ZAR) (Transvaal) von 1883 bis 1900.
Anschließend besuchte ich das „Paul Kruger Museum“ (210), das westlich des Church Square gegenüber einer „Kruger‘s Church“ liegt. Das Museum befindet sich in dem Haus, in dem Paul Kruger wohnte, als er Präsident der Südafrikanischen Republik (Transvaal) in den Jahren 1883 bis 1900 gewesen war. Seine Amtszeit als Präsident liegt inmitten des Zeitalters des Imperialismus, dessen herausragender Bestandteil der „Wettlauf um Afrika“ war. Die Amtszeit von Paul Kruger war in besonderem Maße durch dieses Zeitalter des Imperialismus geprägt. Das Zeitalter des Imperialismus kulminierte in zwei Weltkriegen.
Folglich prägten imperiale Kriege die Amtszeit von Paul Kruger als Präsident der Südafrikanischen Republik (Transvaal), was Thema des von mir in Pretoria besuchten Paul Kruger Museums ist. In dem Museum wird unter anderem die umfangreiche Solidarität dargestellt, die Paul Kruger in diesen kriegerischen Konflikten mit dem Britischen Empire (211), den sogenannten Burenkriegen (212), zuteil wurde, sowohl von staatlichen Akteuren als auch von zahlreichen zivilgesellschaftlichen Akteuren weltweit. Tatsächlich erfolgte jedoch über derartige Solidaritätsbekundungen hinaus nichts. Im militärischen Konflikt mit dem Britischen Empire, der damals führenden Weltmacht, wurden die Buren alleine gelassen und niemand wagte es, diese offen zu unterstützen und damit einen Konflikt mit der damaligen führenden Weltmacht, dem Britischen Empire, zu riskieren.
Vergleichbare Beispiele lassen sich in der jüngeren Geschichte zahlreiche finden, in denen Opfer militärischer Aggressionen von Weltmächten alleine gelassen werden, und unter vielen möchte ich drei herausragende Beispiele aufführen: 1. Der Abessinienkrieg des faschistischen Italiens gegen das Kaiserreich Äthiopien, einem Mitglied des Völkerbunds, vom 03.10.1935 bis zum 27.11.1941 (213). 2. Finnland im sogenannten Winterkrieg mit der Sowjetunion vom 30. November 1939 bis zum 13. März 1940 (214), und 3. die Okkupation Tibets durch die VR China ab 1950. Weltmächte dominieren auch heute das Saatensystem, und im UN-Sicherheitsrat nehmen die Weltmächte, nahezu ausschließlich Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, als ständige Mitglieder mit Vetomacht ihre Interessen als Weltmächte wahr mit der Folge, daß Machtkalkül und Machtpolitik sowie Geostrategie und Geopolitik die Weltpolitik bestimmen.
Um die Burenrepubliken militärisch zu besiegen, setzte das Britische Empire im Zweiten Burenkrieg 1899-1902 (Anglo-Boer War, auch: Südafrikanischer Krieg) (215) eine gewaltige militärische Übermacht von rund 450.000 Soldaten ein, größere Teile der Zivilbevölkerung wurden in Internierungslagern, die als „Concentration Camps“ (216) bezeichnet wurden, festgehalten, in denen ca. 26.000 Buren aufgrund der Haftbedingungen verstarben, und der Oberbefehlshaber der Britischen Armee, Horatio Herbert Kitchener, 1. Earl Kitchener(1850 – 1916) (217) gab den Befehl, im Rahmen einer Strategie der „Verbrannten Erde“ („Scorched Earth“) (218) den Buren ihre Lebensgrundlage zu entziehen: 30.000 Farmen wurden niedergebrannt, Dörfer zerstört und die Ernte vernichtet. Die Burenrepubliken wurden dem Britischen Empire als Kolonien eingegliedert und Paul Kruger ging im Jahre 1900 ins Exil. Der Zweite Burenkrieg wurde bei meinem nachfolgenden Besuch der Stadt Bloemfontein ein ausführlicheres Thema.
Die zuvor unabhängigen Burenrepubliken Oranje-Freistaat und Südafrikanische Republik (Transvaal) wurden nach dem Zweiten Burenkrieg zu Kolonien des Britischen Empires. Am 31. Mai 1910 wurde durch den Zusammenschluß von vier britischen Kolonien: Kapkolonie, Natal, Oranjefluß-Kolonie und Transvaal, die Südafrikanische Union (219) gebildet. Die Südafrikanische Union wurde ein Dominion (220) im Rahmen des Britisch Commonwealth (221). Auch beteiligte sich die Südafrikanische Union nun ebenfalls wie die weiteren Dominions des Britischen Empires, wie z.B. Kanada, Australien und Neuseeland, an sämtlichen nachfolgenden (imperialen) Kriegen des Britischen Empires, darunter dem Ersten Weltkrieg, als treue Vasallen des britischen Königs wie zu Zeiten von Wilhelm dem Eroberer (222), obwohl diese Kriege des Britischen Empires diese Dominions und deren Bevölkerung nichts angingen.
Nach dem Besuch des Kruger Museums setzte ich meine Stadtexkursion in Pretoria zu den im Jahre 1913 fertig erbauten Union Buildings fort. Neben Kapstadt dienen diese als Regierungssitz. Die Union Buildings liegen auf einem Hügel in einer terrassenförmig angelegten Parkanlage, von wo aus sich eine Aussicht über die Stadt Pretoria bietet. Unterhalb der Union Buildings befindet sich ein „Pretoria War Memorial“, das an 11.000 Soldaten der Südafrikanischen Union erinnert, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren haben. Es ist nach den einheitlichen architektonischen Standards der British Commonwealth War Graves Commission gestaltet (223).
8. Johannesburg: Vom Goldrausch zur Megacity
Von Pretoria aus besuchte ich im Rahmen eines Tagesausflugs am 07.12.2025 die nahegelegene Stadt Johannesburg (224), die als Boomtown (225) im Zuge eines Goldrausches ab dem Jahre 1886 entstanden war. Da Johannesburg als die Stadt in Südafrika mit dem größten Kriminalitätsproblem gilt, habe ich dort nicht wie üblich eine Stadtexkursion zu Fuß unternommen, sondern lediglich eine Tagestour mit dem City- Sightseeing-Bus. Aufgrund des großen Kriminalitätsproblems wird Touristen von Stadtexkursionen zu Fuß in Johannesburg dringend abgeraten. Laut Statistik hat Südafrika weltweit die höchste Verbrechensrate, und innerhalb Südafrikas ist diese Verbrechensrate in Johannesburg am höchsten. Ebenso wie in Kapstadt, werden auch in Johannesburg Touren durch das Stadtgebiet mit dem City- Sightseeing-Bus angeboten. In Johannesburg startet die City- Sightseeing-Bustour im Stadtteil Rosebank an der dortigen Station des Gautrain, mit dem ich aus Pretoria dorthin gefahren bin.
Die Tour des City- Sightseeing-Bus verläuft durch Vororte und Wohnsiedlungen, die auch hier wie in allen Städten in Südafrika von Mauern und hohen Zäunen, meist elektrischen Zäunen, umgeben sind und die durch Wachschutzunternehmen mit einem Konzept einer „Armed Response“ streng bewacht werden. Im Stadtzentrum dominieren Hochhausbauten aus dem Zeitraum, als Johannesburg infolge des Goldrausches ein boomendes überregionales Geschäfts- und Wirtschaftszentrum gewesen war. In Südafrika und insbesondere in den Städten finden erhebliche demografische Veränderungen statt (226). Wie in allen Städten in Südafrika ist auch in Johannesburg seit dem Ende der Apartheid das Stadtzentrum von den Einwohnern europäischen Ursprungs verlassen worden, die sich in bewachte Wohnsiedlungen außerhalb der Stadtzentren hinter hohen, oft mehrreihigen Zäunen und Mauern zurück gezogen haben. In den Straßen des Stadtzentrums von Johannesburg campieren heute an den Straßenrändern Leute in Zelten und selbstgebauten Hütten, die nach dem Ende der Apartheid aus den Townships (227) und aus den ehemaligen Homelands (228) in großer Zahl in die Zentren der Städte gekommen sind und die in den Stadtzentren in Südafrika heute die Bevölkerungsmehrheit bilden. Zudem kommt eine große Anzahl von illegalen Einwanderern und Wirtschaftsflüchtlingen aus den Nachbarländern nach Südafrika, und auch diese gehen größtenteils in die Zentren der Städte. Dort vermehren sie die Zahl der Arbeitslosen, die in Südafrika zwischen 35 und 40 Prozent liegt. Aufgrund des weltweit höchsten Bevölkerungswachstums (229) im gesamten Afrika drängen immer mehr Menschen aus den Townships und aus dem Ländlichen Raum in die Stadtzentren. Während der City-Sightseeing- Bustour erfolgt in einer Vielzahl auswählbarer Sprachen über Kopfhörer eine Vorstellung der jeweils angefahrenen Sehenswürdigkeiten. Dabei sind auch Thema verschiedene Aspekte der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Johannesburg. Unter anderem wird erwähnt, daß Johannesburg in wenigen Jahren mit Pretoria und weiteren Städten und Siedlungen zu einer Megacity (230) mit möglicherweise mehreren 10 Millionen Einwohnern zusammengewachsen sein wird.
Während der City-Sightseeing- Bustour kann man an insgesamt 13 Haltestellen aussteigen und in einem der im Abstand von 40 Minuten nachfolgenden City-Sightseeing-Busse weiterfahren, was ich dazu genutzt habe, an Haltestelle Nr. 7 auszusteigen, um das dort gelegene „Apartheid-Museum“ (231) zu besuchen. Gegenstand des Apartheid-Museums ist die Rassentrennung (232) in Südafrika und Namibia, die dort bis zum Jahre 1990 praktiziert wurde und die als „Apartheid“ (233) bezeichnet wird. In Südafrika und Namibia wurde eine „Kleine Apartheid“ von einer „Großen Apartheid“ unterschieden. Der Begriff „Kleine Apartheid“ meint die Rassentrennung im öffentlichen Raum insbesondere der Städte, während die „Große Apartheid“ die räumliche Trennung im großen Maßstab meint, insbesondere im Rahmen der Homeland-Politik. Rassentrennung war ein Phänomen insbesondere in Siedlungskolonien, wie z.B. in den USA (234), aber auch in Südafrika und Namibia. In den USA wurde die Rassentrennung bis zum Jahre 1964 praktiziert, bis eine Bürgerrechtsbewegung deren Abschaffung erreichte (235). In Südafrika und Namibia wurde die Rassentrennung (Apartheid) im Jahre 1990 abgeschafft.
Das Apartheid-Museum hat das Motto: „Learn from the past, change the future“, und es beeindruckt durch umfangreiche Ausstellungen mit zahlreichen Exponaten, überwiegend Fotos, und umfassenden Informationen. Die Ausstellungen folgen chronologisch den historischen Entwicklungen. Dargestellt wird u.a. die Vorgeschichte der Rassentrennung in Südafrika und Namibia, die Durchsetzung der Apartheid-Politik ab 1948, wie die Apartheid das Leben der Menschen gestaltete und bestimmte, die Opposition gegen die Politik der Apartheid, Verbrechen, die vom Apartheid-Regime zur Aufrechterhaltung der Apartheid und zur Repression der Opposition begangen wurden, das Ende der Politik der Apartheid und die Übergangsphase von 1990 bis 1994, die von einer Zunahme der Gewalt geprägt war, sowie die Entwicklungen bis heute.
Eingeleitet wird die Museumsausstellung noch im Außenbereich des Museums mit der Hervorhebung einiger markanter Aspekte der Menschheitsgeschichte (236) insbesondere im Bereich der Paläoanthropologie (237). Zweifellos liefert heute das interdisziplinäre Projekt der modernen Anthropologie, dessen gemeinsames Erkenntnisinteresse mit der Kant‘schen Frage „Was ist der Mensch?“ (238) bestimmt werden kann, Erkenntnisse mit weitreichenden Konsequenzen für unsere Weltsicht: Die Einheit der Menschheit ist damit nicht mehr nur eine intellektuelle und kulturelle Verstehensleistung, wie noch im Zeitalter der Aufklärung, sondern eine bio-physische Tatsache. Die Erkenntnisse des interdisziplinären Projekts der modernen Anthropologie liefern herausragende und überzeugende Argumente gegen Rassentrennung und Rassismus (239).
Zusätzlich zu der Hauptausstellung gibt es zwei weitere Ausstellungen, von denen Eine das Leben und Wirken von Nelson R. Mandela (1918-2013) (240) zum Thema hat, die Andere Leben und Wirken von Desmond M. Tutu (1931-1920) (241). Insbesondere in dieser letztgenannten Ausstellung ist die 1996 eingerichtete „Wahrheits- und Versöhnungskommission“ (242) Thema. Diese Wahrheits- und Versöhnungskommission ist Ausdruck und Beispiel einer neuen Reflektionsstufe im Umgang mit Verbrechen im Rahmen von Krieg und Gewaltherrschaft, wobei das Erkenntnisinteresse Aufklärung ist und nicht Bestrafung, wie bei Tribunalen und Gerichtsprozessen (243). So stehen nicht „Täter“, sondern Verhältnisse im Zentrum, womit eine Veränderung von Verhältnissen überhaupt erst möglich wird, was dem Motto des Museums entspricht: „Learn from the past, change the future“.
Südafrika gilt als ein Beispiel eines gelungenen Transformationsprozesses vom Apartheid-Regime zur Demokratie. Alle haben jetzt die Möglichkeit, gleichberechtigt an Wahlen teilzunehmen. Demokratie kann jedoch nicht funktionieren, wenn, wie in Südafrika und auch zahlreichen weiteren Ländern, nach Kriterien der Zugehörigkeit zu ethnischen Gruppen gewählt wird. Dann steht das Wahlergebnis schon vor der Wahl fest, sodaß man auch auf das Wählen verzichten kann, denn das Wahlergebnis ist so nicht das Ergebnis einer zuvor erfolgten öffentlichen Diskussion und Meinungsbildung, wie es im Konzept der deliberativen Demokratie (244) zum Ausdruck gelangt. Kernidee der deliberativen Demokratie ist, daß durch Austausch von Argumenten in einem herrschaftsfreien Diskurs Verständigung oder Konsens erzielt werden können und so gefundene Lösungen den Ansprüchen der Vernunft in sachlicher und moralischer Hinsicht gerecht werden (245). Für die zahlreichen drängenden Probleme in Südafrika kann nur dann eine Lösung gefunden werden, wenn es gelingt, durch Austausch von Argumenten in einem herrschaftsfreien Diskurs Verständigung oder Konsens zu erzielen. Noch sind die gesellschaftlichen Realitäten weit davon entfernt.
Johannesburg ist eine junge Stadt, die keine 150 Jahre alt ist, und sie war als Boomtown im Rahmen eines Goldrausches ab dem Jahre 1886 entstanden. In wenigen Jahren wird Johannesburg mit Pretoria und weiteren Städten und Siedlungen zu einer Megacity mit möglicherweise mehreren 10 Millionen Einwohnern zusammengewachsen sein, wie bei der City-Sightseeing-Tour vermittelt wurde. Zuletzt hatte ich während meiner Fahrradreise durch das südöstliche Europa im Jahre 2023 mit der Megacity Istanbul-Bursa eine expandierende Megacity kennenlernen können. Schon davor hatte ich während meiner Reisen weitere Megacitys besucht und kennen lernen können: Paris, London, Mumbai/Bombay, Delhi, Bangkok, Ho-Chi-Minh-Stadt/Saigon, Sao Paulo, Mexiko-Stadt, Kairo, Los Angeles, New York. Die Mehrzahl der Weltbevölkerung wird in wenigen Jahrzehnten in Megacitys mit 10 bis 50 Millionen Einwohnern leben, und im südlichen Afrika kann man eine solche in Entstehung begriffene Megacity mit der Metropolregion Johannesburg-Pretoria besuchen und die in Megacitys herrschenden Verhältnisse studieren, und unter solchen Verhältnissen wird in wenigen Jahrzehnten die Mehrzahl der Weltbevölkerung leben.
Es stellt sich die Frage nach der Rolle der weltweit zunehmenden und rasant anwachsenden Megacitys im gegenwärtigen real-existierenden Weltsystem. Meines Erachtens haben diese Megacitys den Charakter und die Funktion von Abschieberäumen und Verwahranstalten der globalen Überschußbevölkerung, die aus dem Ländlichen Raum verdrängt wird, da sich dort weltweit immer mehr die riesigen agrarindustriellen Monokulturen auf Kosten der traditionellen Subsistenzwirtschaft der Menschen im Ländlichen Raum ausweiten. Als Abschieberäume und Verwahranstalten ersetzen die Megacitys die Totale Institution des Lagers, die in ihren verschiedenen Erscheinungsformen im extremen 20. Jahrhundert ihre unheimliche Ausweitung und Radikalisierung erfahren hatte. Hinzu kommt das weiter anhaltende rasante Bevölkerungswachstum, das in Afrika weltweit am höchsten ist. Die Menschen verlassen nicht freiwillig den Ländlichen Raum und geben ihre traditionelle Subsistenzwirtschaft auf, sondern sie werden dazu genötigt. Auf der Suche nach Existenzmöglichkeiten siedeln die aus dem Ländlichen Raum verdrängten Menschen in den anwachsenden Slums an den Rändern der Städte, oder sie roden Naturschutzgebieten Land. Die Urbanisierung nimmt weltweit rasant zu. Schon in wenigen Jahrzehnten wird weltweit die Mehrzahl der Menschen in Megacitys mit 10 bis 50 Mio. Einwohnern leben. Die Mehrheit der Megacitys ist durch permanente ökologische, soziale und gesundheitliche Krisen und Ausnahmezustände geprägt. Diese Krisen und Ausnahmezustände kann man am Beispiel der heute schon bestehenden Megacitys studieren. Diese Krisen in den heute schon bestehenden Megacitys werden die die Zukunft der Menschheit prägen, und mit großer Wahrscheinlichkeit werden diese ein totalitäres globales Regime zum Krisenmanagement sowie zur Überwachung und Kontrolle der Menschen zur Folge haben. Heute erscheint diese Entwicklung als schicksalhaft, unbeeinflußbar und unabwendbar.
Gerne wollte ich von Johannesburg aus auch die nahegelegenen, aufgrund der zahlreichen paläoanthropologischen Funde als „Cradle of Humankind“ (246) bekannten Höhlen Sterkfontain (247), Swartkrans (248), Wonder Cave und weitere besuchen, die Unesco-Welterbe sind, doch dorthin gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel, sodaß ich meinen Plan aufgeben mußte.
9. Diamantenrausch und Geopolitik in Kimberley
Von Pretoria war ich am 08.12.2025 mit dem Intercape-Reisebus zur Bergbaustadt Kimberley (249) weiter gereist, die ab dem Jahre 1871 als Boomtown im Zuge des größten Diamantenrausches in der Menschheitsgeschichte entstanden ist. Während Johannesburg als Boomtown im Zuge eines Goldrausches entstanden ist und überraschenderweise nach Ende des Goldrausches nicht wieder verschwunden ist, wie es bei Boomtowns üblich ist, sondern im ganzen Gegenteil sich heute rasant zu einer Megacity entwickelt, ist Kimberley ebenfalls als Boomtown entstanden, allerdings im Zuge des größten Diamanten-Rausches in der Menschheitsgeschichte.
Auch in Kimberley habe ich am 09.12.2025 eine Stadtexkursion unternommen und mich auch hier auf historische Spurensuche begeben. Es gilt, historische Forschung an den geografischen Originalschauplätzen historischer Ereignisse zu betreiben. Im Zentrum meiner Stadtexkursion stand der Besuch des „Big Hole“ und des dortigen „Kimberley Mine Museum“ sowie des angrenzenden Freilichtmuseums der „Old Town“. Auf dem Weg dorthin ins Stadtzentrum gelangte ich an einer Statue von Cecil John Rhodes (1853-1902) vorbei. Dann passiere ich den eingezäunten „Oppenheimer Memorial Garden“ und das „Harry Oppenheimer House“, dem Sitz der „De Beers Diamond Trading Company“. Ich erreiche nun den Market Square mit der City Hall und gelange auf dem Weg zum „Big Hole“ vorbei an dem Gebäude des „De Beers Head Office“ aus dem Jahre 1898.
Der Konzern De Beers ist heute mit rund 40% der Weltförderung der größte Diamantenproduzent und mit über 50% Anteil am weltweiten Diamantenhandel der größte Diamantenhändler der Welt (250). Mit Cecil John Rhodes als Vorsitzendem war der Konzern De Beers am 12. März 1888 unter dem Namen „De Beers Consolidated Mines Limited“ gegründet worden, mit dem Rhodes das Monopol über die Diamantenproduktion im südlichen Afrika erlangte. Heute besitzt der im Jahre 1917 von Ernst Oppenheimer (1880-1957) (251) unterstützt von der us-amerikanischen Bank J.P. Morgan (252) gegründete Bergbau- und Rohstoffkonzern „Anglo American“ (253) 85% der Anteile am De Beers-Konzern. Die Leitung des Konzerns Anglo American wurde von Harry F. Oppenheimer (1908-2000) (254) fortgeführt, nach dem heute in Kimberley das „Harry Oppenheimer House“, dem Sitz der „De Beers Diamond Trading Company“ benannt ist.
Das „Big Hole“ (255) entstand ab dem Jahre 1871, nachdem im Jahre 1866 auf dem Gelände der Farm der Brüder De Beers Diamanten gefunden wurden und das Gelände im Zuge des Diamantenrausches in Claims aufgeteilt wurde. Aufgrund der Bergbau-Aktivitäten entstand ein riesiges Loch, das „Big Hole“, das heute wassergefüllt ist und eine Touristenattraktion darstellt. Das „Big Hole“ kann von einer Aussichtsplattform aus besichtigt werden. Es ist bis heute eine der größten in Handarbeit ausgehobenen Gruben der Welt. Ich nahm hier an einer vom Kimberley Mine Museum angebotenen Führung teil, deren Bestandteil der Besuch eines nachgebauten Bergwerkstollens aus der Zeit des Diamantenrausches ist.
Das an das „Big Hole“ angrenzende Freilichtmuseum „Old Town“ ist ein Freilichtmuseum (256) in der Tradition des Skansen-Freilichtmuseums (257) in Stockholm, und hier in Kimberley hat man in der „Old-Town“ in der Stadt noch vorhandene historische Gebäude aus der Zeit des Diamantenrausches gesammelt und wieder aufgebaut. Beeindruckend ist, daß auch Inneneinrichtungen weitestgehend erhalten sind. Exzellent und informativ ist das angrenzende „Kimberley Mine Museum“, das nahezu alle Themenbereiche zum Themenkomplex „Diamanten“ (258) ausführlich behandelt, darunter Aspekte der Geologie, der Kulturgeschichte sowie der jüngeren Geschichte, hier im Rahmen des Zeitalters des Imperialismus, dessen Bestandteil der „Scramble for Afrika“ war.
In diesem Rahmen spielt Cecil John Rhodes (1859-1902) eine mehr als herausragende Rolle. Rhodes errichtete hier ein Diamantenmonopol, um damit sein geopolitisches Projekt eines Britischen Imperiums in Afrika „vom Kap bis Kairo“ zu realisieren, dessen Bestandteil die Kap-Kairo-Eisenbahnlinie (259) war. Im Museum wird seine welthistorische Rolle und Bedeutung folgendermaßen dargestellt: „Cecil John Rhodes was a statesman and empire builder who had the greatest influence of any single person in the history of the african continent.“ Rhodes hat systematisch die Claims der Diamanten-Mine in Kimberley aufgekauft, finanziert von der Bank der Rothschilds (260) in London, um auf dieser Grundlage seine geopolitischen und imperialen Pläne eines Britischen Empires „vom Kap bis Kairo“ umzusetzen. Auch zu diesem Thema bietet das Kimberley Mine Museum detailliertes und umfangreiches Material.
Diesen Plänen eines Britischen Empires „vom Kap bis Kairo“ waren u.a. im Weg die von den Buren gegründeten Republiken „Südafrikanische Republik“ (Transvaal), „Oranje-Freistaat“ und „Republik Natalia“, und zu deren Unterwerfung und Eingliederung in das Britische Empire hat dieses Kriege geführt, die als „Burenkriege“ bezeichnet werden. Unter diesen Burenkriegen ragt aufgrund seiner geopolitischen Bedeutung sowie der dort angewandten neuartigen Methoden der Kriegsführung, bei denen die Zivilbevölkerung umfangreich im Zuge einer Strategie der „Verbrannten Erde“ („Scorched Earth“) zum militärischen Ziel wurde, der Zweite Burenkrieg 1899-1902 (Anglo-Boer War, auch: Südafrikanischer Krieg) heraus, der Hauptthema meines nun nachfolgenden Besuchs der Stadt Bloemfontein war. Der Zweite Burenkrieg wurde von Großbritannien geführt, um die diamant- und goldreichen Burenrepubliken in das britische Empire eingliedern zu können. Vorausgegangen war dem Zweiten Burenkrieg ein von Cecil John Rhodes geplanter Putschversuch in der Südafrikanischen Republik (Transvaal) vom 29. Dezember 1895 bis zum 2. Januar 1896, der als „Jameson Raid“ bezeichnet wird (261).
Bedauerlicherweise ist das Kimberley Mine Museum eins der vielen Museen, in denen aus unerklärlichen Gründen Lichtmangel herrscht, sodaß viele Fotos nicht gelangen und unscharf wurden. Auf dem Rückweg kam ich an einem im Jahre 1976 errichteten Denkmal vorbei, das an in den Jahren 1899 bis 1902 während des Zweiten Burenkrieges (Anglo-Boer War, auch: Südafrikanischer Krieg) in Konzentrationslagern (Concentration Camps) bei Kimberley verstorbene Personen erinnert.
10. Bloemfontein: Der Zweite Burenkrieg, eine Urkatastrophe des extremen 20. Jahrhunderts
Von Kimberley aus setzte ich meine Reise am 10.12.2025 fort nach Bloemfontein (262), der Hauptstadt der ehemaligen Burenrepublik Oranje-Freistaat, wo ich einen weiteren Zwischenstopp auf meiner Reise zwecks Stadtexkursion und dem Besuch von Museen und Gedenkstätten eingelegte. Die Fahrt erfolgte vom Busbahnhof in Kimberley aus mit einem Kleinbus mit 22 Sitzplätzen, und auch dieser fuhr erst dann ab, als alle Sitzplätze mit Passagieren besetzt waren, was heute allerdings außergewöhnlich lange dauerte, sodaß die Abfahrt mit vierstündiger Verspätung erfolgte. Bei der Fahrt setzt sich die flache Landschaft fort, die schon auf dem Weg von Pretoria nach Kimberley durchfahren wurde. Die Landschaft beiderseits der Straße ist eingezäunt und wird größtenteils landwirtschaftlich genutzt, wobei die landwirtschaftlichen Nutzflächen (LNF) gewaltige Ausmaße haben. Auf den LNF überwiegt Weidewirtschaft mit Rindern. Diese Flächen sind anders als in Namibia üblich weitgehend entbuscht (entkusselt), sodaß hier ausgedehnte monotone Grasflächen dominieren. Zudem gibt es auch Ackerbau, der ebenfalls agrarindustriell auf riesigen LNF erfolgt. Angebaut werden u.a. Mais und Opuntien. Mehrmals führt die Fahrt an gewaltigen agrarindustriellen Siloanlagen vorbei. Der landwirtschaftlich genutzte Boden hat wie überall im südlichen Afrika eine rötliche Farbe. Einige wenige Male waren auf den eingezäunten Flächen Strauße zu sehen; ansonsten fehlen die für Afrika typischen Großtiere vollständig.
Der Stadt Bloemfontein kommt eine herausragende historische und aktuelle Bedeutung zu, denn zum Einen war sie Hauptstadt der Burenrepublik Oranje Freistaat gewesen, und zudem ist sie heute neben Kapstadt und Pretoria eine der drei Hauptstädte Südafrikas. Aufgrund dessen gibt es in Bloemfontein zahlreiche historische Gebäude, Museen und Sehenswürdigkeiten zu sehen. Auch hier ging ich im Rahmen meiner Stadtexkursionen auf historische Spurensuche. Es gilt, historische Forschung an den geografischen Originalschauplätzen historischer Ereignisse zu betreiben.
Meine Stadtexkursion in Bloemfontein begann ich im Stadtzentrum am Hoffman Square. Dieser große Platz ist von mehreren großen Gebäuden umgeben, darunter einem Postamt. Auf dem Platz erinnert ein Denkmal an Kriegstote aus Bloemfontein im Ersten Weltkrieg, „Who died for their Country“. In verschiedenen Städten in Südafrika, darunter Kapstadt und Pretoria, erinnern Denkmäler an die Beteiligung der im Jahre 1910 gegründeten Südafrikanischen Union, einem Dominion des Britischen Empires wie u.a. Kanada, Australien, Neuseeland, am Ersten Weltkrieg. Gemessen an der Präsenz in der öffentlichen Gedenk- und Erinnerungskultur in Südafrika kommt dieser Beteiligung der Südafrikanischen Union am Ersten Weltkrieg als treuer Vasall Großbritanniens der Gehalt eines Gründungsereignisses der Südafrikanischen Union zu.
Vom Hoffman Square setzte ich meine Stadtexkursion nach Westen und im Uhrzeigersinn durch das historische Stadtzentrum fort. Vorbei gelangte ich vorbei am „National Afrikaans Literary Museum“, der City Hall und dem „Fouth Raadsaal“, dem im Jahre 1893 fertig erbauten Parlamentsgebäude der Burenrepublik Oranje Freistaat. Nun erreichte ich den Hertzog Square und besuchte das angrenzende „National Museum“. Dieses große und beeindruckende Museum hat mehrere Abteilungen: Naturgeschichte, Naturkunde, Archäologie, Ethnografie sowie Geschichte der Stadt Bloemfontein. Naturgeschichte und Naturkunde bilden den Schwerpunkt des Museums. Die Ausstellungen sämtlicher Abteilungen sind aufwändig gestaltet mit zahlreichen Diarahmen und Schaukästen – ein klassisches und bewährtes museumspädagogisches Konzept.
Gut konzipierte Museen mit derartigen Schwerpunkten wie hier im National Museum in Bloemfontein sind bedeutend und wichtig, denn sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur allgemeinen öffentlichen Bildung, sie sind geeignet, im Sinne gesellschaftlicher Aufklärung Fehlinformationen und Vorurteile abzubauen und sie vermitteln Grundlagen eines aktuellen wissenschaftlich fundierten Weltbildes. Bestandteil dieses aktuellen wissenschaftlich fundierten Weltbildes ist auch, daß die Menschheit ihren Ursprung in Afrika hat und sich von dort im Zuge eines Migrationsprozesses über nahezu sämtliche Kontinente verbreitet hat; und insbesondere das südliche Afrika wurde in der Neuzeit wieder Ort eines Migrationsprozesses mit Migranten u.a. aus Europa und Süd- und Südost-Asien. Im weiteren Verlauf meiner Stadtexkursion in Bloemfontein gelangte ich vorbei am „First Raadsaal“, dem ältesten erhaltenen Gebäude der Stadt, sowie an der „Old Presidency“, dem im Jahre 1885 errichteten Sitz des Präsidenten des Oranje Freistaates.
Im Zentrum meiner Stadtexkursionen in Bloemfontein stand am 11.12.2025 der Besuch der Gedenkstätte und Museum „National Woman‘s Memorial and War Museum of the Boer Republics“ (263). Dorthin gelangte ich vom Hoffman-Square aus, wobei ich der Kerk Street (Church Street) aus dem Stadtzentrum hinaus nach Südwesten folgte. Diese Straße ist mittlerweile wie viele Straßen in Südafrika umbenannt worden. Berlin ist ein Beispiel für eine Stadt, die in ihrer jüngeren Geschichte wiederholt von Straßenumbenennungen betroffen war, und meines Erachtens sollten Straßen grundsätzlich nur nach geografischen Bezeichnungen benannt werden, damit diese nicht immer wieder Gegenstand geschichtspolitischer Auseinandersetzungen werden. Auf dem Weg zum Museum passierte ich ein ausgedehntes Gewerbegebiet, in dem sich insbesondere Autohändler angesiedelt haben.
Gegenüber dem „Old Fort“ und einem dort benachbarten „Military Museum“ traf ich auf einen alten Friedhof mit dem Namen „Begraafplaas – President Brand Chemetry“. Zwischen diversen Grabsteinen befinden sich hier zwei unterschiedliche Monumente: Zum Einen ein Monument des britischen Empires „In Memory of the Members oft he British and Colonial Forces who lost their Lives during the Anglo-Boer War“. Zahlreiche Namen sind aufgeführt. Dieses Monument entspricht in seiner Gestaltung nicht gänzlich den einheitlichen Standards der British Commonwealth War Graves Commission für Militärfriedhöfe, möglicherweise weil dieses Denkmal zu einem frühen Zeitpunkt errichtet wurde. Das zweite Monument, das im Jahre 1959 errichtet worden ist, erinnert an die Opfer eines Konzentrationslagers (Concentration Camp) bei Bloemfontein in den Jahren 1899 bis 1902, und auch hier sind zahlreiche Namen aufgeführt.
Die Gedenkstätte und Museum „National Woman‘s Memorial and War Museum of the Boer Republics“ liegt außerhalb des Stadtgebietes von Bloemfontein und ist ca. drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Thema der Gedenkstätte und Museum „National Woman‘s Memorial and War Museum of the Boer Republics“ ist der Zweite Burenkrieg (Anglo-Boer War, auch: Südafrikanischer Krieg) in den Jahren 1899 bis 1902. Es gibt hier einen „Garden of Rememberance“, in dem auf zahlreichen Tafeln die Namen von 35.000 Personen, insbesondere Frauen und Kinder, aufgeführt sind, die in den Jahren 1899 bis 1902 in Internierungslagern, den „Concentration Camps“ aufgrund der Haftumstände verstorben sind. Zentrum der Anlage bildet das „Womans Memorial“ mit einem 36,5 Meter hohen Obelisken, das im Jahre 1913 errichtet worden war. Mein besonderes Interesse gilt dem „Anglo-Boereoorlog-Museum“ (Anglo-Boer War Museum). Das in mehrere Säle thematisch untergliederte Museum erweist sich als überaus materialreich und informativ, und es bietet sicherlich die weltweit umfassendsten und umfangreichsten bestehenden Darstellungen und Sammlungen zum Thema des Zweiten Burenkrieges, der in seinen unterschiedlichen Aspekten beleuchtet und ausgeleuchtet wird.
In Europa nehmen wir den Zweiten Burenkrieg kaum wahr, da er weit entfernt an einer kolonialen Periferie stattfand. Doch der Zweite Burenkrieg ragt in mehrfacher Hinsicht aus dem damaligen Zeitgeschehen und Weltgeschehen am Übergang vom 19. Jahrhundert zum 20. Jahrhundert heraus, und m.E. ist er ein markanter Teil des Übergangs und Wechsels vom weitgehend friedlichen „langen“ 19. Jahrhundert zum „kurzen“ und „extremen“ 20. Jahrhundert (264). Mit dem Zweiten Burenkrieg kündigt sich das extreme 20. Jahrhundert an, dessen Bestandteil er ist.
Der Zweite Burenkrieg ist zudem ein Bestandteil des geopolitischen „Scramble for Afrika“ im Zeitalter des Imperialismus, und in diesem „Scramble for Afrika“ war das Britische Empire, die damals führende Weltmacht, am erfolgreichsten. Um die Burenrepubliken Oranje-Freistaat und die Südafrikanische Republik (Transvaal) zu erobern und dem Britischen Empire in Afrika „von Kapstadt bis Kairo“ einzugliedern, setzte das Britische Empire eine gewaltige militärische Übermacht ein von rund 450.000 Soldaten. Dennoch gelang es den Buren, sich einen längeren Zeitraum militärisch zu behaupten.
Aufgrund dessen wandte das Britische Empire und die unter dem Befehl des Oberbefehlshabers der Britischen Armee, Horatio Herbert Kitchener, 1. Earl Kitchener(1850–1916) stehende britische Armee in Südafrika verschiedene Methoden an, die sich insbesondere gegen die Zivilbevölkerung und deren Lebensgrundlagen richteten, wobei die Zivilbevölkerung zum militärischen Ziel und zum Kriegsopfer wurde. Zudem setzt das Britische Empire in diesem Krieg sein überlegenes Potential als führende Industriemacht ein. Aufgrund dessen kann der Zweite Burenkrieg als ein Totaler Industrieller Krieg bezeichnet werden, eine radikalisierte Form der Kriegsführung im Zeitalter der industriellen Moderne, die insbesondere das extreme 20. Jahrhundert und die beiden Weltkriege prägte, wobei die Kriegsgegner ihr gesamtes Potential als Industriemacht möglichst rücksichtslos und hemmungslos einsetzen, und derjenige den militärischen Sieg erzielt, der den Zugriff auf die größere Rohstoffbasis erlangen kann, die größere Industrieproduktion hat und auf dieser Grundlage das größere militärtechnische Arsenal aufbieten kann (265).
Kirchner wandte eine Strategie der „Verbrannten Erde“ („Scorched Earth“) an, wobei mehr als 30.000 Farmen, 40 Ortschaften und die Ernte zerstört wurden. Am bekanntesten sind die auf seinen Befehl hin eingerichteten „Concentration Camps“, Internierungslagern, in denen große Teile der Zivilbevölkerung, insbesondere Frauen und Kinder eingesperrt und festgehalten wurden. Aufgrund der Haftbedingungen war die Sterblichkeit in diesen Lagern sehr groß. Die Einrichtung und der Betrieb dieser Lager war eine humanitäre Katastrophe.
Im Zeitraum vom 1899 bis 1902 waren in diesen Concentration Camps, die insbesondere entlang von Eisenbahnlinien angelegt worden waren, insgesamt rund 350.000 Zivilpersonen interniert, dies ist 28 % der damaligen Bevölkerung der beiden Burenrepubliken Oranje-Freistaat und Südafrikanische Republik (Transvaal). Von diesen Internierten verstarben zwischen 50.000 und 60.000 Personen infolge der Haftbedingungen.
Unter den in den Concentration Camps lnternierten waren nicht nur Buren, wie es im Allgemeinen dargestellt wird, sondern zudem zu etwa gleichen Anteilen Schwarz-Afrikaner, was im Museum detailliert ausgeführt wird. So gab es 47 Concentration Camps für Buren sowie 65 Concentration Camps für Schwarz-Afrikaner. Von den rund 150.000 internierten Buren verstarben 26.379, und von den rund 140.000 internieren Schwarz-Afrikanern starben etwa 24.000. Im Museum wird dargestellt, daß die Haftbedingungen der Schwarz-Afrikaner erheblich schlechter waren, als die der internierten Buren, was aus den o.g. Zahlen allerdings nicht hervorgeht.
Die Totale Institution des Internierungslagers (266) entstand am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert. Die Totale Institution des Lagers ist in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen die Totale Institution zur zweckrationalen Verwaltung, Überwachung, Kontrolle und Zurichtung von Menschenmassen, sie ist eine Erfindung des Zeitalters der Moderne, und sie ist ein Instrument der Industriegesellschaft. Seinen Ursprung hat das Internierungslager in den Kolonien, wo es als Repressionsinstrument genutzt wurde. Im Ersten Weltkrieg wurden die zuvor diskreditierten Internierungslager der Kolonien erstmals in Europa eingesetzt. Mit dem Ersten Weltkrieg beginnt die Anwendung kolonialer Unterdrückungsmethoden in Europa selber, und Europäer werden nun Gegenstand kolonialer Unterdrückungsmethoden. „Der Erste Weltkrieg war ein wichtiges Laboratorium für das, was kommen sollte“, erklärt der Historiker Karl Schlögel in seinem Text:“ Bugwelle des Krieges“: „Hier wurden die Methoden und Praktiken des totalen Krieges erstmals in großem Stil erprobt. (…) Hier wurden Praktiken vervollkommnet, die man zuvor schon an der Peripherie des Imperialismus, in den Kolonien, erprobt hatte – vom Konzentrationslager über Grenzziehung mit dem Rasiermesser bis zur lässigen Routine der Massenexekution; der Rassismus wanderte, wie Hannah Arendt gezeigt hatte, von der Peripherie ins Mutterland zurück“ (267).
Die Totale Institution des Lagers als moderne Form terroristischen Zwangs gegen große Menschengruppen durchzieht und prägt die Geschichte des 20. Jahrhunderts, und sie ist eins der wesentlichen und charakteristischen Elemente, die das 20. Jahrhundert zu einem extremen Jahrhundert machen. Die Totale Institution des Lagers entstand am Vorabend des 20. Jahrhunderts, und seine Laufbahn ist noch nicht zuende, und es liefert ein Beispiel, daß „die Moderne gerade in ihrer Normalität Ziehvater der Exzesse dieses Jahrhunderts ist“, wie der Gesellschaftswissenschaftler Gerhard Armanski in seinem Buch: „Maschinen des Terrors. Das Lager (KZ und GULAG) in der Moderne“ analysiert (268).
Im Anglo-Boereoorlog-Museum wird zudem dargestellt, daß der Anglo-Boer War, der Zweite Burenkrieg, einen internationalen Charakter hatte, denn zum Einen beteiligten sich auf Seite der Buren zahlreiche Freiwillige aus unterschiedlichen Ländern, zum Anderen hatte das Britische Imperium Soldaten aus verschiedenen seiner Überseeterritorien aufgeboten, darunter Kanada, Australien, Neuseeland, u.a.. Als treue Vasallen des Königreichs Großbritannien beteiligten sich diese Dominions an jedem imperialen Krieg des Britischen Empires wie zu Zeiten Wilhelm des Eroberers, obwohl diese Kriege Großbritanniens die Dominions und deren Bevölkerung nichts angingen.
Geführt wurden diese Kriege auf Veranlassung der herrschenden Eliten und deren Interessen (269). Insbesondere der Zweite Burenkrieg kann dafür als Beispiel aufgeführt werden. Insbesondere war es das Gold der Minen bei Johannesburg und die Diamanten von Kimberley, die die herrschenden Eliten Großbritanniens in Besitz nehmen und kontrollieren wollten, um damit ihre imperialen Pläne eines Britischen Empires in Afrika „vom Kap bis Kairo“ zu finanzieren und zu fördern. In den Kriegen Großbritanniens totschießen lassen mußten sich hingegen als Soldaten die Angehörigen der Unterschichten und die Dummen, die nichts durchblicken, und daran hat sich bis heute nichts geändert.
Der Zweite Burenkrieg ist der mit Abstand größte Krieg, den es jemals im südlichen Afrika gegeben hat, und er prägt dort nachhaltig bis heute die Geschichte und die Gesellschaft.
In Europa nehmen wir den Zweiten Burenkrieg kaum wahr, da er weit entfernt an einer kolonialen Periferie stattfand. Doch der Zweite Burenkrieg ragt in mehrfacher Hinsicht aus dem damaligen Zeitgeschehen und Weltgeschehen am Übergang vom 19. Jahrhundert zum 20. Jahrhundert heraus, und meines Erachtens ist er ein herausragender und markanter Teil des Übergangs und Wechsels vom weitgehend friedlichen „langen“ 19. Jahrhundert zum „kurzen“ und „extremen“ 20. Jahrhundert (270). Mit dem Zweiten Burenkrieg kündigt sich das extreme 20. Jahrhundert an, dessen Bestandteil er ist. Der Zweite Burenkrieg ist zudem ein Bestandteil des geopolitischen „Wettlaufs um Afrika“ („Scramble for Afrika“) im Zeitalter des Imperialismus, und in diesem „Wettlauf um Afrika“ war das Britische Empire, die damals führende Weltmacht, als geopolitischer Akteur am erfolgreichsten. Das Zeitalter des Imperialismus, dessen herausragender Bestandteil der geopolitische „Wettlauf um Afrika“ war, kulminiert in zwei Weltkriegen, in denen der geopolitische „Wettlauf um Afrika“ zu einem geopolitischen „Wettlauf um Europa“ geworden ist. Daß der geopolitische „Wettlauf um Afrika“ zu einem geopolitischen „Wettlauf um Europa“ geworden ist, der den geopolitischen „Wettlauf um Afrika“ ablöst, verdeutlichen die Kriegsziele der am Ersten Weltkrieg beteiligten Akteure (271).
In diesem Rahmen ist der Zweite Burenkrieg der erste im Zeitalter des Imperialismus geführte koloniale Eroberungskrieg, der gegen Staaten von Europäern geführt wurde. Mit dem Zweiten Burenkrieg wird der „Wettlauf um Afrika“ zu einem „Wettlauf um Europa“, dessen erster Höhepunkt der Erste Weltkrieg ist, der als „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts gilt. Mit dem Abessinienkrieg des faschistischen Italiens gegen das Kaiserreich Äthiopien, einem Mitglied des Völkerbunds, vom 03.10.1935 bis zum 27.11.1941, findet der geopolitische „Wettlauf um Afrika“ seine Fortsetzung, und er leitet den Zweiten Weltkrieg als eine Fortsetzung des geopolitischen „Wettlaufs um Europa“ ein, der im Ersten Weltkrieg zu einem ersten Höhepunkt gelangt war, wobei im Zweiten Weltkrieg Methoden der Kriegsführung weiter radikalisiert werden, die erstmals im Zweiten Burenkrieg und dann im Abessinienkrieg eingeführt und angewandt worden waren. Meines Erachtens beginnt mit dem Abessinienkrieg der Zweite Weltkrieg als einer historischen Epoche (272).
11. Durch das Hochland von Lesotho und über die Drakensberge
Von Busbahnhof in Bloemfontein reiste ich am 12.12.2025 mit einem Bus mit 22 Sitzplätzen weiter zur Stadt Maseru, der Hauptstadt von Lesotho (273), einem kleinen Land in einer Gebirgslandschaft. Die Fahrt dorthin verlief über eine Distanz von ca. 140 Kilometern durch eine überwiegend landwirtschaftlich genutzte Agrarlandschaft. Zuerst überwiegt Weidewirtschaft mit Rinderhaltung; auf dem zweiten Teil der Strecke kommt Ackerbau hinzu, bei dem Getreideanbau überwiegt.
Auffällig sind hier graue Böden, wohingegen ansonsten im südlichen Afrika rötliche Böden vorherrschen. Bodenbildung ist vom jeweiligen Klima abhängig, sodaß sich in verschiedenen Klimazonen unter unterschiedlichen klimatischen Bedingungen und verschiedenen Verwitterungsbedingungen (274) in Wechselwirkung mit der jeweiligen Vegetation unterschiedliche Typen von Böden bilden (275). Produkt des Verwitterungsprozesses sind Tonminerale (276). Die Art und der Anteil der Tonminerale in Böden bestimmt maßgeblich deren Fruchtbarkeit. Böden von rötlicher Farbe entstehen unter tropischen Verhältnissen. Die Gesteine an der Erdoberfläche werden unter dem Einfluss der hohen Temperaturen und Niederschläge der Tropen tiefgründig zersetzt, wobei die in den Ausgangsgesteinen auftretenden Minerale weitgehend gelöst und Sande heraus gespült werden. Bei dieser chemischen Verwitterung wird ein hoher Anteil der leichter löslichen Elemente im durchsickernden Niederschlagswasser fortgeführt, wodurch es zu einer starken Anreicherung der schwerer löslichen Elemente Eisen und Aluminium kommt (Ferralitisierung), die den Böden in den Tropen eine rötliche Farbe verleihen.
In der Nähe der Stadt Maseru wird die Landschaft bergig. Kurz vor Erreichen der Stadt Maseru wurde die Grenze zwischen Südafrika und Lesotho beim Grenzübergang Maseru Bridge erreicht, vor dem die Busfahrt endete. Die Passagiere überquerten nun die Grenze zu Fuß, wobei die Grenzformalitäten auf beiden Seiten zügig erfolgten. Die Reisepässe wurden jeweils elektronisch eingelesen und gestempelt. Nach Passieren der Grenze erfolgte die Weiterfahrt ins Stadtzentrum von Maseru per Taxi. Durch das Stadtzentrum von Maseru hindurch verläuft die zentrale Straße „Kingsway“, die sich zur Orientierung bei einer Stadtexkursion anbietet.
Maseru ist ein geeigneter Ausgangspunkt für Reisen in das Bergland von Lesotho. In meinem Reiseführer werden mehrere Tourenvorschläge vorgestellt, darunter zum Ort Semonkong im Südwesten, wo man die höchsten Wasserfälle im Süden Afrikas mit fast 200 Meter Fallhöhe besichtigen kann. Ein weiterer Tourenvorschlag führt als Rundtour vorbei am Katse-Staudamm, einem zentralen Bestandteil des Lesotho Highlands Water Projekts (277). Für derartige, zweifellos beeindruckende Touren fehlte mir nun am Ende meiner zweimonatigen Rundreise durch Teile des südlichen Afrikas allerdings die Zeit.
Gefahren bin ich mit Kleinbussen am 14.12.2025 eine Strecke durch den Norden von Lesotho, die als „Roof of Africa Road“ bezeichnet wird und wobei der Gebirgszug der Drakensberge (278) überquert wird. Bis zum Ort Butha-Buthe ist das Gelände noch zu großen Teilen eben, hier wird kleinbäuerliche Subsistenz-Landwirtschaft (279) betrieben, oft auf Feldbau-Terrassen in Hanglagen. Es ist erkennbar, daß dieser Terrassenfeldbau früher einen größeren Umfang hatte und Terrassen aufgegeben wurden und jetzt verfallen.
Terrassenfeldbau ist Ausdruck einer auf eine symbiotische (280) Beziehung zur Natur ausgerichteten Landbewirtschaftung und Ökonomie. Werden Terrassenanlagen gepflegt, findet dort keine Bodenerosion statt, vielmehr ist die Bodenbildungsbilanz positiv, wie unter natürlicher Waldbedeckung. Terrassenfeldbau ist ein nahezu weltweit anzutreffender Bestandteil traditioneller Landbewirtschaftung, doch ist dieser fast überall rückläufig, und die Terrassenanlagen verfallen, wenn traditionelle Landbewirtschaftungsformen aufgegeben werden und die Terrassenanlagen nicht mehr gepflegt werden.
Insbesondere wurde traditionelle Landbewirtschaftung und der Terrassenfeldbau durch die kolonialzeitliche Ausweitung der Plantagenökonomie verdrängt, die überwiegend Sklaven als Arbeitskräfte einsetzte, und sie werden heute weiter verdrängt durch die Ausweitung agrarindustrieller Landbewirtschaftungsformen in Großbetrieben, die auf riesigen Flächen wirtschaften und die die Agrarlandschaften in gleichförmige und sterile Monokulturen umgestalten. Sowohl die Plantagenökonomie als auch die heutigen agrarindustriellen Landbewirtschaftungsformen sind auf kurzfristige Ertragsmaximierung ausgerichtet, ohne daß eine langfristig nachhaltige Landnutzung angestrebt wird.
Folge ist die Zerstörung des Bodens durch Bodenerosion (281) und Bodendegradation (282). Jährlich gehen infolge dieser zerstörerischen Landbewirtschaftungsmethoden ca. 24 Millionen Tonnen Boden verloren, sodaß weltweit die landwirtschaftlich nutzbare Fläche permanent abnimmt, während gleichzeitig die Weltbevölkerung rasant weiter zunimmt. Eine weitere Folge dieser zerstörerischen Landbewirtschaftungsmethoden ist die Verdrängung der Menschen aus dem ländlichen Raum, die sich nun in den Slums der anwachsenden Megacitys mit 10 bis 50 Millionen Einwohnern wiederfinden, und in diesen Megacitys als den Abschieberäumen und Verwahranstalten der globalen Überschußbevölkerung, in denen der permanente ökologische, soziale und gesundheitliche Ausnahmezustand herrscht, wird schon in wenigen Jahrzehnten mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung leben.
Die kleinbäuerliche Subsistenz-Landwirtschaft in Lesotho kontrastiert mit den riesigen agrarindustriellen Farmen in den zuvor von mir durchreisten ehemaligen Burenrepubliken Oranje-Freistaat und Südafrikanische Republik (Transvaal), und derartige agrarindustrielle Großbetriebe dominieren den größten Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Südafrika und Namibia. Dies verweist auf erhebliche Unterschiede sowohl in der Agrarverfassung, als auch in der Agrargeschichte des Ländlichen Raumes zwischen einerseits Lesotho und andererseits Südafrika und Namibia.
Südwestlich von Butha-Buthe beginnt das Hochgebirge, und die Straße steigt steil an. Im Folgenden wurden mehrere Pässe überquert, der Moteng Paß (2820 m), der Tlaeeng Paß (3215 m) und der Kotisephola Paß (3240 m), bevor der Sani Paß (2874 m) (283) erreicht wurde, der die Grenze zwischen den Staaten Lesotho und Südafrika bildet. Nach Angaben meines Reiseführers kann man vom Sani Paß (2874 m) aus im Rahmen einer Tagestour den Berg Thanana Ntlenyana (3482 m) ersteigern, der die höchste Erhebung im südlichen Afrika ist. Am frühen Morgen des 15.12.2025 betrug die Temperatur am Sani Paß + 5 °C, was die kälteste von mir während meiner Reise durch das südliche Afrika gemessene Temperatur ist.
Mich überrascht, daß in diesem Hochland Wald nahezu vollständig fehlt. Die klimatische Waldgrenze (284) müßte dort oberhalb dieser Pässe liegen, die sich auf einer Höhe um 3000 Metern befinden. Ich vermute, daß das gesamte Hochland von Lesotho und die Drakensberge zum Zweck der Ausweitung der Almwirtschaft (285) nahezu vollständig entwaldet wurde. Dieser Befund setzt sich im gesamten Bergland südöstlich der Drakensberge in den Provinzen Kwazulu-Natal und Eastern Cape fort. Das gesamte Bergland wird überwiegend als Weideland genutzt. Erkennbar sind Erosionsschäden, und zweifellos sind die Folgen derart großflächiger Entwaldung sowohl für das Klima der Region als auch für den Wasserhaushalt erheblich. Vegetation, Klima und Boden werden allerdings nur von Geografen in einem Zusammenhang betrachtet und analysiert, ansonsten dominieren reduktionistische Sichtweisen.
Meine Fahrt durch das Hochland von Lesotho auf der „Roof of Africa Road“ mit Kleinbussen endete kurz vor dem Sani-Paß (2874 m) auf dem Gebirgszug der Drakensberge. Hier befindet sich die Grenze zwischen Lesotho und Südafrika. An der am Sani-Paß gelegenen Grenzstation von Lesotho endet die asphaltierte Landstraße. Am Morgen des 15.12.2025 wurde ich bei Vorlage meines Reisepasses an der Grenzstation von Lesotho gefragt, ob ich Ein- oder Ausreisen möchte. Ich wählte die Ausreise und erhielt den entsprechenden Ausreisestempel in meinen Reisepaß. Hinter der Grenzstation von Lesotho fällt nach Südosten das Gelände steil ab. Den steilen Abhang am Südostrand der Drakensberge hinab windet sich ein steiniger Schotterweg, der nur von Geländefahrzeugen befahren werden kann. Öffentliche Verkehrsmittel verkehren hier nicht. Erst unten am Gebirgsfuß, in mehreren Kilometern Entfernung, befindet sich die Grenzstation von Südafrika, ab der wieder eine asphaltierte Straße beginnt. Faktisch gibt es hier keine Grenzlinie (286), wie es bei modernen Territorialstaaten (287) seit der frühen Neuzeit üblich ist, sondern einen Grenzraum in Form eines Niemandslandes (terra nullius) (288). Mein Weg hinab zur Grenzstation von Südafrika führte durch eine spektakuläre Berglandschaft. Per Autostopp gelangte ich von dort zur nächsten Stadt Underberg, ab wo wieder Busse verkehren.
12. Entlang der Küste des Indischen Ozeans zurück nach Kapstadt
Vom Busbahnhof der Stadt Underberg setzte ich meine Reise mit einem Kleinbus durch eine grüne Berglandschaft zur Stadt Pietermaritzburg fort. Die Stadt Pietermaritzburg war die Hauptstadt der Burenrepublik „Republik Natalia“ (289) gewesen, die im Jahre 1843 vom Britischen Empire erobert und annektiert worden war. Von Pietermaritzburg führt eine gut ausgebaute Autobahn zur Hafenstadt Durban (290). Bei Durban erreichte ich die Küste des Indischen Ozeans, der ich nun im weiteren Verlauf meiner Reise mit weiteren Aufenthalten in den Städten East London, Port Elizabeth und Mossel Bay zurück nach Kapstadt folgte. Insbesondere der Küstenabschnitt zwischen Port Elizabeth und Kapstadt wird als „Garden Route“ bezeichnet, und er ist bei Touristen beliebt.
Durban ist heute mit rund vier Millionen Einwohnern nach Johannesburg und Kapstadt die drittgrößte Stadt in Südafrika, und ebenso wie Johannesburg und Kapstadt wächst Durban rasant an. Durban hat den größten Hafen Afrikas. Im Rahmen meiner Stadtexkursion am 16.12.2025 gelangte ich in Durban u.a. ins historische Stadtzentrum bei der City Hall, zum südlich angrenzenden Hafengelände, das allerdings vollständig eingezäunt ist, und östlich davon zur Küste des Indischen Ozeans. Das KwaMuhle Museum, das u.a. das Zeitalter der Rassentrennung in Südafrika zum Thema hat, das daher auch als „Apartheid-Museum“ bekannt ist, und das ich besuchen wollte, hatte allerdings aufgrund eines Feiertages geschlossen.
Von Durban fuhr ich am 17.12.2025 weiter zur Stadt East London (291). Während der Busfahrt gibt es insgesamt zwei Pausen bei Kokstad und bei Umtata/Mthatha. Die Fahrt verlief durch eine grüne Berglandschaft am Rand der Drakensberge, die reichliche Niederschläge erhält. Diese Berglandschaft wird für Land- und Forstwirtschaft genutzt, und die ursprüngliche natürliche Vegetation fehlt nahezu vollständig. Es gibt Weideland für Rinder, zudem Ackerbau. Auch gibt es ausgedehnte forstindustrielle Nutzholzplantagen mit Monokulturen von in Reihen gepflanztem Eukalyptus und Kiefern. Areale mit der ursprünglichen (potentiellen) natürlichen Vegetation fehlen auf der durchfahrenen Strecke vollständig. Insbesondere um Weideflächen für die Almwirtschaft auszuweiten, sind große Teile der Berglandschaft nahezu vollständig entwaldet worden, sodaß große Teile der Berglandschaft durch ausgedehnte Grasflächen geprägt sind. Oft sind diese von Erosionsrinnen (292) durchzogen, sodaß aufgrund der großflächigen Entwaldung Bodenzerstörung und Bodenverlust ein erhebliches Problem bilden. Siedlungen, oft Streusiedlungen im Ländlichen Raum, nehmen in der durchfahrenen Berglandschaft von Nordosten nach Südwesten zu.
Während meiner Stadtexkursion in East London am 18.12.2025 besuchte ich das „East London Museum“ (293). Dieses exzellente Museum ist zweifellos eins der besten Museen im südlichen Afrika. Die umfangreichen Sammlungen dieses Museums gliedern sich in drei Abteilungen, eine naturkundliche, eine kultur- und siedlungsgeschichtliche, und eine Abteilung zur Seefahrtgeschichte (294), die mich in besonderem Maße faszinierte und beeindruckte. Schwerpunkt dieser Abteilung für Seefahrtgeschichte ist die Exploration und Etablierung der Weltseefahrt- und Welthandelsroute zwischen Europa und dem südlichen und südöstlichen Asien durch Seefahrer aus Portugal am Beginn der frühen Neuzeit. Diese Überseefahrten von Seefahrern aus Portugal erweiterten erheblich die Weltkenntnis und Weltsicht im damaligen Europa am Übergang von Mittelalter zur frühen Neuzeit, die im Mittelalter erheblich geringer gewesen war, als zuvor in der Antike. Im Museum ausgestellt sind u.a. mehrere Kanonen portugiesischer Schiffe, die im Indischen Ozean bei East London gefunden worden sind. Dieses Thema der Exploration und Etablierung der Weltseefahrt- und Welthandelsroute zwischen Europa und dem südlichen und südöstlichen Asien durch Seefahrer aus Portugal am Beginn der frühen Neuzeit ist im Maritime Museum in der Stadt Mossel Bay, das ich im weiteren Verlauf meiner Reise besucht habe, ein noch umfangreicheres Thema. Des Weiteren gibt es im East London Museum Ausstellungsbereiche und Exponate, die einmalig sind und Alleinstellungsmerkmal haben, wie u.a. eine Ausstellung zum Thema Quastenflosser (295).
Meine Reise setzte ich am 19.12.2025 zur Hafenstadt Port Elizabeth (Gqeberha) (296) fort, wobei die Stadt Grahamstown passiert wurde. Die Fahrt verlief durch eine zuerst hügelige, bald bergige Landschaft, die nun erheblich trockener ist und die Bestandteil der Landschaft Karoo (297) ist. Die Vegetation besteht aus niedrigen Büschen sowie verschiedenen Sukkulenten. Teilweise wird diese Landschaft als Viehweide genutzt. In Port Elizabeth gelangte ich bei meiner Stadtexkursion am 20.12.2024 u.a. ins historische Stadtzentrum beim Market Square und der City Hall, und wollte dann die Museen des „Bayworld Museum Complex“ im Südosten von Port Elizabeth besuchen, doch dort mußte ich feststellen, daß dieser Museumskomplex geschlossen ist und die Gebäude zum Teil abgerissen worden sind.
Meine Reise setzte ich am 21.12.2025 zur Stadt Mossel Bay (298) fort. Am Anfang der Busfahrt wurden am Stadtrand von Port Elizabeth ausgedehnte Hüttensiedlungen passiert, und diese Hüttensiedlungen, die Townships genannt werden und die mehrere Quadratkilometer bedecken können, gibt es in der Umgebung vieler Städte in Südafrika und in Namibia. Von Touristen wird dieser Teil der gesellschaftlichen Realitäten in Südafrika und in Namibia im Allgemeinen nicht wahrgenommen. Dann verläuft die Fahrt durch eine Küstenebene, die im Norden durch Berge begrenzt wird. Die Landschaft ist jetzt wieder grüner, es wird hier Landwirtschaft betrieben, hauptsächlich Rinderweiden, weniger Ackerbau, sowie industrielle Forstwirtschaft mit ausgedehnten Kiefern-Monokulturen. Das Wetter wechselte hier mehrmals zwischen dicht bewölkt und wolkenlos sonnig, sodaß offensichtlich jede Bucht an der Küste ihr eigenes Wetter hat, ein Umstand, der insbesondere an Fjordküsten, wie z.B. in Skandinavien stark ausgeprägt ist.
Die Stadt Mossel Bay präsentiert sich als ein Touristenzentrum, und diese Touristen, zu größten Teilen aus Südafrika, sind fast ausschließlich europäischen Ursprungs. Dies kontrastiert mit dem aktuellen Befund in den Zentren der größeren Städte in Südafrika und in Namibia, wo heute, im Gegensatz zum Zeitraum vor 1990, Personen europäischen Ursprungs fast vollständig fehlen. Die Einwohner europäischen Ursprungs, deren Bevölkerungsanteil kontinuierlich abnimmt, haben sich aus den Stadtzentren in Wohnsiedlungen zurück gezogen, die durch aufwändige Sicherheitsregime geschützt werden, wie Mauern und Zäune, darunter elektrische Zäune, und ubiquitäre Wachschutzpräsenz mit Konzepten einer „Armed Response“ sowie „Neigbourhood Watch“. Seit dem Ende der Apartheid haben rund eine Millionen Südafrikaner europäischen Ursprungs Südafrika verlassen.
Im Zentrum meiner Stadtexkursion in Mossel Bay am 22.12.2025 stand der Besuch des „Bartholomeu Dias Museum Complexes“. Zentrum dieses Museumskomplexes bildet das „Maritime Museum“, dessen Thema Seefahrtgeschichte ist mit dem Schwerpunkt der Exploration und Etablierung der Weltseefahrt- und Welthandelsroute zwischen Europa und dem südlichen und südöstlichen Asien durch Seefahrer aus Portugal in der frühen Neuzeit. Der Seefahrer Bartolomeu Dias (299) war im Februar 1488 während der Suche nach einem Seefahrtweg von Europa nach Indien (300) hier in Mossel Bay an Land gegangen, um die Trinkwasservorräte aufzufüllen. Im Zentrum des Maritime Museums befindet sich der Nachbau der Karavelle von Dias.
Ursachen, Motivation und historische Rahmenbedingungen der Exploration und Etablierung der Weltseefahrt- und Welthandelsroute zwischen Europa und dem südlichen und südöstlichen Asien waren schon ausführlich in Kapstadt als Hafenmetropole an der Seefahrtroute zwischen Europa und Indien Thema gewesen, und zuletzt im exzellenten East London Museum. Zweifellos ist das Maritime Museum in Mossel Bay eins der besten und weltgrößten Museen zu diesem Themenkomplex.
Mein anschließender zweiter Besuch der Hafenmetropole Kapstadt nun am Ende meiner zweimonatigen Rundreise durch Teile des südlichen Afrikas während der Weihnachtstage Ende Dezember 2025 fiel mit drei Tagen kürzer aus als mein erster Besuch zu Beginn meiner Reise.
Am 24.12.2025 besuchte ich das östlich des Company’s Garden in Nachbarschaft des South African Museums und der South African National Gallery gelegene „Cape Town Holocaust Centre“. Mit dem South African Jewish Museum und der Große Synagoge bildet das Cape Town Holocaust Centre einen von Mauern und Zäunen umgebenen Gebäudekomplex. Auf der Straßenseite gegenüber dem Eingang zu diesem Gebäudekomplex stand ein paramilitärischer Wachmann mit vollautomatischem Schnellfeuergewehr und kugelsicherer Weste. Im Eingangsbereich ist eine Sicherheitsschleuse zu passieren, wie sie seit den Ereignissen vom 11.09.2001 auf Flughäfen Standard sind. Ich habe in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Museen und Gedenkstädten zu den Themen NS-Herrschaft und Holocaust besucht. Auch hier im Cape Town Holocaust Centre interessiert mich, wie mit dem Thema umgegangen wird, wie es präsentiert wird und wie das museumspädagogische Konzept beschaffen ist. Zuletzt hatte ich an vergleichbaren Einrichtungen zum Thema Holocaust am 12.11.2024 in der Stadt Vilnius die Holocaust-Ausstellung des Staatlichen Jüdischen Museums im sogenannten „Grünen Haus“ besucht und am 29.09.2022 in Paris das Museum „Memorial de la Shoah“, das als das größte Museum zum Thema Holocaust in Europa gilt (301).
Im Cape Town Holocaust Centre wird am Anfang der Ausstellung das Konzept vorgestellt: „Das Cape Town Holocaust Centre hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Bewußtsein für die Folgen von Rassismus, die Gefahren der Gleichgültigkeit und die Übel des Völkermords zu schärfen. Diese Ausstellung erzählt die Geschichte des Holocaust – eines beispiellosen und gut dokumentierten Völkermords. Er bleibt eine tragische Warnung für uns alle.“ Einleitende Themen des Cape Town Holocaust Centre sind Rassismus, Antisemitismus und Apartheid, bevor in der Hauptausstellung die NS-Herrschaft und der Holocaust behandelt werden. Es stellt sich die Frage, warum das Apartheid-Regime, wie es bis zum Jahre 1990 in Südafrika bestand, mit dem NS-Regime verglichen wird, und nicht mit dem Regime der Rassentrennung in den USA, wie es bis zum Jahre 1964 in den USA bestand. Sowohl bezüglich ihrer historischen Genese, als auch ihrer Struktur haben die Regime der Rassentrennung sowohl in Südafrika, als auch in den USA große Gemeinsamkeiten, während hingegen zum NS-Regime in vielerlei Hinsicht große Unterschiede bestehen. Grund für diese Vergleichsauswahl ist offensichtlich die diesbezüglich in den USA betriebene Geschichtspolitik (302), die ein Bestandteil von Identitätspolitik (303) ist.
Seit den 80er Jahren wurde der Holocaust in den USA zum universalisierbaren Bildungsgegenstand unter dem Begriff einer „Holocaust Education“ (304). Innerhalb weniger Jahre entstanden in den USA etwa 30 Holocaust-Museen, und ähnliche Einrichtungen gibt es mittlerweile auch in Argentinien, Kanada, Australien und auch in Südafrika (305). In Südafrika gibt es in Johannesburg ein weiteres „Holocaust & Genocide Center“. Folge dieser Entwicklungen ist sowohl eine „Globalisierung der Holocaust-Erinnerung“, als auch eine „US-Amerikanisierung des Holocausts“ (306). Mittlerweile ist der Holocaust weltweit zum Inbegriff des Massenverbrechens und des Genozids geworden. Bei dieser „Holocaust Education“ steht weniger die Vermittlung von Fakten, Ereignissen, historischen Zusammenhängen und Hintergründen im Mittelpunkt, sowie deren Vermittlung im Rahmen eines elaborierten museumspädagogischen Konzeptes, bei dem dem Publikum auch zu historischen Themen kein vorgefertigtes Geschichtsbild vermittelt wird, sondern vielmehr dieses Publikum angeregt und im Bemühen unterstützt werden soll, sich auch zu komplexen und komplizierten historischen Themen eine eigene, unabhängige Meinung zu bilden, im Sinne von Aufklärung. Vielmehr zielt diese „Holocaust Education“ auf die Erzeugung von Emotionen ab, die sich geschichtspolitisch und identitätspolitisch instrumentalisieren lassen.
Gedenkstätten sind herausragende Orte geschichtspolitischer Maßnahmen, die der nationalen Identitätsbildung und der Legitimation des eigenen Staates und seiner Gesellschaftsordnung dienen. Geschichtspolitik zielt darauf ab, imaginierte Gemeinschaften durch einheitsstiftende historische Narrative, Symbole und Praktiken herzustellen. Im Fall der Holocaust-Gedenkstätten und Museen dienen diese der Festigung der jüdischen Identität. 1990 erbrachte eine Umfrage unter der jüdischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten das Ergebnis, daß das gesellschaftliche Engagement sinkt, die gemischt konfessionellen Ehen steigen, und die jüdische Identität im Schwinden begriffen ist (307). Die US-amerikanischen Juden waren über die Zukunft ihrer jüdischen Gemeinde besorgt und begannen, zahlreiche Bildungsprojekte zu erarbeiten, deren Ziel es war, die jüdische Identität neu aufzubauen, zu erhalten und zu stärken. Die Erinnerung an den Holokaust soll die verschiedenartig konstruierten Diasporaidentitäten der heutigen Juden vereinen, indem sie ihnen eine Plattform anbietet, auf der sich alle Identitäten wiederfinden können (308). In das Projekt der Konstruktion einer jüdischen Identität wurde der Holocaust eingebunden, was zu der Entwicklung einer immer intensiveren Holocaust-Forschung führte. Der Holocaust wurde fortan insbesondere in den USA, Großbritannien, Israel, Polen und Deutschland zu einem herausragenden Gegenstand der Geschichtswissenschaften.
Juden werden nicht geboren, sondern insbesondere durch Indentitätspolitik gemacht. Damit stellt sich die Frage, was eine Person „jüdisch“ macht (309). Im Gegensatz zu anderen Religionen verstehen sich Juden nicht nur als Religions- und Glaubensgemeinschaft (310), sondern zudem als ein (von Gott auserwähltes) Volk. Juden werden jedoch nicht geboren, sondern gemacht, und dies ist eine Frage von Identitätspolitik. Der Ägyptologe und Religionswissenschaftler Jan Assmann erklärt in seinem Buch: „Totale Religion“ die Besonderheiten der jüdischen Identitätskonstruktion: „so schwankt die jüdische Identität zwischen politischer, religiöser und ethnischer Definition. Das ist, soweit ich sehe, ein ziemlich einzigartiger Fall in der Menschheitsgeschichte. Ethnische Identität ist eine Frage der Abstammung (…), politische Identität ist eine Frage von Assoziation und Dissoziation, des Zusammenschlusses und des Ausschlusses, der Gruppenbildung und der Abgrenzung nach außen, und religiöse Identität ist eine Frage des Kultes und der Sitte (…). Das Besondere der jüdischen Situation ist die Verschmelzung dieser drei Identitätskriterien. Die Symbolfigur Abraham steht für die Verschmelzung von religiöser und ethnischer, die Symbolfigur Mose für die Verschmelzung von religiöser und politischer Identität. Durch die mosaische Verschmelzung wird auch die Religion eine Frage von Assoziation und Dissoziation. Dadurch entsteht eine Religion völlig neuen Typs, die dann zum Modell für die neuen Weltreligionen wird. Das charakteristische Kennzeichen dieser neuen Religionsform ist ihr politischer Charakter. (311)“
Der größte Teil der Juden lebt heute in den USA (312) und in Israel, und deren politische Lobbyorganisationen (313), wie z.B. das American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) (314) nehmen einen großen Einfluß auf die Politik der USA, insbesondere die Außenpolitik, aber auch auf weitere Politikfelder wie Geschichtspolitik.
Heute ist Jude zu sein kein unentrinnbares Schicksal. Heute kann jeder eine Zuweisung einer jüdischen Identität, durch wen auch immer, ablehnen und zurückweisen, und sich seine Identität und Persönlichkeit (315) selbst frei gestalten, z.B. in Anlehnung an Ideen der Aufklärung. Für Vertreter und Lobbyisten einer totalen und politischen Religion, die zugleich ein gesellschaftsformendes und staatsgestaltendes machtpolitisches Projekt ist, wie der jüdischen Religion, stellt diese Freiheit der Menschen ein existenzielles Problem dar, und sie suchen Mittel und Wege, um die Menschen weiterhin in geistiger Unfreiheit, Abhängigkeit und Unmündigkeit zu halten und Aufklärung (316) zu verhindern.
Auf Grundlage eines neuen Denkens kann das durch das extreme 20. Jahrhundert unterbrochene Projekt der Aufklärung wieder aufgenommen und nunmehr in einem globalen Rahmen einer friedlichen Weltgesellschaft neu begründet und weiterentwickelt werden. Nach der Unterbrechung durch das extreme 20. Jahrhundert ist eine Wiederaufnahme und Neubegründung des Projekts der Aufklärung angesagt, und auf einem neuen und erweiterten Wissens- und Erkenntnisfundament kann ein neues, zweites und nun globales Zeitalter der Aufklärung begründet werden (317). Ebenso wie im Zeitalter der Aufklärung stellt sich auch heute die Frage: „Wie klärt man Menschen so auf, dass sie aufgeklärt sein wollen?“ (318)
An den beiden Weihnachtstagen nahm ich an zwei von „City Sightseeing“ täglich angebotenen Tagestouren teil, der „Cape Point & Penguins Tour“, einer Tagestour, die das Kap der Guten Hoffnung (319) zum Ziel hat, sowie an der Tagestour „Stellenbosch, Franschhoek & Paarl – 3 Regions Wine Tour“.
Die „Cape Point & Penguins Tour“ startete am 25.12.2025 gegen 9:30 Uhr bei der Bushaltestelle von „City Sightseeing“ bei der Touristeninformation in der Longstreet 81 mit zwei vollbesetzten Doppelstockbussen. Die Fahrt folgte zuerst der Route der von City-Sightseeing-Bussen täglich im Abstand von 20 Minuten befahrenen „Blue Mini Peninsula Tour“ vorbei am Universitätsgelände und dem Botanischen Garten Kirstenbosch, den ich zu Beginn meiner Reise am 31.10.2025 auf diesem Wege besucht hatte. Dann ging die Fahrt zur Küste der False Bay bei den Orten Kalk Bay und Fish Hoek. Das nun durchfahrene Gelände auf der Kap-Halbinsel ist bergig und mit einer nur niedrigen und spärlichen Busch-Vegetation bewachsen, einem Bestandteil der Pflanzengesellschaft des „Fynbos“, dessen Holzgewächse im Botanischen Garten Kirstenbosch auch höhere Waldbestände bilden.
Dieser niedrige Buschwald des „Fynbos“ der Kaphalbinsel erinnert mich an den Buschwald in der Mittelmeerregion, wie er u.a. auf den Inseln Sardinien und Korsika, die ich im Sommer 2025 im Rahmen meiner Fahrradreise in die mittlere Mittelmeerregion kennengelernt hatte, landschaftsprägend ist. Doch anders als in der Kap-Region des südlichen Afrikas ist der Buschwald in der Mittelmeerregion eine Folge mehrtausendjähriger Zerstörung und Degeneration der die Mittelmeerregion ursprünglich bedeckenden Laubmischwälder und der damit verbundenen Zerstörung und Degeneration der Böden in der gesamten Mittelmeerregion (320). Die rezenten Degenerationsformen der ursprünglichen Laubmischwälder werden Macchie (321) genannt; und Garrigue (322) ist der Zustand einer weiter fortgeschrittenen Degeneration, deren Endzustand der nackte Fels der Karstlandschaft (323) ist, die heute insbesondere die einst dicht bewaldeten Gebirgsregionen der Mittelmeerregion prägt. Folge der weitgehenden Entwaldung der gesamten Mittelmeerregion seit der frühesten Antike ist eine Änderung des Klimas der Mittelmeerregion, wobei insbesondere die Sommer heißer und trockener wurden. Die heißen und trockenen Sommer in der Mittelmeerregion erscheinen uns heute als ein natürlicher Bestandteil des mediterranen Klimaraums der Mediterranen Subtropen (324), doch tatsächlich sind diese erst eine Folge jahrtausendelanger Entwaldung und Naturzerstörung und somit Ergebnis anthropogenen Klimawandels. Sowohl der heutige Zustand der Vegetation und der Landschaft, als auch das rezente Klima der Mittelmeerregion erscheint uns heute als schon immer dagewesen, ein auf Unkenntnis und Ignoranz begründetes Phänomen, das der Biologe Jared Diamond in seinem Buch: Kollaps – Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“ als „Landschaftsvergesslichkeit“ bezeichnet (325).
Im Süden der Kap-Halbinsel endet die Straße an einem großen Parkplatz. Nach Südosten steigt hier das Gelände zum im Jahre 1860 erbauten Alten Leuchtturm auf einer Höhe von 250 Meter an. Das eigentliche „Kap der Guten Hoffnung“ befindet sich südwestlich von hier. Zum Alten Leuchtturm führt ein Wanderpfad hinauf, und von dort bietet sich ein Panoramablick über die Kap-Landschaft. Auch führt eine Seilbahn zum Alten Leuchtturm hinauf. Anschließend erfolgte eine Wanderung mit dem Tourguide der heutigen Tuor auf einem Wanderpfad zum „Kap der Guten Hoffnung“. Dann erreichten wir nordwestlich des Kaps die dort zwischenzeitlich hingefahrenen Busse, mit denen nun die Tour fortgesetzt wurde. Der nächste Stopp erfolgte südlich des Ortes Simon’s Town beim Ort Boulders, wo es eine kleine Kolonie des Afrikanischen Pinguins (Brillenpinguin) (Spheniscus demersus) gibt, die hier eine Touristenattraktion ist. Von den einst umfangreichen Beständen dieses Pinguins ist heute nur noch ein kleiner Teil erhalten. Nachfolgend fuhren die Busse zurück nach Kapstadt.
Am 26.12.2025 habe ich an der von „City Sightseeing“ täglich angebotenen Tagestour „Stellenbosch, Franschhoek & Paarl – 3 Regions Wine Tour“ teilgenommen. Meine Motivation meiner Teilnahme an dieser Tour war, daß hierbei die Möglichkeit geboten wurde, das historische Stadtzentrum der Stadt Stellenbosch (326) kennenzulernen, die als die zweitälteste Stadt Südafrikas gilt und die einen historischen Stadtkern mit Gebäuden aus dem Zeitraum der Jahre 1785 bis 1820 hat. Erstes Ziel dieser Tour ist die kleine Stadt Paarl. Diese liegt wie auch die weiteren am heutigen Tage angefahrenen Orte inmitten eines Weinanbaugebietes, das von hohen Bergen umgeben ist. Weinanbau wird hier seit mehr als 400 Jahren betrieben. Die Stadt Paarl ist allerdings kein Besichtigungsziel; es gibt eine Weinprobe auf einer Weinfarm in der Umgebung von Paarl. Im Verlauf der heutigen Tour gibt es zwei weitere Weinproben, die einen großen Teil der Zeit der heutigen Tour vereinnahmen.
Daher wird auch die nächste Stadt Franschhoek lediglich durchfahren. Franchhoek bedeutet „Ecke der Franzosen“, und die Besiedlung des Ortes geht auf das Jahr 1688 zurück, als sich hier Hugenotten (327) angesiedelt hatten, die vor religiöser Verfolgung aus Frankreich geflohen waren. Mit den Hugenotten gelangte der Weinanbau ins südliche Afrika. In Franschhoek gibt es ein „Huguenot Monument“ und ein „Huguenot Memorial Museum“.
Die Stadtexkursion im historischen Stadtzentrum der im Jahre 1679 gegründeten Stadt Stellenbosch fällt mit einer halben Stunde kurz aus. Zahlreiche historische Gebäude im kapholländischen Stil (328) sind in der vergleichsweise kleinen Stadt erhalten und prägen das Stadtbild. Stellenbosch ist eine bedeutende Universitätsstadt.
Am Morgen des 27.12.2025 trat ich am Cape Town International Airport (CPT) meinen Rückflug nach Berlin mit Umsteigen in Paris an. In dem Flughafengebäude gibt es neben diversen Geschäften auch weitere Einrichtungen wie einen Raucherraum und eine Gebetsecke mit Teppichen. Die Flugdistanz nach Paris beträgt ca. 10.000 Kilometer und die Flugzeit ca. 10 Stunden. Beim Flug wurde eine Flughöhe von mehr als 13.000 Metern erreicht bei einer Außentemperatur von -58 °C und einer Fluggeschwindigkeit bis mehr als 900 kmh. Der Flug folgte zuerst dem Verlauf der Südwestküste Afrikas, was sich auf einem Monitor nachverfolgen ließ, und ich versuchte, die überflogene Landschaft auf meiner Landkarte zu finden. Da mein Anschlußflug von Paris nach Berlin kurzfristig verschoben wurde, mußte ich die Nacht vom 27. auf den 28.12.2025 im Flughafengebäude des Flughafens CDG bei Paris verbringen. Die Landschaft außerhalb des Flughafengebäudes war bei einer Temperatur von +4 °C von Hochnebel bedeckt. Am Nachmittag des 28.12.2025 war es bei meiner Ankunft am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) nach knapp zwei Stunden Flug heiter und die Temperatur betrug + 1 °C.
13. Anmerkungen:
1) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Südliches_Afrika
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Afrika
2) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Region
3) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorisierung_(Kognitionswissenschaft)
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie_(Philosophie)
Kategorien sind offene Begriffssysteme zur Strukturierung der erfahrbaren
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erfahrung
Welt.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Welt
Eine jede Kategorienbildung ist eine notwendige Reduktion
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reduktionismus
der in ihrer unendlichen Komplexität und Interdependenz für die Wahrnehmung
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmung
über die menschlichen Sinne und den menschlichen Verstand
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Verstand
nicht in Gänze erfaßbaren, letztlich unendlichen Wirklichkeit
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirklichkeit
der Welt, um diese begreifen
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff
zu können.
Kategorienbildung ist eine Grundlage einer jeden wissenschaftlichen Disziplin, und es stellt sich die Frage, was die Wissenschaftlichkeit einer wissenschaftlichen Kategorienbildung ausmacht: Jede wissenschaftlichen Kategorienbildung in jeder wissenschaftlichen Disziplin muß nach signifikanten, nachvollziehbaren und überzeugend begründeten Kriterien erfolgen.
4) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Klassifizierung
5) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geographischer_Raum
6) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirklichkeit
7) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Welt
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltbild
8) Da die Wirklichkeit vierdimensional ist, wobei die Gegenwart eine Momentaufnahme eines zeitlich-historischen Prozesses ist, müssen die räumlich-geografischen Dimensionen und die zeitlich-historische Dimension zusammengeführt und zusammen betrachtet werden. Dies unterscheidet ein dynamisches Weltbild von einem statischen Weltbild.
Neue Erkenntnisse der Geowissenschaften und Biowissenschaften in den wenigen zurückliegenden Jahrzehnten führten im Rahmen eines Paradigmenwechsels zu einem neuen dynamischen Verständnis globaler geologischer Prozesse, das den Charakter einer wissenschaftlichen Revolution hat, mit der Folge, daß das bisherige statische Weltbild durch ein dynamisches Weltbild abgelöst wurde. Das moderne geodynamisch fundierte evolutions-ökologische Weltbild ist ein junges Produkt einer Synthese interdisziplinärer wissenschaftlicher Erkenntnisse der wenigen zurückliegenden Jahrzehnte, zu dessen Entstehung insbesondere Geowissenschaftler und Biowissenschaftler beigetragen haben. Vgl. hierzu die Kapitel 4,5,6 und 7 meines Textes „Herausforderungen der Digitaltechnischen Revolution“, der auf meiner Internetseite aufgerufen und gelesen werden kann:
https://manfred-suchan.jimdosite.com/technologiepolitik
9) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnisinteresse
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis_und_Interesse
10) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleich_(Philosophie)
Die Methode des Vergleichs ersetzt sowohl in der Geographie als auch in der Geschichtswissenschaft sowie weiteren Geistes- und Gesellschaftswissenschaften die Methode des Experiments in den Naturwissenschaften. In der Geographie wurde die Methode des Vergleichs insbesondere durch Alexander von Humboldt (1769-1859) eingeführt und angewandt.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Humboldt
11) Bei meiner Reise durch Teile des südlichen Afrikas habe ich die folgenden Reiseführer genutzt, die sich als informativ und nützlich erwiesen haben:
Philip Briggs, Ariadne Van Zandbergen: Südafrika, Lesotho und Eswatini. Ostfildern (DuMont Reiseverlag), 7. Auflage 2025 (Stefan Loose Travel Handbücher).
Christine Philipp: Südafrika. Markgröningen (Reise Know-How Verlag), 9. Auflage 2014.
Daniela Schetar, Friedrich Köthe: Namibia. Markgröningen (Reise Know-How Verlag), 12. Auflage 2024.
Livia Pack, Peter Pack: Namibia. Ostfildern (DuMont Reiseverlag), 8. Auflage 2018 (Stefan Loose Travel Handbücher).
Christoph Lübbert: Botswana mit Okawango-Delta. Markgröningen (Reise Know-How Verlag), 7. Auflage 2019/20.
Bedauerlicherweise muß ich feststellen, daß die verschiedenen Reiseführer-Verlage, die vor einigen Jahrzehnten Reiseführer für Reisende produziert haben, die anders reisen wollten als der Mainstream des Massentourismus und der Tourismus-Industrie, darunter insbesondere Rucksack-Reisende, mittlerweile ihre Reiseführer weitgehend an den Mainstream des Massentourismus und der Tourismus-Industrie angepaßt haben und nun zunehmend ein anderes Zielpublikum bedienen, offensichtlich mit dem Ziel, die Auflagen ihrer Reiseführer steigern zu können. Die Tourismus-Industrie ist Bestandteil der Konsumkultur, und sie vermarktet Ablenkungen, Zerstreuungen und seichte Vergnügungen. Insbesondere jüngere Traveller verzichten heute zunehmend gänzlich auf Reiseführer und reisen ausschließlich mithilfe der Informationen, die sie über ihr Smartfon erhalten.
12) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Herodot
Während meiner Reisen suche ich geografische Originalschauplätze historischer Ereignisse auf und zudem besuche dort Museen und Gedenkstätten, um dort historische Forschung an geografischen Originalschauplätzen historischer Ereignisse betreiben zu können. Diese Methode geht auf Herodot von Halikarnassos (ca. 490–425 v. Chr.) zurück, der sie zur Erforschung der Persischen Kriege
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Perserkriege
angewandt hatte. Beim Historiker und Geografen Herodot von Halikarnassos fasziniert mich, daß er seine historischen Forschungen, wie z.B. zu den Persischen Kriegen, auf ein selbst erarbeitetes breites Wissensfundament stellt, das nahezu das gesamte Wissen seines Zeitalters in den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen, wie z.B. Geografie, Völkerkunde, Gesellschaftswissenschaften, Politikwissenschaften, Philosophie u.a.m. umfaßt, sodaß er Geschichtswissenschaft in Form einer Integrationswissenschaft betreibt. Zudem ist er an den Originalschauplätzen historischer Ereignisse herumgereist, hat Zeitzeugen befragt und schriftliche Quellen ausgewertet. Auch der Historiker Thukydides (ca. 460–400 v. Chr.)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Thukydides
hat eine solche Methodik bei seinen historischen Forschungen zum Peleponnesischen Krieg
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Peloponnesischer_Krieg
angewandt, und nach seiner Auffassung macht Geschichte „klug für immer“, denn sie lehrt am Beispiel der Vergangenheit politische Klugheitsregeln für Gegenwart und Zukunft.
In dieser Form gewinnt das Geschichtsbewußtsein
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsbewusstsein
einen großen Erfahrungsraum von historischer Tiefe und geografischer Breite, und es überschreitet die engen Grenzen, in denen Geschichte als Tradition lebendig ist.
13) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Seeweg_nach_Indien
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Indienhandel
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Römisch-indische_Beziehungen
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Seefahrt
14) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Afrikas
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Europäische_Entdeckung_Afrikas
15) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Ägyptens
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Altes_Ägypten
16) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nubien#Geschichte
17) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Äthiopiens
18) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Expansion#Eroberung_Ägyptens
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Arabische_Eroberung_Ägyptens#Invasion_in_Nubien
19) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rucksacktourismus
20) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abenteuerreise#Überlandreisen
21) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abenteuerreise
22) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hippie_trail
23) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erlebnis
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Erlebnispädagogik
24) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erfahrung
25) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis_für_freie_Menschen
26) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung
27) Vgl. Hans Magnus Enzensberger: Eine Theorie des Tourismus. In: Derselbe: Einzelheiten I. Bewußtseins-Industrie. 1962, Frankfurt am Main. S. 179-205.
28) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reisefreiheit
29) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerverständigung
30) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konsumgesellschaft
31) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bologna-Prozess
Mit der technokratischen Bologna-Reform wurde der gesamt Bildungs- und Wissenschaftsbereich im gesamten EUropa ein gleichgeschaltetes Anhängsel des Wirtschaftsprozesses im europäischen Großwirtschaftsraum, der von der Europäischen Union verwaltet wird, und diese technokratische Bologna-Reform ist mit Abstand das herausragendste Beispiel der Regulierungs- und Gleichschaltungswut, von der die Technokraten
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Technokratie
der Europäischen Union angetrieben werden. Die technokratische Bologna-Reform wurde durchgesetzt, ohne daß es irgendwelche Proteste (89)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Studentenprotest
gegeben hat. So hat sich die EU zu einem technokratischen Imperium (90)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltreich
entwickelt, in dem es an innovativen und zukunftsweisenden Konzepten sowie an Partizipation und Demokratie mangelt. Innovative und zukunftsweisende Konzepte sowie Partizipation und Demokratie sind heute in EUropa kein relevantes Thema mehr, denn die EU will sich heute als handlungs-, leistungs- und interventionsfähiger sowie durchsetzungsstarker globaler Akteur im Rahmen der erwarteten zukünftigen geopolitischen (91)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geopolitik
Krisen und Konflikte im Weltsystem präsentieren, um erfolgreich mit anderen Welt- und Supermächten geopolitisch konkurrieren zu können, und diese neuen Krisen und Konflikte im Weltsystem haben schon begonnen, wie wir in mehrfacher Weise feststellen müssen. Im Zuge der seit 1989/90 erfolgenden Neuaufteilung globaler Interessen- und Einflußzonen erweitert sich die EU als imperialer Akteur immer weiter, der Nationalstaat (92)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalstaat
gilt weiterhin als das anzustrebende Ideal der Politik, und immer weniger werden Rücksichten auf Minderheitenrechte (93)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Minderheitenschutz
und Menschenrechte genommen.
32) Vgl.: Hans Magnus Enzensberger: Bewußseins-Industrie. In: Derselbe: Einzelheiten I. Bewußtseins-Industrie. 1962, Frankfurt am Main. S. 7-17.
Hans-Magnus Enzensberger (1929-2022)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Magnus_Enzensberger
zeigt auf, daß in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft die fortschreitende Industrialisierung des Bewußtseins durch die „Bewußtseins-Industrie“ erfolgt. In der fortgeschrittenen Industriegesellschaft werden immer mehr gesellschaftliche Bereiche ökonomischem Kalkül unterworfen, zweckrational zugerichtet, gemäß technischer Rationalität und „instrumenteller Vernunft“ (Max Horkheimer) gleichgeschaltet und industrialisiert.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Instrumentelle_Vernunft
Sowie: Max Horkheimer: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft. 1974, Frankfurt am Main. Die instrumentelle Vernunft und ihre Kritik bildet die analytische Schlüsselkategorie der „Kritischen Theorie“ der vom Sozialphilosophen Max Horkheimer (1895-1973) begründeten „Frankfurter Schule“, die auf Grundlage interdisziplinärer geistes- und gesellschaftswissenschaftlicher Analysen eine Synthese von Gesellschafts- und Kulturkritik leistet.
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Horkheimer#Kritik_der_instrumentellen_Vernunft
Die Kritik der instrumentellen Vernunft ist eine Kritik der Naturbeherrschung, wobei die Beherrschung der Natur in der Beherrschung der inneren und äußeren Natur des Menschen, der Beherrschung der Individuen und der Beherrschung der Gesellschaft ihre Fortsetzung findet, und dieser Gewaltzusammenhang bildet ein transhistorisches Kontinuum.
Nach Hans Magnus Enzensberger ist das gesellschaftliche Ziel der Bewußtseins-Industrie überall dasselbe, „die existierenden Herrschaftsverhältnisse, gleich welcher Art sie sind, zu verewigen. Sie soll Bewußtsein nur induzieren, um es auszubeuten“, und sie beginnt mit der „Elimination von Alternativen (…). Daß dieser Zustand von der Majorität hingenommen und freiwillig ertragen wird, ist heute die wichtigste Leistung der Bewußtsteins-Industrie“. Damit ist die Bewußtseins-Industrie die Schlüsselindustrie des 21. Jahrhunderts. Mit der technokratischen Bologna-Reform erlangt die Bewußtseins-Industrie ihre volle Entfaltung, denn sie bemächtigt sich ihres Kernstücks, dem gesamten Bildungsbereich, der geradezu gleichgeschaltet wird.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichschaltung
33) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrradreise
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Reiserad
Eine gute Planungsgrundlage für Fahrradreisen bieten die folgenden Fahrrad-Reiseführer:
Herbert Lindenberg: Europa per Rad. Markgröningen, 8. Auflage 2022 (Reise Know-How Verlag).
Thomas Schröder, Helmut Hermann: Fahrrad Weltführer. Markgröningen, 4. Auflage 2016 (Reise Know-How Verlag).
Neil Pike, Harriet Pike: Adventure Cycle-Touring Handbook. Worldwide Cycling Route & Planning Guide. Hindhead (Surrey), 3. Auflage 2015 (Trailblater Publications).
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Abenteuerreise
34) Vgl.: https://www.instagram.com/clementgmn_/
35) Vgl.: https://www.youtube.com/@vagabundodelmundo1973
36) Vgl.: https://www.wiebkeluehmann.com/
Sowie: https://www.instagram.com/wiebkelueh/
37) Vgl. Anmerkungen 316, 317 und 318.
38) Der Historiker Eric J. E. Hobsbawm (1917-2012) unterscheidet ein „langes“ 19. Jahrhundert
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/19._Jahrhundert
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Langes_19._Jahrhundert
von einem „kurzen“ und „extremen“ 20. Jahrhundert:
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/20._Jahrhundert
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Kurzes_20._Jahrhundert
Vgl. des Weiteren: Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. München, 1995.
Heute ist das gesamte Zeitalter der Moderne und insbesondere das Industriezeitalter in den Verdacht geraten, im extremen 20. Jahrhundert zu kulminieren.
Als charakteristische Elemente, die das 20. Jahrhundert in seiner gesamten historischen Tiefe und geografischen Breite als ein extremes Jahrhundert mit Alleinstellungsmerkmal charakterisieren und prägen, können aufgeführt werden: 1. Die Ethnische Säuberung,
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnische_Säuberung
2. die Totale Institution des Lagers als die Totale Institution zur zweckrationalen Verwaltung von Menschenmassen in ihren verschiedenen Erscheinungsformen, 3. der Ausnahmezustand,
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ausnahmezustand
4. der Doppelstaat, 5. die totale Mobilmachung, 6. der totale industrielle Krieg, und weitere. Als charakteristische und prägende Elemente haben sie den Gehalt von analytischen Kategorien, die deshalb im Zentrum einer jeden Analyse zum extremen 20. Jahrhundert stehen müssen.
39) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kapstadt
40) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Niederländische_Ostindien-Kompanie
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Ostindien-Kompanie
41) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zitadelle
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Bastion#Das_Bastionärsystem
Die Architektur der neuzeitlichen Zitadelle wird insbesondere durch das Aufkommen von Kanonen mit großer Zerstörungskraft bestimmt.
42) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Seeweg_nach_Indien
43) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltstadt
44) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantinopel
45) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eroberung_von_Konstantinopel_(1453)
Diese Ereignisse des Jahres 1453 sind in der Megacity Istanbul Thema eines großen Diaramas mit dem Namen „Panorama 1453“, das ich am 04.09.2023 während meiner Fahrradreise durch das südöstliche Europa im Sommer und Herbst des Jahres 2023 besucht habe. In diesem Diarama wird u.a. Mohammed (570-632),
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed
der Gründer des Islam zitiert, der den Plan zur Eroberung der Weltstadt Konstantinopel gefaßt und verkündet hatte: „Constantinople will definitely be conquered one day. What a great commander is the one who conqueres it, what a great army it is.“
Zweifellos wußte Mohammed, daß die seit dem Jahre 413 von der theodosianischen Landmauer geschützte Weltstadt Konstantinopel der bedeutendste westliche Endpunkt des transkontinentalen, eurasischen Seidenstraßenhandels war, dessen Reichtümer es zum Zweck weiterer Machtausdehnung in Besitz zu nehmen und zu kontrollieren galt, und zudem hatte die von der theodosianischen Landmauer geschützte Weltstadt Konstantinopel in Europa in der Spätantike und im Mittelalter über viele Jahrhunderte hinweg bis zum Untergang des Byzantinische Reiches eine Rolle und Funktion eines Bollwerks nach Osten ausgefüllt, sodaß dessen erfolgreiche Eroberung den von Mohammed und seinen Nachfolgern geführten arabischen Armeen die nachfolgende Eroberung und Zwangsislamisierung des gesamten (christlichen ) Europas ermöglichen würde, so wie es in anderen eroberten Gebieten erfolgt ist, einschließlich der Durchsetzung des mit dem Islam verbundenen Staatsmodells, der Orientalischen Despotie, und des mit dem Islam verbundenen Gesellschaftsmodells, der Sklavenhaltergesellschaft, und des mit dem Islam verbundenen Rechtskonzepts, der Scharia.
Die Eroberung der Weltstadt Konstantinopel im Jahre 1453 zeigt, daß historische Ereignisse und Entwicklungen auf Absichten und Pläne zurück gehen können, die schon viele Jahrhunderte zuvor entstanden waren. Auch zeigt dieses Beispiel, daß in der Geschichte nichts durch Zufall geschieht, sondern daß alles, was geschieht, und so wie es geschieht, auch so gewollt ist.
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerungen_und_Eroberungen_von_Konstantinopel
46) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Seidenstraße
47) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Byzantinisches_Reich
48) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Osmanisches_Reich
49) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eroberung_von_Konstantinopel_(1204)
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerungen_und_Eroberungen_von_Konstantinopel
50) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Republik_Venedig
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Seerepubliken
51) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Theodosianische_Mauer
52) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Geographie
53) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltgeschichte
54) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hunnen
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerwanderung
55) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weströmisches_Reich
56) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Expansion
57) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerung_von_Konstantinopel_(674-678)
58) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerung_von_Konstantinopel_(717-718)
59) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mongolisches_Reich
60) Die mongolische Expansion ist in Europa nicht aufgehalten worden, wie die Ereignisse bei Wahlstatt/Legnicie Pole am 09.04.1241 zeigen.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Liegnitz_(1241)
Diese Ereignisse am 09.04.1241 sind Thema des Museums zur Schlacht bei Liegnitz,
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Museum_zur_Schlacht_bei_Liegnitz
das ich am 28.08.2021 besucht habe. Die materialreiche Ausstellung dieses Museums mit dem Titel „Zusammentreffen von zwei Welten“ hat historische Zusammenhänge und Hintergründe dieses historischen Ereignisses zum Thema.
Es stellt sich die Frage, warum die Mongolen ihre erfolgreiche Expansion in Europa beendet haben, das sie nach den Ereignissen vom 09.04 1241 möglicherweise vollständig hätten erobern können. Historiker in Vietnam führen das Ende der mongolischen Expansion, bei der die Mongolen im Jahre 1279 auch China erobert hatten, auf deren Niederlagen in den Jahren 1257/1258, 1284 und 1287/1288 bei deren Versuch, Vietnam und Champa zu erobern, zurück (36). Diese Niederlagen der Mongolen in Vietnam hätten zum Ende der mongolischen Expansion in Europa wesentlich beigetragen. Diese Sicht auf die historischen Ereignisse im Rahmen der mongolischen Expansion wird sowohl vom Geschichtsmuseum in Hanoi bei meinem Besuch am 14.03.2017, als auch vom Geschichtsmuseum in Saigon/Ho-Chi-Minh-Stadt bei meinem Besuch am 02.04.2017 vermittelt.
61) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mamluken
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Janitscharen
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Knabenlese
62) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Türkenkriege
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Erste_Wiener_Türkenbelagerung
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweite_Wiener_Türkenbelagerung
63) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Vierter_Kreuzzug
64) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lateinisches_Kaiserreich
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Rückeroberung_von_Konstantinopel_1261
65) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Marco_Polo#Eigene_Reise
66) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Königreich_Portugal
67) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Portugiesische_Kolonialgeschichte
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Portugiesische_Indien-Armadas
68) Vgl.: https://camissamuseum.co.za/
69) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Iziko_Slave_Lodge
70) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Sklaverei
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei
71) Innerhalb der Menschheitsgeschichte ist der Prozeß der Domestikation eine erst sehr junge Erscheinung, und er ist mit der Neolithischen Revolution
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Neolithische_Revolution
verbunden. Der Prozeß der Domestikation erfaßte nicht nur Tiere und Pflanzen, ganze Landschaften und Ökosysteme wurden domestiziert und umgestaltet. Auch der Mensch selber wurde vom Prozeß der Domestikation erfaßt und verändert.
In seinem Buch: „Die Mühlen der Zivilisation. Eine Tiefengeschichte der frühesten Staaten“ zeigt der Politologe und Anthropologe James C. Scott auf, in welchem Umfang der Mensch selber vom Prozeß der Domestikation erfaßt und verändert wurde: Im Zuge des Prozesses der Domestikation traten wie bei domestizierten Tieren auch beim Menschen sowohl anatomische Veränderungen, als auch Verhaltensänderungen auf, darunter ein neuartiges Herdenverhalten, das die Entstehung von Massengesellschaften und das Leben in Massengesellschaften ermöglichte. Zudem entstanden zahlreiche neuartige Krankheiten, die es in der Menschheitsgeschichte zuvor nicht gab. Es änderte sich das Reproduktionsverhalten des Menschen mit der Folge stark erhöhter Fruchtbarkeitsraten, die die erhöhte Mortalitätsrate durch die zahlreichen neuentstandenen Krankheiten mehr als ausglichen und die ein Bevölkerungswachstum zur Folge hatten. Von den neu entstandenen Staaten wurde dieses Bevölkerungswachstum aus machpolitischen Gründen gefördert, um die Anzahl der den Macheliten der frühen Staaten unterworfenen Arbeitskräfte, Steuerzahler und Soldaten zu erhöhen. Vgl.: James c. Scott: Die Mühlen der Zivilisation. Eine Tiefengeschichte der frühesten Staaten. 2022, Berlin.
72) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei_im_Islam#Sklavenhaltung_in_der_islamischen_Geschichte
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei#Verbreitung
73) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Handelskompanie
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Ostindien-Kompanie
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Westindien-Kompanie
74) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Britische_Ostindien-Kompanie
75) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Französische_Ostindienkompanie
76) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Merkantilismus
77) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Absolutismus
78) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Atlantischer_Sklavenhandel
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Ostafrikanischer_Sklavenhandel
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei_innerhalb_von_Subsahara-Afrika
Woher und wie die Sklaven auf die außerhalb Europas bestandenen Sklavenmärkte gelangten, schildert u.a. der Afrikaforscher David Livingstone:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/David_Livingstone#Forschungsreisen
Dabei müssen für einen im Sklavenhandel Deportierten zusätzlich drei bis vier weitere Personen, die bei der Sklavenjagd, bei Epidemien, durch Kastration usw. umkamen, veranschlagt werden:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei#Verbreitung
79) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Plantage
Bei Wikipedia fehlt ein Artikel zum Thema Plantagenökonomie, deren Besonderheiten ihrer Agrargeschichte und Agrarverfassung den Ländlichen Raum in großen Teilen Außereuropas bis heute prägen. In der jüngeren Neuzeit wurden die Plantagenökonomie und ihre Monokulturen zum Modell der weltweit erfolgten Mechanisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft, wobei Sklaven durch Maschinen ersetzt wurden. In der Sowjetunion erfolgte die Industrialisierung und Kollektivierung der Landwirtschaft nach dem Vorbild der Agrarindustrie in den USA, die aus der Plantagenökonomie hervorgegangen ist, und konzipiert durch Agraringenieure aus den USA. (Vgl. hierzu: Florian Hurtig: Sowjetische Simplifizierung als Kopie des amerikanischen Modells. In: Derselbe: Paradise lost. Vom Ende der Vielfalt und dem Siegeszug der Monokulturen. 2020, München. S. 284-291.) Folge war, daß in der Sowjetunion die Landwirtschaft und die Bauern zu einer „Inneren Kolonie“ gemacht wurden, was die forcierte Industrialisierung und Modernisierung der Sowjetunion ermöglichte. Die brutal vorangetriebene Industrialisierung machte die Sowjetunion zu einer Weltmacht, und zeitgleich erfolgte eine umfangreiche militärische Aufrüstung. Im Modernisierungsterror erweist sich der „Große Terror“ Stalins als Bestandteil des Terrors des Zeitalters der industriellen Moderne.
80) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abolitionismus
81) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Port-Louis_(Morbihan)
82) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Territorialstaat
83) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Stehendes_Heer
84) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_XIV.
85) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sébastien_Le_Prestre_de_Vauban
86) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Festungsanlagen_von_Vauban
87) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Personenverbandsstaat
88) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Stadt
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_und_Reichsstädte
89) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Robben_Island
90) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Apartheid
92) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Totale_Institution
Der Begriff der „Totalen Institution“ wurde insbesondere vom Soziologen Erving Goffmann (1922-1982) geprägt, der in seiner Studie: „Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen“ Merkmale totaler Institutionen aufführt. Vgl.: Erving Goffmann: Über die Merkmale totaler Institutionen. In: Derselbe: Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen. Frankfurt am Main, 1972. S. 13-23.
Beispiele Totaler Institutionen sind: das Gefängnis, das Lager in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen, die Kaserne, die Wehrpflicht, die Fabrik, die Krankenanstalt, die Schule. Totale Institutionen schaffen einen Raum der Inklusion und der Exklusion und sie sind insbesondere charakterisiert durch die in ihnen herrschenden „Besonderen Gewaltverhältnisse“, die auf Extralegalität und Sonderbehandlung abzielen.
Der „Maßnahmenstaat“ nach Ernst Fraenkel kann als eine radikalisierte Form Totaler Institutionen und der in diesen herrschenden „Besonderen Gewaltverhältnisse“, die auf Extralegalität und Sonderbehandlung abzielen, angesehen werden.
Vgl.: Ernst Fraenkel: Der Doppelstaat. Recht und Justiz im „Dritten Reich“. Frankfurt am Main, 1984.
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Doppelstaat
In dieser Analyse der Herrschaft im NS-Staat, die zum Jahreswechsel 1940/1941 erstmals veröffentlicht wurde, unterscheidet Fraenkel die fortexistierenden Institutionen eines legalen „Normenstaates“, dessen Handeln sich an Gesetzen orientiert, von den neu geschaffenen Institutionen eines extralegalen „Maßnahmenstaates“ als Instrument willkürlicher Machtentfaltung und enthemmter Gewaltausübung. Als historische Beispiele für Institutionen des „Maßnahmenstaates“ können aufgeführt werden insbesondere die NS-Konzentrationslager, des Weiteren die SS, die Gestapo, der SD, das RSHA, die „Aktion T4“, die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD. Der „Maßnahmenstaat“ kann als eine radikalisierte Form „Totaler Institutionen“ und der in diesen herrschenden „Besonderen Gewaltverhältnisse“ angesehen werden, die auf Extralegalität und Sonderbehandlung abzielen.
In ihren verschiedenen Varianten sind „Totale Institutionen“ überall anzutreffen, und sie werden als selbstverständliche Grundlage der Gesellschaft und als Bestandteil gesellschaftlicher und staatlicher Herrschaft akzeptiert und hingenommen, wobei im Rahmen der totalitären Gesellschafts- und Staatsidee das Funktionsprinzip der Totalen Institutionen aus diesen heraus auf potentiell sämtliche Bereiche der Gesellschaft übertragen und angewendet wird. Ein Ende des Zeitalters des Totalitären und des Totalitarismus ist somit ohne die Überwindung und Abschaffung des Konzepts der Totalen Institutionen nicht zu haben, denn sie sind die Quellen, aus denen sich die Idee des Totalitären und die Praxis des Totalitarismus immer wieder neu über die gesamte Gesellschaft ausbreiten und die Menschen entsprechend zurichten kann. Die Abschaffung Totaler Institutionen bedeutet nichts anderes als aus dem extremen 20. Jahrhundert Konsequenzen zu ziehen und dessen Grundlagen einer Revision zu unterziehen.
93) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gefängnis
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internierungslager
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Lager_(Camp)#Unfreiwilligkeit
Seinen Ursprung hat das Internierungslager in den Kolonien, wo es als Repressionsinstrument genutzt wurde. Im Ersten Weltkrieg wurden die zuvor diskreditierten Internierungslager der Kolonien erstmals in Europa eingesetzt. Mit dem Ersten Weltkrieg beginnt die Anwendung kolonialer Unterdrückungsmethoden in Europa selber, und Europäer werden nun Gegenstand kolonialer Unterdrückungsmethoden. „Der Erste Weltkrieg war ein wichtiges Laboratorium für das, was kommen sollte“, erklärt der Historiker Karl Schlögel in seinem Text:“ Bugwelle des Krieges“: „Hier wurden die Methoden und Praktiken des totalen Krieges erstmals in großem Stil erprobt. (…) Hier wurden Praktiken vervollkommnet, die man zuvor schon an der Peripherie des Imperialismus, in den Kolonien, erprobt hatte – vom Konzentrationslager über Grenzziehung mit dem Rasiermesser bis zur lässigen Routine der Massenexekution; der Rassismus wanderte, wie Hannah Arendt gezeigt hatte, von der Peripherie ins Mutterland zurück“. Siehe: Karl Schlögel: Bugwelle des Krieges. S. 185-186. In: Stefan Aust, Stephan Burgdorff (Hg.): Die Flucht. Über die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. 2003, Bonn. S. 194-195.
Die Totale Institution des Lagers als moderne Form terroristischen Zwangs gegen große Menschengruppen durchzieht und prägt die Geschichte des 20. Jahrhunderts, und sie ist eins der wesentlichen und charakteristischen Elemente, die das 20. Jahrhundert zu einem extremen Jahrhundert machen. Die Totale Institution des Lagers entstand am Vorabend des 20. Jahrhunderts, und seine Laufbahn ist noch nicht zuende, und es liefert ein Beispiel, daß „die Moderne gerade in ihrer Normalität Ziehvater der Exzesse dieses Jahrhunderts ist“, wie der Gesellschaftswissenschaftler Gerhard Armanski in seinem Buch: „Maschinen des Terrors. Das Lager (KZ und GULAG) in der Moderne“ analysiert. Siehe: Gerhard Armanski: Maschinen des Terrors. Das Lager (KZ und GULAG) in der Moderne. Münster, 1993. S. 18.
95) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Strafkolonie
Die Strafkolonie kann als Ursprung und Prototyp des Konzentrationslagers als einem Bestandteil des „Maßnahmenstaates“, wie z.B. die NS-Konzentrationslager, angesehen werden. Als ein rezentes Beispiel für ein solches Konzentrationslager als einem Bestandteil des „Maßnahmenstaates“ kann das Gefangenenlager Guantanamo aufgeführt werden.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gefangenenlager_der_Guantanamo_Bay_Naval_Base
96) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Panopticon
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Gefängnis#Bauweise_von_Gefängnissen
97) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abolitionismus_(Kriminologie)
98) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Iziko_South_African_Museum
Sowie: https://www.iziko.org.za/museums/south-african-museum/
99) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Felsbild
100) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/San_(Volk)
101) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Materielle_Kultur
102) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Savanne
103) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Antarktis-Vertrag
104) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Darwin
105) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweite_Reise_der_HMS_Beagle
106) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Botanischer_Garten_Kirstenbosch
107) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Fynbos
108) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kapflora
109) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Florenreich
110) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Neobiota
111) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tafelberg_(Südafrika)
112) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Agrarverfassung
113) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Agrargeschichte
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Landwirtschaft
114) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ländlicher_Raum
115) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Siedlungskolonie
116) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Industrialisierung_der_Sowjetunion
117) https://de.wikipedia.org/wiki/Zwangskollektivierung_in_der_Sowjetunion
Im Zuge der Industrialisierung der Sowjetunion wurde im Rahmen des ersten Fünfjahresplans
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Industrialisierung_der_Sowjetunion#Der_erste_Fünfjahresplan
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Fünfjahresplan#Sowjetunion
während der Zwangskollektivierung, von 1929 bis 1933 die sogenannten „Entkulakisierung“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Entkulakisierung
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Tragödie_von_Nasino
durchgeführt, was eine schwere Hungersnot
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hungersnot_in_der_Sowjetunion_in_den_1930er_Jahren
zur Folge hatte. Die Unterdrückung der Bauern und deren Ausbeutung als einer „Inneren Kolonie“ ermöglichte die forcierte Industrialisierung und Modernisierung der Sowjetunion. Die brutal vorangetriebene Industrialisierung machte die Sowjetunion zu einer Weltmacht, und zeitgleich erfolgte eine umfangreiche militärische Aufrüstung. Im Modernisierungsterror erweist sich der „Große Terror“ Stalins als Bestandteil des Terrors des Zeitalters der industriellen Moderne.
118) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aussterben#Aktuelle_Situation
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Massenaussterben#Das_gegenwärtige_Massenaussterben
119) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropozän
120) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wadi
121) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wüste#Halbwüste_(und_Wüstensteppe)
122) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Trockensavanne
123) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Namibia
124) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lüderitz
125) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Windhoek
126) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Henley_Passport_Index
127) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kongokonferenz
128) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Protektorat
129) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Kaiserreich
130) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Südwestafrika
131) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Turnhallenkonferenz
132) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gibeon_(Meteorit)
133) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Unabhängigkeits-Gedenkmuseum
134) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsbild
135) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationenbildung
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalismus
Die Idee der Nation und des Nationalstaats ist die wirkmächtigste Idee, die jemals von Europa ausgegangen ist, und sie ist heute in der gesamten Welt alternativlos. Die in Europa entstandene Idee des Nationalismus hat sich in mehreren großen Wellen über die gesamte Welt ausgebreitet. Die Idee der Nation und des Nationalstaats verbreitete sich erstmals in größerem Umfang über ihren Ursprung in Europa hinaus im Zuge der ersten Welle der Dekolonisation im 19. Jahrhundert, insbesondere in Folge der Auflösung des spanischen Kolonialimperiums in Mittel- und Südamerika, dann nach dem Ersten Weltkrieg in der östlichen Hälfte Europas, und nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr die Idee der Nation und des Nationalstaats im Zuge der zweiten Welle der Dekolonisation in Asien und Afrika ihre heutige weltweite Verbreitung und alternativlose Durchsetzung.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dekolonisation
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Dekolonisation_Afrikas
In seinem Buch: „Nationalismus. Geschichte, Formen, Folgen“ stellt der Historiker Hans-Ulrich Wehler die Frage: „Warum wurde der Nationalismus zu einem derart attraktiven Exportartikel, obwohl in den Empfängerländern völlig andersartige soziokulturelle und politische Bedingungen vorherrschten?“ und er führt weiter aus: „Ein voller Erfolg war diesen antikolonialistischen Emanzipationsbewegungen (…) nach dem Zweiten Weltkrieg beschieden, als der massive Druck der USA zugunsten der Auflösung aller westlichen Kolonialreiche im Verein mit der Sprengwirkung militanter innerkolonialer Guerilla- und Befreiungsbewegungen die Ära einer weltumspannenden Dekolonisierung einleitete. Damit verbunden war eine neue Welle des Transfernationalismus. Denn alle diese überstürzt in eine gefährdete Mündigkeit entlassenen Kolonialgebiete wollten dem Vorbild des westlichen Nationalstaats nacheifern. Hatten ihn die Friedensverträge nach dem Ersten Weltkrieg zur Norm für die gesamte europäische Staatenwelt erklärt, wurde er jetzt für geraume Zeit zur global verbindlichen politischen Einheit erhoben“. Siehe: Hans-Ulrich Wehler: Nationalismus. Geschichte, Formen, Folgen. 2001, München. S. 15. und S. 93.
Die sogenannten „Nationalen Befreiungsbewegungen“ waren der Akteur, der der Idee der Nation und des Nationalstaats zur weltweiten und heute alternativlosen Durchsetzung verhalf. Heute ist die Idee der Nation alternativlos, der Nationalstaates gilt als die quasinatürliche und alternativlose Organisationsform der menschlichen Gesellschaft, und überall werden die Menschen dazu genötigt, sich nach dem Modell der Nation und dem Konzept des Nationalstaates zu organisieren.
Vgl. hierzu meinen Text: Der moderne Nationalismus als eine politische Religion – Über die Konstruktion der Nation im Zeitalter des modernen Nationalismus“, der auf meiner Internetseite aufgerufen und gelesen werden kann: https://manfred-suchan.jimdosite.com/geschichtspolitik/
Meines Erachtens ist im globalhistorischen Rückblick die Dekolonisation, so wie sie tatsächlich stattfand, gescheitert, da sie das Vehikel war, die Idee der Nation und das Ordnungskonzept des Nationalstaats weltweit und alternativlos durchzusetzen.
136) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/SWAPO
137) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Herero
138) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nama_(Volk)
139) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkermord
140) Vgl.: Hans Hilpisch: „Wo sind die Herero geblieben?“ Neue Erkenntnisse und Theorien zum Rückzug der Herero in die Omaheke 1904/1905. 2. Überarbeitete und erweiterte Auflage 2021, Windhoek.
Sowie: Hans Hilpisch: Die Kolonialkriege in Deutsch-Südwestafrika (1904-1908). Daten, Fakten und eine kritische Auseinandersetzung mit den widersprüchlichen Forschungsergebnissen der letzten Jahrzehnte. 4. Auflage 1922, Windhoek.
141) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kongogräuel
142) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kongo-Freistaat
143) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_II._(Belgien)
144) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geographische_Konferenz_in_Brüssel
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Afrika-Gesellschaft
145) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Imperialismus#Zeitalter_des_Imperialismus_(ca._1870-1914)
146) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geopolitik
147) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wettlauf_um_Afrika
148) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Königliches_Museum_für_Zentral-Afrika
149) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltausstellung_Brüssel_1897
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltausstellung
Zu den Weltausstellungen als internationale technische und gewerbliche Leistungsschauen im Zeitalter der Industriellen Moderne zählen auch die Kolonialausstellungen, die ebenfalls als Leistungsschauen im Zeitalter der Industriellen Moderne konzipiert waren, wie z.B. die Kolonialausstellung in Berlin 1896, die Kolonialausstellung in Brüssel 1897, die Kolonialausstellung in Paris 1931, die Kolonialausstellung in Brüssel 1958. Kolonialausstellungen können nicht mit sogenannten „Völkerschauen“ gleichgesetzt werden, wie es jedoch bei Wikipedia erfolgt:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kolonialausstellung
150) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Justizpalast_(Brüssel)
151) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Naturkautschuk
152) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Völkermord_in_Putumayo
153) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Julio_César_Arana_del_Águila
154) Die Unterdrückung der Bauern und deren Ausbeutung als einer „Inneren Kolonie“ ermöglichte die forcierte Industrialisierung und Modernisierung der Sowjetunion.
Vgl. Anmerkungen 79 und 117.
155) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sukkulente
156) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Humboldt
157) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Holismus
158) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Reduktionismus
159) vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Große_Randstufe
160) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Namib
161) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Benguelastrom
162) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Swakopmund
163) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Swakopmund_Museum
164) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Oranje_(Fluss)
165) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Etosha-Nationalpark
166) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kalahari
167) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dornstrauchsavanne
168) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Etosha-Pfanne
169) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wildnis
170) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Instrumentelle_Vernunft
Sowie: Max Horkheimer: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft. 1974, Frankfurt am Main. Die instrumentelle Vernunft und ihre Kritik bildet die analytische Schlüsselkategorie der Kritischen Theorie der vom Sozialphilosophen Max Horkheimer (1895-1973) begründeten Frankfurter Schule, die auf Grundlage interdisziplinärer geistes- und gesellschaftswissenschaftlicher Analysen eine Synthese von Gesellschafts- und Kulturkritik leistet.
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Horkheimer#Kritik_der_instrumentellen_Vernunft
Die Kritik der instrumentellen Vernunft ist eine Kritik der Naturbeherrschung, wobei die Beherrschung der Natur in der Beherrschung der inneren und äußeren Natur des Menschen, der Beherrschung der Individuen und der Beherrschung der Gesellschaft ihre Fortsetzung findet, und dieser Gewaltzusammenhang bildet ein transhistorisches Kontinuum.
171) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jäger_und_Sammler
172) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Indianer_Nordamerikas
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Indianer
173) Zu schaffen wäre ein Menschenrecht auf eine allgemeine Zugänglichkeit der Landschaft, das an den Rechtszustand eines allgemeinen Gewohnheitsrechtes von Charakter eines Jedermannsrechtes anknüpft, wie er vor der Neolithischen Revolution bestanden hatte, und das sich aus verschiedenen Rechtsquellen ableiten und begründen läßt. Dieses Thema ist nicht nur ein historisch-anthropologisches Thema und nicht nur ein juristisches Thema, sondern vielmehr eine Frage der praktischen Philosophie: Der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant
postuliert im dritten Definitivartikel seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ (1795) einen ursprünglichen Zustand eines gemeinschaftlichen Besitzes der Oberfläche der Erde durch die gesamte Menschheit, da sich die Menschen durch die Kugelgestalt der Erde sich nicht bis ins Unendliche zerstreuen können und sie sich daher nebeneinander dulden müssen, ursprünglich aber niemand an einem Orte der Erde zu sein mehr Recht hat, als der Andere, woraus er als Bestandteil eines Weltbürgerrechtes ein allgemeines Freizügigkeits- Reise- und Besuchsrecht ableitet. Gleichermaßen läßt sich auf dieser Grundlage ein Menschenrecht auf eine allgemeine Zugänglichkeit der Landschaft ableiten, das an den Rechtszustand eines allgemeinen Gewohnheitsrechtes von Charakter eines Jedermannsrechtes anknüpft, wie er vor der Neolithischen Revolution bestanden hatte.
Hiermit öffnet sich ein weitgefaßtes Themenfeld: Die Frage nach Land- und Bodenbesitz als einer begrenzten, nicht vermehrbaren Ressource, als der primären Lebensgrundlage, auf die alle Menschen gleichermaßen Anspruch haben. Hieraus läßt sich ein allgemeines Grundrecht auf Subsistenz ableiten, das allen Menschen Zugang zu Land und Boden gewährleistet, in dem Umfang, der erforderlich ist, um sich im Rahmen von Subsistenzwirtschaft selbst versorgen zu können. Viele der sich in Folge von historisch gewachsenem Großgrundbesitz und fehlenden Möglichkeiten des Zugangs zu Land und Boden ergebenden sozialen und ökologischen Folgen und Probleme, wie z.B. Naturzerstörung durch irreguläre Landnahmen und Siedlungstätigkeiten, sowie dem Anwachsen von irregulären Siedlungen am Rande von Megacitys, könnten weitgehend vermieden werden. Ein allgemeines Grundrecht auf Subsistenz, das allen Menschen in dem Umfang Zugang zu Land und Boden gewährleistet, der erforderlich ist, um sich im Rahmen von Subsistenzwirtschaft selbst versorgen zu können, läßt sich mit dem Menschenrecht auf Nahrung bergründen:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Recht_auf_Nahrung
Ein solches Grund und Menschenrecht auf Subsistenz verhindert, daß die Menschen aus dem Ländlichen Raum verdrängt werden, da sich dort weltweit immer mehr die riesigen agrarindustriellen Monokulturen auf Kosten der traditionellen Subsistenzwirtschaft der Menschen im Ländlichen Raum ausweiten, und es verhindert, daß die Menschen in die zunehmenden und rasant anwachsenden Megacitys abgedrängt werden, die den Charakter und die Funktion von Abschieberäumen und Verwahranstalten der globalen Überschußbevölkerung haben, die aus dem Ländlichen Raum verdrängt wird.
174) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tierwanderung
175) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Serengeti
176) Vgl.: Bernhard Grzimek, Michael Grzimek: Serengeti darf nicht sterben. 367.000 Tiere suchen einen Staat. 1959, Frankfurt am Main, Berlin, Wien.
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Serengeti_darf_nicht_sterben
177) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Entwaldung
178) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Entkusselung
179) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Renaturierung
180) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rewilding
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Rewilding_Europe
Vgl. hierzu Kapitel 8: „Rewilding Europe“ meines Textes: „Ein Winter im Skandinavischen Gebirge – Erlebnisse an der nördlichen Periferie Europas im Winter 2013/2014. Dieser Text kann auf meiner Internetseite aufgerufen und gelesen werden:
181) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ökologische_Nische
182) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ökosystem
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Nahrungskette
183) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biodiversität
184) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Biosphäre
185) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Naturschutz
186) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Prozessschutz
187) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Landschaftsschutz
188) Vgl. hierzu Kapitel 6: „Die Kolonisierung der Amazonasregion und die Zerstörung des Regenwaldes“ meines Textes: „Impressionen in Zeiten der ‚Corona-Krise‘ – Ein Reisebericht aus Südamerika“. Dieser Text kann auf meinen Internetseiten aufgerufen und gelesen werden:
https://manfred-suchan.jimdosite.com
https://manfred-suchan-reisen.jimdosite.com/reisefreiheit
189) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Peace_Park
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Peace_Parks_Foundation
190) Vgl. hierzu Kapitel 9: „Naturschutz und Tourismus als Bestandteile von Entspannungspolitik“ meines Textes: „Ein Winter im Skandinavischen Gebirge – Erlebnisse an der nördlichen Periferie Europas im Winter 2013/2014“. Dieser Text kann auf meiner Internetseite aufgerufen und gelesen werden:
191) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Caprivizipfel
192) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Leo_von_Caprivi
In die kurze Amtszeit von Reichskanzler Caprivi fällt nicht nur der Helgoland-Sansibar-Vertrag von 1890, sondern u.a. auch die Nichtverlängerung des Rückversicherungsvertrages mit dem Kaiserreich Rußland.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rückversicherungsvertrag
Die Nichtverlängerung des Rückversicherungsvertrages ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, daß der Erste Weltkrieg entstehen konnte.
Vgl. hierzu Anmerkung 264.
193) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Helgoland-Sansibar-Vertrag
194) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sambesi
195) Vgl.: https://de.wikipedia.org/Chobe (Fluss)
196) Vgl. hierzu Kapitel 7: „Der biometrische Reisepaß oder: Die Welt als eine virtuelle Totale Institution“ in meinem Text: „Ende der ‚Corona-Krise‘ – Aktuelle Reisebedingungen im weltweiten Vergleich“. Dieser Text kann auf meiner Internetseite aufgerufen und gelesen werden:
Wenn man von den Folgeentwicklungen auf die Absichten zurückschließt, erfolgten die Ereignisse vom 11.09.2001 genau zu dem Zweck, ein weltweites Überwachungsregime einführen und durchsetzen zu können. In der Geschichte geschieht nichts durch Zufall, sondern alles, was geschieht, und so wie es geschieht, ist auch so gewollt.
197) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Botswana
198) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Chobe-Nationalpark
199) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Betschuanaland
200) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Cecil_Rhodes
201) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/British_South_Africa_Company
202) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Victoriafälle
203) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/David_Livingstone
204) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Land_Grabbing
205) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Okavangodelta
206) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/System_der_zentralen_Orte
207) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Pretoria
208) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Südafrikanische_Republik
209) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Kruger
210) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Krugerhaus
211) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Britisches_Weltreich
212) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Burenkrieg
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Burenkrieg
213) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Abessinienkrieg
Meines Erachtens beginnt mit dem Abessinienkrieg der Zweite Weltkrieg als einer historischen Epoche. Das Zeitalter des Imperialismus, dessen herausragender Bestandteil der geopolitische „Wettlauf um Afrika“ war, kulminiert in zwei Weltkriegen, mit denen der geopolitische „Wettlauf um Afrika“ zu einem geopolitische „Wettlauf um Europa“ geworden ist. Mit dem Abessinienkrieg findet der geopolitische „Wettlauf um Afrika“ seine Fortsetzung und er setzt sich dann im Zweiten Weltkrieg als ein geopolitischer „Wettlauf um Europa“ fort, wobei Methoden der Kriegsführung weiter radikalisiert werden, die erstmals im Zweiten Burenkrieg und dann im Abessinienkrieg eingeführt und angewandt worden waren. Der Zweite Burenkrieg, der Abessinienkrieg und dann der Zweite Weltkrieg bilden Radikalisierungsstufen totaler industrieller Kriegsführung im Zeitalter des Imperialismus, bei denen zunehmend die Zivilbevölkerung zum militärischen Ziel wurde.
214) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Winterkrieg
215) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Burenkrieg
216) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Second_Boer_War_concentration_camps
Ein entsprechender Artikel fehlt in der deutschsprachigen Wikipedia.
Nach dem Vorbild der „Concentration Camps“ im Zweiten Burenkrieg sind im Anschluss an den Aufstand der Herero und Nama seit 1904 vom Deutschen Reich in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika „Konzentrationslager“ errichtet wurden.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konzentrationslager_in_Deutsch-Südwestafrika
Der Wikipedia-Artikel zum Thema „Konzentrationslager“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Konzentrationslager_(historischer_Begriff)
zeigt auf, daß Historiker und Gesellschaftswissenschaftler unübersehbar nicht in der Lage sind, das insbesondere das extreme 20. Jahrhundert prägende Phänomen des Lagers als der Totalen Institution zur zweckrationalen Verwaltung von Menschenmassen in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen gemäß deren Genese und deren Struktur in sinnvolle Kategorien zu unterscheiden und zu Klassifizieren. Jede wissenschaftlichen Kategorienbildung in jeder wissenschaftlichen Disziplin muß nach signifikanten, nachvollziehbaren und überzeugend begründeten Kriterien erfolgen.
217) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Kitchener,_1._Earl_Kitchener
218) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Verbrannte_Erde
219) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Südafrikanische_Union
220) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dominion
221) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Commonwealth_of_Nations
222) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I._(England)
223) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Commonwealth_War_Graves_Commission
224) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannesburg
225) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Boomtown
226) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Demografie_Südafrikas
227) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Township_(Südliches_Afrika)
228) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Homeland_(Apartheid)
229) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bevölkerungsentwicklung
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Afrika#Bevölkerung
230) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Megastadt
231) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Apartheid_Museum
232) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rassentrennung
233) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Apartheid
234) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rassentrennung#USA
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Jim-Crow-Gesetze
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus_in_den_Vereinigten_Staaten
235) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bürgerrechtsbewegung
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Bürgerrechtsbewegungen
Des Weiteren: https://de.wikipedia.org/wiki/Abolitionismus
236) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Menschheitsgeschichte
Die Menschheitsgeschichte ist Bestandteil der Erdgeschichte und der Geschichte des Lebens auf dem Planeten Erde. Bedingung des Lebens auf dem Planeten Erde ist der geodynamisch fundierte evolutions-ökologische Prozeß, dessen Bestandteil das Leben auf dem Planeten Erde ist. Die Menschheitsgeschichte kann als die Geschichte der Ausbreitung und Ausdifferenzierung des anatomisch modernen Menschen Homo sapiens vor ca. 70.000 Jahren von seinem beim gegenwärtigen paläoanthropologischen Forschungsstand angenommenen Ursprung im östlichen Afrika über den gesamten Planeten Erde bis zur Gegenwart aufgefaßt werden. Hierbei hatten mehrere technologische Revolutionen weitreichende gesellschaftliche und ökologische Folgewirkungen, insbesondere die Prometheische Revolution, die Neolithische Revolution, die Industrielle Revolution und aktuell die Digitaltechnische Revolution. Die Menschheitsgeschichte endet mit dem Ende der Menschheit:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ende_der_Menschheit
Aufgrund des weiteren Verlaufs der Erdgeschichte und der zukünftigen Geschichte des Lebens auf dem Planeten Erde auf Grundlage des geodynamisch fundierten evolutions-ökologischen Prozesses ist das Ende der Menschheit unvermeidbar. Das Einzige, was wir beeinflussen können, ist der Zeitpunkt, an dem das Ende der Menschheit eintritt. Wenn die Menschheit so weiter macht, wie bisher auf Grundlage ihrer technologischen Revolutionen, wird dieses Ende in sehr naher Zukunft eintreten. Auf Grundlage der natürlichen Verhältnisse auf dem Planeten Erde könnte die Menschheit hingegen potentiell noch etwa eine Milliarde Jahre fortexistieren.
237) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Paläoanthropologie
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Out-of-Africa-Theorie
238) Der Philosoph Immanuel Kant formulierte drei erkenntnisleitende Fragen philosophischen Denkens:
1. Was kann ich wissen?
2. Was soll ich tun?
3. Was darf ich hoffen?
Als vierte Frage fügte er hinzu:
4. Was ist der Mensch?
239) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Rassentheorie
Es stellt sich die Frage, ab wann sinnvoll von „Rassismus“ gesprochen werden kann. Der Versuch einer Kategorienbildung
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorisierung_(Kognitionswissenschaft)
und der Versuch einer Klassifizierung
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Klassifizierung
bezüglich des Menschen ist erst einmal unproblematisch. Zu einem ernsthaften Problem wird dieses erst dann, wenn auf Grundlage derartiger Kategorienbildungen und Klassifizierungen unterschiedliche Rechte von Menschen abgeleitet und Ungleichbehandlungen gefordert werden. Meines Erachtens kann man erst ab hier sinnvoll von „Rassismus“ sprechen. Aufgrund Dessen kann ich den populär gewordenen pauschalen Rassismus-Vorwurf an das Zeitalter der Aufklärung
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung
und herausragende Vertreter dieses Zeitalters der Aufklärung, wie z.B. den Naturforscher Carl von Linné (1707-1778) und den Philosophen Immanuel Kant (1724-1804) nicht nachvollziehen.
Zudem wird es in den populären Diskussionen zum Thema „Rassismus“ unterlassen, verschiedene Varianten, Formen und Ausprägungen von „Rassismus“ zu unterscheiden. Die bedeutendste Form von neuzeitlichem Rassismus ist zweifellos der Kolonialrassismus der frühen Neuzeit, bei dem die Unterteilung der Menschheit in zwei Kategorien: „Weiße Menschen“ und „Schwarze Menschen“, und eine entsprechende Zuweisung unterschiedlicher Wertigkeiten und Rechte dieser beiden Kategorien Grundlage der Legitimierung und Aufrechterhaltung des Sklavenhalterregimes in Siedlungskolonien und Plantagenökonomien war. Aus den Siedlungskolonien, wie z.B. den USA, und aus den Plantagenökonomien hat sich diese Aufteilung der Menschheit in zwei Kategorien: Weiße Menschen und Schwarze Menschen, weltweit ausgeweitet und ist heute ein Common Sense geworden, dem sich auch diejenigen anpassen, die vorgeben, Rassismus abzulehnen. Tatsächlich jedoch besteht bezüglich der Hautfarbe der Menschen statistisch betrachtet weltweit ein kontinuierlicher Übergang von dunklen Hautfarben in Äquatornähe hin zu hellen Hautfarben in Polnähe,
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hautfarbe#Hautfarbe_beim_Menschen
sodaß einer Aufteilung der Menschheit in zwei Kategorien: Weiße Menschen und Schwarze Menschen, jegliche Grundlage fehlt. Aufgrund der gesellschaftspolitischen Besonderheiten konnte eine Aufteilung der Menschheit in zwei Kategorien: Weiße Menschen und Schwarze Menschen, ausschließlich in Siedlungskolonien, wie z.B. den USA, und in Plantagenökonomien entstehen und sonst nirgendwo auf der Welt.
Der Kolonialrassismus hat seinen Ursprung in den Sklavenhaltergesellschaften der Siedlungskolonien, wie z.B. den USA, und den Plantagenökonomien, und nicht in Europa im Zeitalter der Aufklärung, wie es Vertreter der „Postkolonialen Studien“ nachzuweisen versuchen.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Postkolonialismus
Von diesem Kolonialrassismus muß unterschieden werden der durch Eugenik
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Eugenik
begründete Rassismus der späten Neuzeit, der insbesondere im Nationalsozialismus zur Ausprägung gelangte. Innerhalb dieses NS-Rassismus wird das Konzept des studierten Landwirts Heinrich Himmler (1900-1945) einer menschlichen Rasseviehzucht zu wenig beachtet.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tierzucht
Die Idee der menschlichen Rasseviehzucht teilte Himmler mit dem Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Walther Darré (1895-1953). Diesem Modell der Rasseviehzucht von Himmler und Darré fehlt der Aspekt der natürlichen Evolution, was eine Grundannahme und Voraussetzung der sozialdarwinistischen Ideologie ist.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdarwinismus
Mithilfe des unbeschränkten Machtmittels des „Maßnahmenstaates“ verfolgt der studierte Landwirt Himmler das Ziel, das gesamte Europa in eine Zuchtanstalt für menschliches Rassevieh zu verwandeln. Als „Zuchtwart“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Zuchtwart
gibt Himmler das anzustrebende Zuchtziel der menschlichen Rasseviehzucht vor.
240) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Nelson_Mandela
241) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Desmond_Tutu
242) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheits-_und_Versöhnungskommission
Vgl. auch: José Brunner, Daniel Stahl: Recht auf Wahrheit. Zur Genese eines neuen Menschenrechts. 2016, Göttingen.
243) Geschichtliche Ereignisse, auch solche der jüngsten Geschichte, sollten von Historikern und Wissenschaftlern bearbeitet werden, und nicht von Juristen und Gerichten. Zwischen Beiden besteht ein grundsätzlicher Unterschied bezüglich des methodischen Vorgehens und des Erkenntnisinteresses.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnisinteresse
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis_und_Interesse
Aufgabe und Erkenntnisinteresse von Historikern und der Geschichtswissenschaft ist nicht die Beurteilung, sondern das Verstehen, einschließlich des Verstehens all dessen, was völlig unverständlich erscheint. Hierzu hebt der Historiker Eric Hobsbawm hervor, daß die eigentliche Aufgabe des Historikers „nicht die Beurteilung ist, sondern vielmehr das Verstehen – sogar das Verstehen all dessen, was völlig unverständlich erscheint. (…) Es ist das Verstehen, das uns allen schwerfällt.“ Siehe: Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. 5. Auflage 1997, München, Wien. S. 19.
Das Erkenntnisinteresse der Jurisprudenz ist ein gänzlich anderes, aufgrund ihrer Entstehung in den frühen Hochkulturen als Herrschaftstechnik, und ihre Aufgabe liegt in der Zuweisung individueller Schuld mit dem Ziel individueller Bestrafung zum Zweck der Machtdemonstration des Herrschers und der Unterwerfung des Delinquenten unter die cephale und hierarchische Herrschaft des Staates.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Frühe_Hochkulturen
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Keilschriftrecht#Gesetzgebung
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Halsgerichtsbarkeit
Die von Gerichten und Tribunalen gewonnenen Informationen sind für die Geschichtswissenschaften unbrauchbar und wertlos. Zudem beseitigen Gerichte und Tribunale in zahlreichen Fällen durch Justizmord
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Justizmord
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Todesstrafe
Zeitzeugen, die für die geschichtswissenschaftliche Forschung von großem Wert sind.
244) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deliberative_Demokratie
Vgl. hierzu auch meinen Text: Formaldemokratie und Politikverdrossenheit – Über Politik in modernen Massengesellschaften. Dieser Text kann auf meiner Internetseite aufgerufen und gelesen werden:
https://manfred-suchan.jimdosite.com/kulturpolitik
245) Deliberation
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deliberation
ist nach der Definition der Politikwissenschaftler Gary S. Schaal und Felix Heidenreich in ihrem Buch: „Einführung in die Politischen Theorien der Moderne“ „der auf Argumenten und Begründungen basierende faire und gleichberechtigte kommunikative Austausch von inhaltlichen Positionen von sich wechselseitig als frei und gleich wahrnehmenden Bürgern“. Siehe: Gary. S. Schaal, Felix Heidenreich: Einführung in die politischen Theorien der Moderne. 2017, Bonn. S. 266.
Im Zentrum der Diskurstheorie
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Diskurs
steht der herrschaftsfreie Diskurs, in dem ausschließlich der „zwanglose Zwang“ des besseren und überzeugenderen Arguments gilt.
Nach Auffassung des Philosophen Jürgen Habermas
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jürgen_Habermas
unterscheidet sich der wahre gesellschaftliche Konsens vom falschen durch die symmetrische Verteilung der Chancen aller möglichen Beteiligten an dessen Teilnahme und das Fehlen jeglicher Art von Zwängen, sodaß „durch eine Gleichverteilung der Chancen, Deutungen, Behauptungen, Erklärungen und Rechtfertigungen aufzustellen und deren Geltungsansprüche zu begründen oder zu widerlegen, die Grundlage dafür geschaffen werden, daß keine Vormeinung auf Dauer der Thematisierung und der Kritik entzogen bleibt“. Siehe: Jürgen Habermas: Zur Konsenstheorie der Wahrheit. Wahrheit von Aussagen, Wahrhaftigkeit von Äußerungen, Richtigkeit von Handlungen. S. 137. In: Jürgen Habermas, Niklas Luhmann: Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie – Was leistet die Systemforschung? 1971, Frankfurt am Main. S. 123-141.
Doch die gesellschaftlichen Realitäten in den modernen Massengesellschaften sehen anders aus. Sowohl der real-existierende Politikbereich, als auch der Bereich der Massenmedien und der Wissenschaftsbetrieb werden von Lobbyisten kontrolliert und gesteuert, und die Partizipationsmöglichkeiten der Menschen in den repräsentativen Massendemokratien sind gering. Die Folge ist Politikverdrossenheit, und diese Politikverdrossenheit ist ein Symptom der Krise des repräsentativen demokratischen Regierungssystems und der Enttäuschungen der Massendemokratie und der Massengesellschaften. Ergebnis ist eine alternativlose Affirmation des Bestehenden.
Gemäß der von Jürgen Habermas vertretenen deliberativen Demokratietheorie sind nur solche gesellschaftlichen Entwicklungen zustimmungsfähig und können Geltung beanspruchen, die das Resultat eines Deliberationsprozesses sind, der den Bedingungen der Gleichheit aller Teilnehmer, der Offenheit der Agenda und der Möglichkeit der Infragestellung geltender Diskursregeln unterliegt. Vgl.: Hubertus Buchstein: Jürgen Habermas. In: Peter Massing, Gotthard Breit (Hg.): Demokratie-Theorien. Von der Antike bis zur Gegenwart. 2005, Bonn. S. 253-260.
Die deliberative Demokratietheorie postuliert, daß die politischen Überzeugungen von Bürgern zugleich aufklärungsbedürftig als auch aufklärungsfähig sind, was durch die politische Kommunikation der Bürger untereinander erfolgt. Damit gründet sie auf dem diskurstheoretischen Grundsatz der „Theorie des kommunikativen Handelns“ von Jürgen Habermas (Vgl.: Jürgen Habermas: Theorie des kommunikativen Handelns. 1981, Frankfurt am Main.), nach dem genau die Regelungen Legitimität beanspruchen dürfen, denen alle möglicherweise Betroffenen als Teilnehmer an rationalen Diskursen zustimmen könnten. In seinem Buch: „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ zeigt der Philosoph Jürgen Habermas auf, daß der Diskursbegriff der Demokratie die Frage aufwirft, „wie eine diskursive Meinungs- und Willensbildung unter Bedingungen von Massendemokratien eingerichtet werden kann“, wobei die „Kommunikationsvoraussetzungen für faire Verhandlungen und zwanglose Argumentationen“ „die vollständige Inklusion aller möglichen Betroffenen, die Gleichberechtigung der Parteien, Zwanglosigkeit der Interaktion, Offenheit der Themen und Beiträge, Revidierbarkeit der Ergebnisse“ verlangen. Siehe: Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit. 1990, Frankfurt am Main. S. 41.
246) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiege_der_Menschheit#Cradle_of_Humankind
247) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sterkfontein
248) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Swartkrans
249) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kimberley_(Süafrika)
250) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/De_Beers
251) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Ernest_Oppenheimer
252) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/J._P._Morgan
253) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Anglo_American
254) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Oppenheimer
255) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/The_Big_Hole
256) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Freilichtmuseum
257) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Skansen_(Stockholm)
258) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Diamant
259) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kap-Kairo-Plan
260) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/M._A._Rothschild_&_Söhne
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/N_M_Rothschild_&_Sons
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Rothschild_(Familie)
261) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jameson_Raid
262) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bloemfontein
263) Vgl.: https://wmbr.org.za/
Vgl. auch: https://grokipedia.com/page/anglo_boer_war_museum
264) Vgl. Anmerkung 38.
Im Vergleich mit dem „kurzen“ und „extremen“ 20. Jahrhundert stellt sich die Frage, was das „lange“ 19. Jahrhundert zu einem vergleichsweise friedlichen Jahrhundert macht:
Nach dem Sieg über Napoleon Bonaparte bilden drei der fünf Großmächte der Pentarchie,
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mächtegleichgewicht
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Pentarchie_(Europa)
das Kaiserreich Rußland, das Kaiserreich Österreich-Ungarn und das Königreich Preußen im Anschluß an den Wiener Kongress
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Kongress
auf Initiative von Kaiser Alexander I. (1777-1825)
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_I._(Russland)
die „Heilige Allianz“.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Allianz
Kerngedanke der auf Initiative von Kaiser Alexander I. entstandenen „Heiligen Allianz“, die den Charakter eines Kartells einer Mehrheit von drei der fünf Großmächte der Pentarchie hatte, war die Sicherung eines „Ewigen Friedens“ durch konsequente Selbstverpflichtung aller europäischen Monarchen auf die Grundsätze der christlichen Nächstenliebe. Die „Heilige Allianz“ brach im Krim-Krieg
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Krimkrieg
auseinander. Der Krimkrieg in den Jahren 1853 bis 1856 wird im Allgemeinen kaum beachtet, doch seine Bedeutung ist erheblich. Er war der größte Krieg zwischen den Napoleonischen Kriegen
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Napoleonische_Kriege
und dem Ersten Weltkrieg, und schon der Krimkrieg wäre ein Weltkrieg
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltkrieg
geworden, wenn das Königreich Preußen und das Kaiserreich Österreich-Ungarn im Krimkrieg nicht neutral geblieben wären. Zuvor hatte schon der Siebenjährige Krieg
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Siebenjähriger_Krieg
in den Jahren 1756 bis 1763 den Charakter eines Weltkrieges gehabt, da er unter Beteiligung aller europäischen Großmächte weltweit auf mehreren Kontinenten geführt wurde, sodaß sich mit dem Siebenjährigen Krieg das Zeitalter des Imperialismus ankündigte, das in den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts kulminierte. Der Krimkrieg führte zum Ende des Mächtegleichgewichtes der Pentarchie und zum Zerfall der sogenannten „Heiligen Allianz“ was eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, daß später der Erste Weltkrieg entstehen konnte. Während im Krimkrieg das Kaiserreich Rußland isoliert war, sodaß dessen Kriegsniederlage unvermeidlich war, waren im Ersten Weltkrieg die Kaiserreiche Deutschland und Österreich-Ungarn isoliert mit den gleichen Folgen. Dies verweist auf die Rolle, die Bedeutung und den Erfolg von Geheimdiplomatie.
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheimdiplomatie
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheimvertrag
Das „Dreikaiserabkommen“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dreikaiserabkommen
vom 22.10.1873 knüpfte an die „Heilige Allianz“ an mit dem Ziel, „den gegenwärtig in Europa herrschenden Friedenszustand zu befestigen“, um ihn „gegen alle Erschütterungen, von welcher Seite sie auch kommen mögen, zu sichern, und wenn nötig zu erzwingen“. Der „Dreikaiserbund“
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Dreikaiserbund
vom 18.06.1881 setzte das „Dreikaiserabkommen“ fort. Mit dem Ende des „Dreikaiserbundes“ im Jahre 1886 und der Nichtverlängerung des am 18.06.1087 abgeschlossenen Rückversicherungsvertrages
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Rückversicherungsvertrag
im Jahre 1890 endet die von Kaiser Alexander I. (1777-1825) auf dem Wiener Kongress begründete europäische Friedensordnung auf Grundlage eines Bündnisses des Kaiserreichs Rußland, des Kaiserreichs Österreich-Ungarn und des Königreichs Preußen, ab 1871 des Kaiserreichs Deutschland. Dies ist die entscheidende Voraussetzung, daß der Erste Weltkrieg entstehen konnte, der zum Untergang dieser drei Monarchien führte. Der Erste Weltkrieg ist die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, und auf ein „langes“, vergleichsweise friedliches 19. Jahrhundert folge nun ein „kurzes“ und extremes 20. Jahrhundert.
265) Als ein Beispiel für die kriegsentscheidende Bedeutung dieser Faktoren im Totalen Industriellen Krieg kann der Zweite Weltkrieg aufgeführt werden. In dessen Verlauf weiteten die Alliierten den Zweiten Weltkrieg immer weiter aus, wodurch sich im Vergleich zu den Achsenmächten die verfügbare Rohstoffbasis, die Industrieproduktion und das verfügbare militärtechnische Arsenal immer mehr zuungunsten der Achsenmächte und zu Gunsten der Alliierten verschob, sodaß den Alliierten dadurch der militärische Sieg automatisch zufallen mußte. In einem räumlich auf Europa begrenzten Krieg konnten die Achsenmächte militärische Erfolge erzielen, nicht mehr jedoch in einem permanent ausgeweiteten Weltkrieg. Eine weitere Radikalisierung der Kriegsführung, die weitere Ausweitung des Ausnahmezustands und auf dessen Grundlage die weitere Radikalisierung des „Maßnahmenstaates“ durch die Achsenmächte konnte an dieser zwangsläufigen Entwicklung hin zu einer Kriegsniederlage im zum Weltkrieg ausgeweiteten Totalen Industriellen Krieg nichts ändern.
266) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Internierungslager
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Lager_(Camp)#Unfreiwilligkeit
267) Siehe: Karl Schlögel: Bugwelle des Krieges. S. 185-186. In: Stefan Aust, Stephan Burgdorff (Hg.): Die Flucht. Über die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. 2003, Bonn. S. 194-195.
268) Siehe: Gerhard Armanski: Maschinen des Terrors. Das Lager (KZ und GULAG) in der Moderne. Münster, 1993. S. 18.
269) Vgl.: Caroll Quigley: Das Anglo-Amerikanische Establishment. Die Geschichte einer geheimen Weltregierung. 2016, Rottenburg.
Und: Gerry Docherty, Jim Macgregor: Verborgene Geschichte. Wie eine geheime Elite die Menschheit in den Ersten Weltkrieg stürzte. 2017, Rottenburg.
270) Vgl. Anmerkungen 38 und 264.
271) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsziele_im_Ersten_Weltkrieg
272) Vgl. Anmerkung 213.
273) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lesotho
274) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Verwitterung
275) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Boden_(Bodenkunde)
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Pedogenese
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Bodentyp
276) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Tonminerale
277) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Lesotho_Highlands_Water_Project
278) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Drakensberge
279) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Subsistenzwirtschaft
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Traditionelle_Wirtschaftsform
280) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Symbiose
281) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bodenerosion
282) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bodendegradation
283) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Sanipass
284) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wald-_und_Baumgrenze
285) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Alm_(Bergweide)#Almwirtschaft
286) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Grenze
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Grenze#Entstehung_von_Staatsgrenzen
287) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Territorialstaat
288) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Niemandsland
289) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Republik_Natalia
290) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Durban
291) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/East_London_(Südafrika)
292) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Erosionsrinne
293) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/East_London_Museum
294) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Seefahrt
295) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Quastenflosser
296) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gqeberha
297) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Karoo
298) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mossel_Bay
299) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bartolomeu_Dias
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_portugiesischen_Seefahrer_und_Entdecker
300) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Seeweg_nach_Indien
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Portugiesische_Kolonialgeschichte
301) Über meinen Besuch dieser beiden Ausstellungen zum Thema Holocaust in Vilnius und in Paris berichte ich in Kapitel 6: „Vilnius, ein Stadtschicksal im extremen 20. Jahrhundert“ meines Reiseerlebnisberichtes: „In den Frontstaaten beiderseits des neuen Eisernen Vorhangs – Eindrücke einer Reise nach Belarus.“ Dieser Text kann auf meiner Internetseite aufgerufen und gelesen werden:
302) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtspolitik
303) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Identitätspolitik
Sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Identität#Politische_und_soziologische_Identitätsbegriffe
304) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust_Education
Vgl. auch: Habbo Knoch: Geschichte in Gedenkstätten. Theorie, Praxis, Berufsfelder. 2020, Tübingen. S. 147-148.
305) Vgl.: Habbo Knoch: Geschichte in Gedenkstätten. Theorie, Praxis, Berufsfelder. 2020, Tübingen. S. 103.
306) Vgl.: Ebenda: S. 166-170.
307) Vgl.: Kamila Dabrowska: Nostalgie und Rückkehr zur nicht mehr gegenwärtigen Vergangenheit. Der Marsch der Lebenden im Kontext jüdischer Erinnerungsfahrten nach Polen. S. 193-194. In: Enrico Heitzer, Günter Morsch, Robert Trabka, Katarzyna Woniak (Hg.): Von Mahnstädten über zeithistorische Museen zu Orten des Massentourismus? Gedenkstätten an Orten von NS-Verbrechen in Polen und Deutschland. (= Forschungsbeiträge und Materialien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Band 18). 2016, Berlin. S. 184-200.
308) Vgl.: Ebenda. S. 194.
309) Vgl.: Wikipedia versucht, auf diese Frage eine Antwort zu finden:
Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Wer_ist_Jude?
310) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdische_Religion
311) Siehe: Jan Assmann: Totale Religion. 2. Auflage 2017, Wien. S. 145.
312) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Juden_in_den_Vereinigten_Staaten
313) Vgl.: https://en.wikipedia.org/wiki/Israel_lobby_in_the_United_States
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/The_Israel_Lobby_and_U.S._Foreign_Policy
314) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/American_Israel_Public_Affairs_Committee
Ausführlicher ist der englischsprachige Wikipedia-Artikel:
https://en.wikipedia.org/wiki/AIPAC
315) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Persönlichkeit#Persönlichkeit_in_der_Philosophie
316) Aufklärung kann nach Willi Oelmüller verstanden werden als ein „Prozeß von Traditionskritik und Traditionsbewahrung, der den jeweils geschichtlich erreichten Stand öffentlich anerkannter und teilweise bereits institutionalisierter sittlich-politischer Errungenschaften verteidigt und durchsetzt. Aufklärung sollte so (…) eine Orientierungshilfe bei der Bewältigung ungelöster Lebens- und Handlungsprobleme sein.“ Siehe: Willi Oelmüller: Die unbefriedigte Aufklärung. Beiträge zu einer Theorie der Moderne von Lessing, Kant und Hegel. Frankfurt am Main, 1979. S. I.
317) Die Forderung nach einem neuen, nunmehr globalen Zeitalter der Aufklärung wird mittlerweile häufiger erhoben, so z.B. von dem Physiker und Biologen Ernst Ulrich von Weizsäcker und dem Wissenschaftler Anders Wijkman in ihrem Buch: „Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen“: „Die neue Aufklärung, die ‚Aufklärung 2.0‘, wird nicht europazentriert sein. Sie muß sich auch an den großartigen Traditionen anderer Zivilisationen orientieren.“ Siehe: Ernst Ulrich von Weizsäcker, Anders Wijkman: Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. 2019, München. S. 181.
Vgl. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung
318) Auf diese Leitfrage einer Aufklärung verweist der Literaturwissenschaftler Steffen Martus in seinem Buch: „Aufklärung. Das deutsche 18. Jahrhundert – ein Epochenbild“: „In den aktuellen Kulturkonflikten stellt sich das Problem mehr denn je. Wir sehen tagtäglich, dass Argumente, die uns triftig erscheinen, anderen Menschen gar nicht einleuchten. Wir stellen fest, dass unser Lebens- und Denkstil, unsere Lebens- und Denkhaltung nicht per Anweisung, Belehrung oder Gesetz übertragen werden können. Wir verstehen, dass wir für unsere grundlegenden Einstellungen werben müssen und dass wir dafür viel Zeit, Geduld und nicht allein gute, sondern auch attraktive und interessante Ideen benötigen.“ Siehe: Steffen Martus: Aufklärung. Das deutsche 18. Jahrhundert – ein Epochenbild. 2018, Reinbek bei Hamburg. S. 16-17.
319) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kap_der_Guten_Hoffnung
320) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelmeerraum#Menschliche_Eingriffe
321) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Macchie
322) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Garrigue
323) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Karst
324) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelmeerraum#Klima
Sowie. https://de.wikipedia.org/wiki/Cs-Klimate
325) Siehe: Jared Diamond: Kollaps – Warum Gesellschaften überleben oder untergehen. 5. Auflage 2020, Frankfurt am Main. S. 525.
326) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Stellenbosch
327) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Hugenotten
328) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kapholländische_Architektur
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Rucksackreise Südliches Afrika – Ein Reiseerlebnisbericht. Textversion 03 vom 24.02.2026.
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Manfred SUCHAN
Geograf
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